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Vorsichtig
biegt der Insider ein in den holprigen Pfad. Der Weg wird schmaler, so
schmal, dass der Wagen seine Breite fast zur Gänze
ausfüllt. Er führt, nun kaum mehr als ein befestigter
Pfad, vorbei an zwei Bauernhöfen, dann eine enge Kurve und zur
Rechten eine graue Mauer, eine Scheune und schließlich eine
Wiese, die zum Parken einlädt. Geradeaus ist eine Ruine, ein
Wäldchen und schließlich nur noch Natur. Les
Passeroses, in der Mitte von einem Nirgendwo, das auf Landkarten als
Charente verzeichnet ist, und in britischen Yoga-Kreisen als
ultraheißer Geheimtipp gehandelt, liegt still und verschlafen
in einer sanften Mulde mitten in idyllischer
Bauernlandschaft.
Alex
Gonnord und Adrian Luty haben allerdings engere Bindungen an Land und
Leute als das überwiegende Gros ihrer zugewanderten britischen
Landsleute. Alex' Vater ist Franzose und ist mit seiner englischen Frau
nach vielen Jahren als Küchenchef in England einige Monate vor
seinem Sohn in das nahe gelegene Örtchen Montmareau
zurück gekehrt. Wie der Vater hat auch Alex Gonnord in England
viele Jahre als Küchenchef in verschiedenen
Spitzenküchen gearbeitet. Sein Lebens- und
Geschäfts-Partner Adrian Luty, selbst ebenfalls ein
ausgezeichneter Koch, hat sich derweil auf den Inseln einen Namen als
Künstler gemacht und steht außerdem als leitender
kreativer Kopf in Diensten einer großen britischen
PR-Agentur. Weswegen er nach wie vor zwischen Manchester und Nonac hin
und her pendeln muss.
Dessen
Hauptattraktion ist neben dem Swimming Pool vor allem der
großzügige und lichtdurchflutete Yoga- und
Mediationsraum, untergebracht in einer ehemaligen Scheune und direkt
ans Haus angrenzend. Die gläsernen Schiebetüren geben
auf der Frontseite den Blick frei auf den Swimming Pool und auf der
Stirnseite auf einen ruhig daliegenden Teich und auf eine riesige
Bananenstaude. Die großzügigen Gastzimmer haben
ihren ursprünglichen Bauernstuben-Charme erhalten und strahlen
behagliche Ruhe aus. Wer nun auf Fernseher und Telefon im Zimmer hofft,
wird enttäuscht sein. Die Außenwelt bleibt
weitgehend ausgeschlossen aus Les Passeroses. Auch Mobiltelefone
funktionieren nicht. Technischen Komfort und einen Hauch von Luxus
bieten lediglich die en suite-Duschen, die von der sanften Berieselung
bis zur Ganz-Körper-Jetmassage ein reiches Repertoire
reinigender Wasserspielereien ermöglichen.
Doch
das Paar setzt nicht allein auf die internationale Yogaklientel. Die
beiden locken auch Mitarbeiter-Motivationsseminare nach Nonac, sowie
Kochbegeisterte und Individualisten mit Gespür für
das Besondere. Gerade für die Freunde pfiffiger Gaumenfreuden
könnte Les Passeroses zum Mekka werden, denn Alex Gonnord ist
kein Nullachtfuffzehn-Küchenchef der gewöhnlichen
Beherbergungs-Einheitsklasse, sondern ein kreativer Individualist, der
auch verwöhntere Geschmacksknospen durchaus zu
überraschen weiß. Ein Gourmet-Wochenende in Les
Passeroses führt die Teilnehmer daher nicht nur in entspannter
Atmosphäre in die bunte Vielfalt lokaler Erzeugnisse ein,
sondern demonstriert auch, was man mit denen so alles anstellen kann.
Und es muss keineswegs immer Fleisch sein, das auf den Tisch kommt.
Denn als langjähriger Chef eines vegetarischen Restaurants hat
sich Alex Gonnord in seiner früheren Heimat nicht nur
Vegetarier aller Spielarten ausgezeichnet bekocht, er hat das auch so
gut getan, dass, worauf er immer noch ein bisschen stolz ist, viele von
seinen Stammkunden ansonsten durchaus gewöhnliche Fleischesser
waren.
Alex
Gonnord und Adrian Luty hatten ihre geschäftige britische
Großstadt verlassen, um sich in dem ländlichen
Paralleluniversum der Charente einen Traum göttlicher Ruhe in
Frankreich zu verwirklichen. Den Traum erfüllen sie auch ihren
Gästen, wenn diese für einige Tage aus ihrem
Alltagsstress aussteigen und bei ihnen unterkriechen.
Grundsätzlich sind in Les Passeroses alle willkommen, die das
Gebotene zu schätzen wissen. Dass diese eigentlich so
selbstverständliche Gastfreundschaft vor allem
außerhalb der Großstädte durchaus nicht so
selbstverständlich ist, wenn die Reisenden offen schwule oder
lesbische Paare sind, wissen sie aus eigener Erfahrung. Und betonen
deshalb gerne und ausdrücklich, dass Les Passeroses ganz und
gar „pink friendly“ sei.