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Les Passeroses –
Ein kleines Yoga-Paradies für Feinschmecker

Eins muss man den Franzosen lassen: selbst ihre Landstraßen dritter Güte sind noch erstklassig. In sanften Kurven schlängelt sich die vorzüglich asphaltierte D141 durch Sonnenblumenfelder, Weinberge und kleine Wäldchen, vorbei an vereinzelten Villen und Bauernhöfen. Gelegentlich zweigen schmale  Seitenstraßen ab, kaum mehr als geteerte Ackerwege, und verlieren sich in den Feldern und Hügeln. An der Einmündung von einem dieser Seitenwege steht auf einem windschiefen Pfahl ein schwarzer Briefkasten. Nach solle man Ausschau halten hatte es geheißen, er kennzeichne die Abzweigung, die zu Les Passeroses führe. Ein Briefkasten, das ist alles, kein Hinweisschild, keine Einladung an den zufällig Vorbeifahrenden doch mal hereinzuschauen. Nichts. Einfach nur ein Briefkasten. Les Passeroses, so scheint es, ist in seiner Abgeschiedenheit nur für Insider.

Les PasserosesVorsichtig biegt der Insider ein in den holprigen Pfad. Der Weg wird schmaler, so schmal, dass der Wagen seine Breite fast zur Gänze ausfüllt. Er führt, nun kaum mehr als ein befestigter Pfad, vorbei an zwei Bauernhöfen, dann eine enge Kurve und zur Rechten eine graue Mauer, eine Scheune und schließlich eine Wiese, die zum Parken einlädt. Geradeaus ist eine Ruine, ein Wäldchen und schließlich nur noch Natur. Les Passeroses, in der Mitte von einem Nirgendwo, das auf Landkarten als Charente verzeichnet ist, und in britischen Yoga-Kreisen als ultraheißer Geheimtipp gehandelt, liegt still und verschlafen in einer sanften  Mulde mitten in idyllischer Bauernlandschaft.

Das Anwesen hat sich auf den regenkalten britischen Inseln binnen kürzester Zeit einen Namen als Yoga-Retreat der Spitzenklasse gemacht. Auch wegen Alex und Adrian, den Herren des Hauses. Die beiden haben das hektische leben in einer britische Metropole hinter sich gelassen, um sich in der Charente den typisch englischen Traum von einer Pension in Frankreich zu erfüllen.

Zigtausende von Briten kaufen sich Jahr für Jahr im ländlichen Frankreich ein, renovieren halb verfallene Bauernhäuser, eröffnen Antiquitätenläden und Pensionen, Cafés und Bars. In manchen Gegenden stellen britische Zuwanderer mittlerweile schon einen beachtlichen Bevölkerungsanteil – nicht immer zur Freude der Einheimischen, die mit Sorge sehen, wie sich Immobilienpreise in kürzester Zeit in Regionen vervielfachen, die für junge französische Familien kaum noch erschwinglich sind. Auch in der Charente wächst die Gemeinde der britischen Expats weiter rasant an.

Alex Gonnord (front) und BesucherAlex Gonnord und Adrian Luty haben allerdings engere Bindungen an Land und Leute als das überwiegende Gros ihrer zugewanderten britischen Landsleute. Alex' Vater ist Franzose und ist mit seiner englischen Frau nach vielen Jahren als Küchenchef in England einige Monate vor seinem Sohn in das nahe gelegene Örtchen Montmareau zurück gekehrt. Wie der Vater hat auch Alex Gonnord in England viele Jahre als Küchenchef in verschiedenen Spitzenküchen gearbeitet. Sein Lebens- und Geschäfts-Partner Adrian Luty, selbst ebenfalls ein ausgezeichneter Koch, hat sich derweil auf den Inseln einen Namen als Künstler gemacht und steht außerdem als leitender kreativer Kopf  in Diensten einer großen britischen PR-Agentur. Weswegen er nach wie vor zwischen Manchester und Nonac hin und her pendeln muss.

Die beiden haben das noch vor Jahresfrist leicht heruntergekommene Anwesen in ebenso liebevoller wie schweiß- und schwielentreibender Handarbeit wiederhergestellt und zu einem herberglichen Kleinod ziseliert.

Relax.....Dessen Hauptattraktion ist neben dem Swimming Pool vor allem der großzügige und lichtdurchflutete Yoga- und Mediationsraum, untergebracht in einer ehemaligen Scheune und direkt ans Haus angrenzend. Die gläsernen Schiebetüren geben auf der Frontseite den Blick frei auf den Swimming Pool und auf der Stirnseite auf einen ruhig daliegenden Teich und auf eine riesige Bananenstaude. Die großzügigen Gastzimmer haben ihren ursprünglichen Bauernstuben-Charme erhalten und strahlen behagliche Ruhe aus. Wer nun auf Fernseher und Telefon im Zimmer hofft, wird enttäuscht sein. Die Außenwelt bleibt weitgehend ausgeschlossen aus Les Passeroses. Auch Mobiltelefone funktionieren nicht. Technischen Komfort und einen Hauch von Luxus bieten lediglich die en suite-Duschen, die von der sanften Berieselung bis zur Ganz-Körper-Jetmassage ein reiches Repertoire reinigender Wasserspielereien ermöglichen.

Gerade diese komfortable Abgeschiedenheit in sonnenüberfluteter, üppig hügeliger Ackerkulturlandschaft ist es, die Les Passeroses für betuchte  Sinn- und Weltensuchende zu einem Traumziel werden lässt. Spätestens seit Jane Craggs, vom liberalen Intelligenzblatt The Independent  zu einer der herausragenden Yoga-Lehrerinnen Großbritanniens geadelt, das Refugium für sich und ihre Schüler entdeckt hat und es zwei- bis dreimal im Jahr für ihren Kreis bucht, ist der gute Ruf glänzend aufpoliert.

Yoga SpaceDoch das Paar setzt nicht allein auf die internationale Yogaklientel. Die beiden locken auch Mitarbeiter-Motivationsseminare nach Nonac, sowie Kochbegeisterte und Individualisten mit Gespür für das Besondere. Gerade für die Freunde pfiffiger Gaumenfreuden könnte Les Passeroses zum Mekka werden, denn Alex Gonnord ist kein Nullachtfuffzehn-Küchenchef der gewöhnlichen Beherbergungs-Einheitsklasse, sondern ein kreativer Individualist, der auch verwöhntere Geschmacksknospen durchaus zu überraschen weiß. Ein Gourmet-Wochenende in Les Passeroses führt die Teilnehmer daher nicht nur in entspannter Atmosphäre in die bunte Vielfalt lokaler Erzeugnisse ein, sondern demonstriert auch, was man mit denen so alles anstellen kann. Und es muss keineswegs immer Fleisch sein, das auf den Tisch kommt. Denn als langjähriger Chef eines vegetarischen Restaurants hat sich Alex Gonnord in seiner früheren Heimat nicht nur Vegetarier aller Spielarten ausgezeichnet bekocht, er hat das auch so gut getan, dass, worauf er immer noch ein bisschen stolz ist, viele von seinen Stammkunden ansonsten durchaus gewöhnliche Fleischesser waren.

WeinrankenAlex Gonnord und Adrian Luty hatten ihre geschäftige britische Großstadt verlassen, um sich in dem ländlichen Paralleluniversum der Charente einen Traum göttlicher Ruhe in Frankreich zu verwirklichen. Den Traum erfüllen sie auch ihren Gästen, wenn diese für einige Tage aus ihrem Alltagsstress aussteigen und bei ihnen unterkriechen. Grundsätzlich sind in Les Passeroses alle willkommen, die das Gebotene zu schätzen wissen. Dass diese eigentlich so selbstverständliche Gastfreundschaft vor allem außerhalb der Großstädte durchaus nicht so selbstverständlich ist, wenn die Reisenden offen schwule oder lesbische Paare sind, wissen sie aus eigener Erfahrung. Und betonen deshalb gerne und ausdrücklich, dass Les Passeroses ganz und gar „pink friendly“ sei.

Ein kurzes Wochenende in Les Passeroses neigt sich seinem viel zu frühen Ende zu. Der Insider sitzt am Pool, genießt den warmen Sonnenschein eines makellosen Spätsommer-Nachmittags und einen leichten Rosé. Im tiefblauen Himmel hängt beinahe bewegungslos ein bunter Heißluftballon, kaum merklich voran getrieben von einer sachten Brise. In der Ferne bemerkt eine Kuh den Ballon, schaut müßig wiederkäuend auf das unbekannte Flugobjekt, entscheidet nach langen Momenten der Irritation, dass Grund zur Sorge besteht und beginnt laut zu muhen. Andere Kühe fallen ein, muhen ihren Protest zum Himmel hinauf. Unbeeindruckt treibt der Ballon weiter. Ein perfekter Tag in der Charente neigt sich kakophon seinem Ende zu. Der Geruch, der aus der Küche dringt, verspricht, dass dieses Ende ein weiteres wundervolles sein wird. Keine Frage, ich werde wieder kommen.

©2005 MuzikQuest/ Edgar Klüsener

Les Passeroses im Internet: http://www.passeroses.com