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Sunset lächelt mich
fröhlich an, bewegt die Maus ein wenig, schaut flüchtig auf den
Computerbildschirm und sagt dann immer noch fröhlich: „Nix zu machen, das Zimmer ist
schon vergeben. Aber wir hätten da noch 371.“
Schade, 1015 hätte was gehabt. Immerhin ist das das Zimmer, durch
dessen Fenster einst Rolling Stones-Gitarrist Keith Richards einen
Fernseher auf die Straße gepfeffert hatte. Ein Beispiel, dem wenig
später im selben Hotel sein Landsmann Keith Moon von Led Zeppelin
folgte. Jedesmal wenn ich im Hyatt on Sunset absteige, versuche ich die
1015 zu bekommen. Geklappt hat's noch nie. Aber es ist
eigentlich
egal, in welchem Zimmer man unterkommt, weil in so ziemlich jedem
irgendwann schon einmal ein Rockstar genächtigt und gefeiert und
randaliert hat. Das Hyatt on Sunset ist eben ein Rock'n'Roll-Hotel.
Mehr noch, es ist der Prototyp des Rock'n'Roll-Hotels.
Das
Londoner Columbia Hotel ist nicht zuletzt wegen seiner Bar die
bekannteste Rock'n'Roll-Herberge der britischen Hauptstadt geworden.
Die hatte selbst in den schlechten alten Tagen, als auf den Inseln nach
elf Uhr Abends gar nichts mehr lief – und schon gar nicht die Zapfhähne
– bis um zwei, drei oder gar vier Uhr morgens an Hotelgäste Alkohol
ausgeschenkt. Was das Columbia, dessen leicht herunter gekommener
imperialer Schick ansonsten sicherlich nicht jedermanns Sache gewesen
wäre, zur ersten
Adresse für fahrende Musiker aus aller Herren
Länder machte. Für das Columbia im Übrigen ein lukratives
Geschäft, da für fahrende Musiker Hotels auch Inseln der Vertrautheit
in der Fremde sind, sie also immer gerne wiederkommen, wenn's ihnen
einmal gefallen hat. So ganz nebenbei ist der Mythos, der jedes
Rock'n'Roll-Hotel umgibt, auch gut fürs sonstige Geschäft. Mancher
Tourist steigt nur aus dem einen Grunde im Columbia ab, weil er auf die
eine oder andere Berühmtheit in der Bar hofft.
Rockmusiker
haben oft eine besondere Beziehung zu Hotels. Manche machen sie zur
ständigen Wohnstatt, wie Udo Lindenberg das Hamburger Hotel Atlantik.
Andere widmen ihren Lieblingshotels Lieder oder ganze Schallplatten,
wie Extrabreit dem Hamburger Hotel Monopol, in dem ebenfalls schon seit
Jahrzehnten Rocker aus aller Welt absteigen. Durch ein Lied von den
Eagles weltberühmt wurde das Hotel California. Ausgerechnet dieses
Hotel allerdings hat nie wirklich existiert. Zwar steht am Strand von
Santa Monica ein Hotel mit dem Namen California, doch ist es nicht das
im Lied besungene.
Klassische
Rock'n'Roll-Hotels finden sich in vielen Großstädten. Im amerikanischen
Seattle ist es das direkt ans Wasser des Seattle Sound gebaute
Edgewater Inn, in dem Jimi Hendrix einst immer dann lebte, wenn er
seine Familie und seine Freunde in der Stadt besuchte. Im Edgewater Inn
haben auch die Beatles oft genächtigt, stets im selben Zimmer, und
Nirvana der Weltpresse Interviews gegeben. Und Led Zeppelin haben sich
natürlich auch im Edgewater Inn daneben benommen.
Das
erste Moskauer Hotel, das Erfahrungen mit westlicher Rockkultur machte,
war das inzwischen leider abgerissene Rossija. Das war zu Zeiten, in
denen beim Besuch von amerikanischen Rockstars wie Bon Jovi die
Behörden noch kurzerhand die Straße vom Moskauer Flughafen zum Hotel
Rossija auf voller Länge für den Verkehr sperrten und die Musiker in
Luxuslimousinen, eskortiert von mehreren Polizeieinheiten, direkt zum
Eingang des Rossija chauffierten. Das war im Winter 1988. Seitdem hat
sich in Moskau einiges geändert. Vor allem müssen sich in unseren Tagen
auch Rockstars und ihre Begleitung dem immer dichter werdenden Verkehr
der russischen Hauptstadt ohne Absperrungen und Eskorten stellen. Im
Sommer 1989 hatte das Rossija eine Horde von westlichen Bands zu Gast,
die im Rahmen des Moscow Music Peace Festivals gegen Drogen- und
Alkoholmissbrauch anspielten. Später an der Hotelbar, wo russische und
westliche Musiker Verbrüderung feierten, waren die Aufrufe zur
Abstinenz allerdings schon längst wieder vergessen. Damit war das
Rossija auch als erste Adresse für rockende Moskau-Besucher etabliert.
Irgendwann im Rahmen dieses Festivals kam Klaus Meine und Rudolf
Schenker übrigens die Idee zu einem Song, den sie später „Wind of
Change“ tauften.