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Der Charme der Langsamkeit
Mit der Fähre von Ancona nach Patras

Segeln in den SonnenuntergangSanft gleitet das Schiff durch pures Gold, so scheint es, mitten hinein in einen grandiosen Postkarten-Sonnenuntergang. Das adriatische Meer ist spiegelglatt, nur das Kielwasser schäumt ein wenig, bringt träge Unruhe auf. In der Ferne lassen sich vage links die Küstenlinie von Kroatien und rechts die von Italien erahnen. Wir sitzen auf einem der Ruhedecks, genießen eine sanfte Brise, die langsam die Hitze des italienischen Sommertages vergessen lässt. Nur wenige der Mitpassagiere hat es hinaus ins Freie gezogen, vielleicht zwei Dutzend verlieren sich hier. Trotzdem ist das Sprachengewirr babylonisch. Es wird deutsch gesprochen, italienisch, griechisch, englisch, polnisch und sogar persisch.

PostkartensonnenuntergangDr. Fallah sei der Name, so stellt sich einer der Mitreisenden vor, ein Mittvierziger mit freundlichem Lächeln und großen, neugierigen Augen, und Professor für Physik sei er an der Universität von Isfahan im Iran. Nach und nach gesellen sich weitere seiner Kollegen zu ihm. Geographen, Theologen, Erziehungswissenschaftler, Astronomen – die akademische Elite der Universität von Isfahan auf Europatournee. Um die zwanzig iranische Akademiker sind es, die mit dem Bus eine abenteuerliche Reise unternehmen, die wohl selbst dem legendären islamischen Weltreisenden Ibn Batuta Respekt abgenötigt hätte. Vom Iran aus sind sie mit dem Bus in die Türkei gefahren, dann weiter mit dem Schiff nach Ancona, von dort nach Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich und wieder Italien. In Spanien haben sie Cordoba besucht, die Hauptstadt des einst so mächtigen maurischen Kalifats.... weiter

Ein Traum von einer Revolution

Was ist geblieben vom Woodstock Mythos?

Leo Lyons - Ten Years AfterAm Anfang war das Chaos: Hunderttausende junger Amerikaner eingepfercht auf schlammigen Kuhwiesen, heftige Regengüsse und Gewitter, katastrophale sanitäre Zustände und mangelhafte medizinische Versorgung. Alle Zufahrtsstraßen heillos verstopft, Nachschub an Nahrungsmitteln und Getränken kam nicht durch. Am Ende musste das Militär Nahrung, elementare Hilfsmittel und medizinisches Personal einfliegen. Das Festival glich einem Katastrophengebiet. Doch statt zum durchaus möglichen Desaster wurde Woodstock 1969 zur Legende, zum langlebigen Mythos einer globalen Jugendkultur.

Für Leo Lyons war 1969 Woodstock zunächst einmal nur ein Festival unter vielen. Mit seiner Band Ten Years After tourte er in diesem Jahr kreuz und quer durch die USA. Auf dem Texas Pop- Festival hatten sie schon gespielt, dann auf dem Newport Jazz-Festival in St. Louis, zusammen mit Jazzern wie Dizzy Gillespie. Für den darauf folgenden Tag stand schließlich Woodstock auf dem Programm. Für die Briten nur ein Ortsname unter vielen, lediglich eine weitere Station auf ihrem endlosen Zug durch die Weiten Amerikas. „Wir wussten nur, dass Woodstock irgendwo in New York lag und dass wir am nächsten Morgen früh raus mussten, um den Flieger zu erwischen“, erinnert sich Leo. „Wir waren erst am zweiten Tag dran, als in Woodstock schon längst das Chaos tobte. Von dem wussten wir allerdings nichts. Erst unser Manager sagte uns schließlich auf dem Weg vom Flughafen nach Woodstock, was dort los war.“ mehr...


Medienstudium in Salford
Von der Uni direkt ins Fernsehen

In Greater Manchester hat sich eine Universität einen eigenen lokalen Fernsehsender geleistet und ist seitdem ein Magnet für Mediastudenten nicht nur aus dem Inselreich, sondern auch aus Deutschland.

Constanze KöstersSalford. Ausgerechnet Salford. Diese Stadt, die auf den ersten Blick eigentlich gar keine ist, sondern nur ein Flickenteppich von endlosen, tristen Reihenhaussiedlungen, heruntergekommenen Arbeiter-Vierteln und verwilderten Industriebrachen. Eine Stadt von über 250.000 Einwohnern, die sich nicht mal eine eigene Innenstadt leisten kann, deren Zentrum sich im benachbarten Manchester befindet. Was verschlägt deutsche Studenten wie Constanze Kösters ausgerechnet in dieses Salford? An eine Universität, die bei flüchtigem Hinsehen kaum mehr als ein unbeachtetes Zwielichtleben im Schatten der benachbarten protzigen Universitäten von Manchester führt?

Erste Blicke können gewaltig täuschen. Denn zum Einen ist Salford derzeit mächtig im Kommen: Die Salford Quays, genau gegenüber vom Manchester United-Stadion gelegen und einst der Industriehafen Manchesters, haben sich in eine spektakuläre Variante der Londoner Docklands gewandelt, mit Einkaufszentren, Theater, Galerien und Museen.

Zum anderen ist da das internationale Medieninstitut an der Universität Salford, das seit zehn Jahren eine eigene Fernsehproduktion und zudem einen eigenen lokalen Fernsehsender vorweisen kann. In diesen zehn Jahren hat sich die kleine Hochschule zur britischen Topadresse im Bereich „TV- and Radio-Studies“ gemausert. Eine von denen, die einen der begehrten Studienplätze haben ergattern können, ist Constanze Kösters, die es aus dem beschaulichen Münster in die raue Zwillingsschwester Manchesters verschlagen hat. Sie ist im letzten Jahr ihres dreijährigen BA-Studiums. Im Rahmen dieses Studiums hat sie bereits Radiobeiträge produziert, ihre Fernsehreportage über einen bekannten Landschaftsmaler ist landesweit ausgestrahlt worden, und sie hat ein Praktikum im New Yorker ARD-Studio absolviert und dort Beiträge mitproduziert, die dann über deutsche Bildschirme geflimmert sind. Ausgerechnet nach Salford hat sie die Verbindung von Studium mit professionellem Umfeld gelockt. Eine Verbindung, die nicht nur in Großbritannien einzigartig ist... hier weiterlesen


The Scorpions
Jenseits von Raum und Zeit?

Scorpions LiveVon außen wirkt das Apollo so schäbig wie sein Umfeld. Am äußersten Rande der Innenstadt von Manchester gelegen, in einem heruntergekommenen Schattenland zwischen den Glitzerfassaden, Bürohochhäusern und Nobelrestaurants der geschäftigen City, den wohlhabenden Vororten und den Universitäten, gleicht es beinahe einem Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Die graue Betonfassade ist gerade mit weißer Fassade frisch übertüncht worden, über dem Eingang prangt seit einiger Zeit eine digitale Leuchttafel, die auf die Attraktionen des Abends hinweist, der Gesamteindruck ist trotzdem kalt und abweisend. Und doch, dieser rohe Klotz ist einer der legendären Rock'n'Roll-Tempel Englands. Die Beatles aus der Nachbarstadt Liverpool haben hier aufgespielt, die Rolling Stones waren hier und Led Zeppelin, The Who, und natürlich auch alle lokalen Größen von den Hollies bis zu Oasis. Die exponierte Lage im städtebaulichen Niemandsland lässt das Gebäude seltsam zeitlos erscheinen. „The Scorpions” kündigt die Leuchttafel als Attraktion des Abends an, und Uli Jon Roth als „special guest”.  Die Reise durch Zeit und Raum beginnt hier...


Sean Connery
Schottland von den Bahamas aus gesehen

Sean Connery 1980Rum und Whiskey, Edinburgh und Nassau, London und Hollywood - Sean Connery, bekannt geworden als der Mann, der's vor allem geschüttelt mag, lebt zwischen den Welten. Totzdem, Schottland ist er immer treu geblieben. Kein Wunder, dass auch seine Autobiographie eigentlich ein Buch über Schottland ist.

Er war der erste, der berühmteste James Bond, der Prototyp des britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten und Verführen. Als Agent 007, immer ausgestattet mit den coolsten Gadgets des weltweiten Agentengewerbes, kämpfte er auf der Leinwand gegen die sinistren Feinde der britischen Krone und ließ dabei kaum eine Schönheit unberührt am Wegesrande stehen. Wenn so einer, der sich zudem jenseits der Leinwand eine Reputation als Frauenfreund, als sexyster Mann des Planeten erworben hatte, seine Lebenserinnerungen aufschreibt, dann darf man einiges erwarten. Eine packende Lebensbeichte zum Beispiel, in der er nachzulesen ist, wie aus einem ungebildeten dreizehnjährigen Schulabbrecher aus dem tristen Edinburgher Stadtteil Fountainbridge ein gefeierter Filmstar geworden ist. Das wäre die Geschichte von einem, der ohne Bedenken einen berüchtigten Mafiakiller mit einem Kopfstoß zu Boden geschickt hatte, weil der die Ehre von Connerys Kollegin und zeitweiliger Geliebten Lana Turner beleidigt hatte. weiterlesen


Juden im Iran: Ein Leben im Widerspruch

Schroffe Töne zwischen Israel und Iran. Holocaust-Leugnung auf der einen Seite, die unverhüllte Drohung mit Luftschlägen auf der anderen. Mittendrin, meistens vergessen und nur selten erwähnt, etwa 25.000 Juden im Iran, seit Jahrtausenden im Lande ansässig, Iraner per Staatsangehörigkeit, Juden durch ihre Religion und daher eigentlich beiden Seiten suspekt. Da stellt sich die Frage: Wie leben sie eigentlich, die Juden im Iran?

Ahmadinejad und ein Vertreter der juedischen GemeindeGut, sagen die, die noch im Lande verweilen. Gut, sagt auch Siamak Morsadegh, Kopf des Jüdischen Komitees von Teheran und Abgeordneter in der Majles, dem iranischen Parlament. Morsathegh fühlt sich in erster Linie als iranischer Patriot jüdischen Glaubens. Das mache ihn nicht automatisch zum Zionisten und zu einem Befürworter israelischer Besatzungspolitik, betont er immer wieder. Um diesen Standpunkt ganz klar zu machen, protestiert er auch schon mal öffentlich vor der UNO-Vertretung in Teheran gegen die israelischen Angriffe auf Gaza. weiterlesen....



Manchester City
Hoffen auf das Tafelsilber

Manchester City LogoJahrzehntelang war der Manchester City FC das Fußball-Aschenputtel im Nordwesten Englands, beinahe ein Synonym für permanente Krise. Aber der Club hatte auch immer die treuesten Fans. Deren galliger Galgenhumor machte sie inselweit berühmt und beliebt. Doch nun ist alles ganz anders. Erst kam ein gestürzter thailändischer Premierminister, dann eine Investorengruppe aus Abu Dhabi, und plötzlich ist Manchester City der reichste Club der Welt, schnappt Chelsea Robinho vor der Nase weg, schaltet im UEFA-Cup ganz locker Schalke aus und trifft nun auf den Hamburger SV.

Die Fans wissen immer noch nicht, was sie von all dem nun halten sollen. „Wir Fußballfans”, sagt Nigel, „sind keine Schönwetter-Shopper. Wir haben uns für einen Verein entschieden, meistens schon als Kinder, und dann bleiben wir diesem Verein eben treu. Durch dick und dünn, arm und reich.” Nigel bildet zwar in Oxford Gewerkschaftsvertreter aus, kommt aber eigentlich aus Manchester und ist mit Leib und Seele Fan von Man City. Wie die meisten Fans des in den vergangenen beiden Jahrzehnten arg gebeutelten Traditionsclubs muss er sich momentan daran gewöhnen, dass sein Club plötzlich reich ist... weiter


Ihre Kinder
Wie Rockmusik deutsch lernte.

Ihre KinderDas erste Plakat sah ich in der Nähe der Autobahnauffahrt Hagen-West. Es war mit Tapetenkleister an die Seitenwand der Straßenbahnhaltestelle gepappt, an der jeden Morgen mein Schulweg begann. Ihre Kinder wurden darauf angekündigt, im Jugendheim Hagen-Haspe. Eine deutsche Band mit deutschen Texten. Ganz am Anfang der Siebziger war das. Zu der Zeit war die deutsche Sprache in der Rockmusik noch sehr verpönt. Wer als westdeutscher Rocker auf sich hielt, der radebrechte denglisch, selbst wenn die eigene Kapelle nie aus dem Dunstkreis der Jugendheime und Schützenfeste herauskam. In den späten Sechzigern und frühen Siebzigern des Zwanzigsten Jahrhunderts selbstbewusst deutsch zu rocken, war in etwa so normal wie Currywurst rot-weiß bei McDonalds. Und jetzt also Ihre Kinder in Hagen-Haspe, eine Band die ausnahmslos auf deutsch sang, und das lange vor Lindenberg.

So wie zu der Zeit außer ihnen in der alten BRD nur sehr wenige andere. In der DDR gab's da schon die inzwischen legendäre Renft-Combo oder die eher angepassten Puhdys, aber von denen wusste im Westen kaum jemand was. Für die BRD fallen einem da vielleicht Floh de Cologne ein, obwohl auch die erst ein wenig später kamen, und die Scherben. Von letzteren beiden unterschieden sich Ihre Kinder jedoch erheblich. weiter...




Heavy Metal in Iran:
Ein Wettlauf mit dem Zensor

AhooraWir haben nichts als Probleme”, klagt

Milad Tangshir. „Wir dürfen keine Tornträger veröffentlichen, dürfen nicht auftreten, und wenn wir dann doch mal live spielen, werden unsere Konzerte gewaltsam abgebrochen. Sie zensieren unsere gesamte Existenz.”Milad Tangshir ist Rhythmus-Gitarrist von Ahoora, eine der profiliertesten Metalbands in der Islamischen Republik Iran.
Moment mal, Heavy Metal im Iran? Iron Maiden-Shirts, Kutten, Headbangen und Todesblei im revolutionären schiitischen Gottesstaat, im Herzen der Achse des Bösen? Ja geht denn das? Die Antwort vorweg: es geht! Milad Tangshir ist der lebende Beweis. Und es gibt andere. Die brandheiße Band Tarantist oder den brillanten Gitarristen Farzad Golpayegani zum Beispiel. Nicht zu vergessen O-Hum, zwar keine Metalband im engeren Sinn, aber mittlerweile auch in Deutschland eine kleine Größe. Die Umstände allerdings, unter denen sie arbeiten müssen, mag man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünschen.... weiter

Professor Johnny Marr
Querdenker, Außenseiter und die Mythen des Musikgeschäfts

Professor Johnny Marr und DJ John RobbAls Johnny Marr zum letzten Mal zu Gast in der Maxwell Hall war, musste das Gebäude  anschließend  runderneuert werden. 1986 war das, und Johnny Marr war da noch Gitarrist der Smiths. Die Band hatte im total überfüllten Saal im Obergeschoss aufgespielt und das Publikum vom ersten Ton an in ekstatische Rage versetzt. Das rhythmische Stampfen von rund zweitausend Füssen beschädigte im Laufe des Konzerts den Fußboden so massiv, dass der Einsturz des Saales befürchtet wurde. Vier Jahre sollte es anschließend dauern, bis die strukturellen Renovierungsarbeiten an dem Gebäude, das zum Campus der Universität von Salford gehört, endgültig abgeschlossen waren. Live-Konzerte allerdings waren auch danach noch viele weitere Jahre nicht erlaubt.

Am Abend des 4. November ist der Gitarrist erneut zu Gast in der Maxwell Hall. Wieder in der Haupthalle im Obergeschoss. Die ist auch diesmal bis auf den letzten Platz gefüllt. Das sind aber auch schon die einzigen Parallelen zu jenem denkwürdigen Abend vor 24 Jahren. Die Smiths sind längst in der Rubrik „Es war einmal” der Rockgeschichte gelandet, und Johnny Marr steht nicht als Musiker auf dem Podium, sondern als Professor im Fachbereich „Music, Media and Performance” der University of Salford.... weiter

Nationalpark Plitvice:|

ein Ausflug ins Paradies

SWasserfall im Nationalpark Plitviceo muss es einst im Paradies gewesen sein. Das Wasser der Seen und Bäche ist glasklar und schimmert türkis im Sonnenlicht. Dichte Fischschwärme treiben behäbig am Ufer entlang und beäugen neugierig die Menschen, die sich auf schmalen Plankenwegen am Wasserrand bewegen. Der Plankenweg überbrückt nun eine Engstelle. Links neben mir stürzt das Wasser anderthalb Meter tief in einen anderen See. Eine prächtige Forelle schwebt scheinbar mühe- und schwerelos in der sprudelnden Strömung und schaut zu mir hoch. Ich nestele umständlich die Kamera hervor, visiere den Fisch an. Der hält geduldig still, bis das Bild im Kasten ist und dreht erst dann ab.

Der Plankenweg führt weiter um kleine und größere Seen herum, überkreuzt Bäche und Teiche, verläuft meistens in den tiefen Schatten, die die saftig grünen Laubbäume werfen, zwischen denen der weiße Karst hervorschimmert, schwingt aber auch manchmal hinaus in die gleißende Hitze der Augustsonne. weiter...


Hotel Chelsea, New York
Rock'n'Roll Hotels
Sex And Drugs und weiche Betten

Manche Hotels sind halt anders. Rock'n'Roll-Hotels eben, die bevorzugten Absteigen reisender Musiker in den Metropolen dieser Erde. Herbergen, in denen Herr Gitarrist auch schon mal einen Fernseher durchs Fenster werfen kann, während Herr Sänger sich mit zwei Groupies im Bett vergnügt. Zum Beispiel. Eine kleine Rundreise durch einige der wichtigsten Rock'n'Roll-Hotels der letzten fünfzig Jahre und von Los Angeles über New York und Seattle nach Moskau, London, Manchester, Hamburg und Köln.

Viel Vergnügen, hier geht's los:
(pic: Hotel Chelsea, New York, by Gyrofrog)


Vorsicht vor den falschen Gigabyte 

der große ChiPod-Schwindel

Das Angebot klingt zu gut, um wirklich wahr zu sein. Ein 8 GB MP4-Player steht da zur Versteigerung, und das derzeit höchste Angebot liegt bei 99 Pence, umgerechnet 1,50 ¤. Das Photo zeigt einen eleganten schwarzen iPod Nano Klon, über dessen farbigen LCD-Schirm ein Video zu flimmern scheint. Die Produktbeschreibung verspricht 8 GB Speicher für Musik, Fotos und Videos. Außerdem FM-Radio, Spiele und noch einiges mehr. Einen Markennamen allerdings sucht man vergeblich in der Beschreibung. Und das alles für einen Spottpreis. Die Versteigerung endet viereinhalb Minuten später, das Gerät geht für ein Pfund an einen Bieter aus Großbritannien. Der Verkäufer firmiert unter dem Namen „maryclassic“ und berechnet für den Versand von Hongkong nach Europa das zwanzigfache der Versteigerungssumme. 21 Pfund, rund 31 ¤ zahlt am Ende der erfolgreiche Bieter an „maryclassic“. Nicht als einziger, ein Blick auf seine eBay-Feedbacks zeigt, dass allein dieser Verkäufer in den letzten Tagen hunderte von MP4-Spielern abgesetzt hat. Edgar Klüsener hat sich das Treiben mal näher angesehen


Willkommen in Orwell-Land

Wie sich England in einen totalen Überwachungsstaat verwandelt

Wer in Salford eine Schokoriegel-Verpackung oder ähnliches auf den Gehsteig fallen lässt, k2007 - Orwell hat sich nur in der Jahreszahl geirrtann seit kurzem eine laute Überraschung erleben. Eine Stimme, von mehreren Lautsprechern verstärkt, spricht ihn direkt an. “Hey, Sie da, der Herr mit der braunen Lederjacke, sie haben soeben ein Stückchen Papier auf die Straße geworfen. Bitte heben Sie es sofort wieder auf und entsorgen Sie es ordnungsgemäß.” Die ungeteilte Aufmerksamkeit anderer Passanten ist dem Umweltsünder sicher. Schaut der sich dann nach einem Polizisten in der Nähe um, wird er allerdings in der Regel vergeblich suchen. Der Sprecher nämlich sitzt einige Kilometer entfernt in einem Überwachungsraum vor einer Batterie von Bildschirmen, über die Livebilder aus allen Teilen der Stadt flimmern.... weiter


Der TischHommage für einen Tisch

Das Möbel steht in einem Erker. Aus bleigefassten Fenstern fällt bleicher Tagesschimmer in den Raum, weckt einen matten Glanz auf der blanken, dunklen Edelholz-Oberfläche. Das Möbel steht an diesem Ort seit mehr als hundertfünfzig Jahren. Draußen ist Europa in diesem Zeitraum zweimal in Blut ertrunken und seltsam vereint wieder auferstanden, sind Weltreiche in den Geschichtsbüchern für immer als verblichen abgelegt worden

Das Möbel hat die Zeitläufte unbeschadet überstanden, nur bei genauem Hinschauen sind zarteste Kratzer und Abschürfungen zu erkennen. Scheinbar unberührt steht es im Erker, eingebettet in staubige Stille, die nur gelegentlich durchbrochen wird, wenn sich ein Besucher in das Zimmer verirrt. Der hat vielleicht ein Buch in der Hand und ist gekommen, um ein wenig in dem zu blättern und zu lesen. Vielleicht ist er aber auch einfach nur neugierig auf das Zimmer, auf den Tisch. Denn an diesem Tisch ist Geschichte geschrieben worden, sind Sätze auf Papier gebannt worden, die Europa, die Welt bewegt haben. Das Zimmer ist am Ende eines Flures, der an beiden Seiten von hohen Regalen begrenzt wird. Die Regale stehen hinter Gittern. In ihnen stapeln sich Bücher, schwere Schwarten, in brüchiges Leder gebunden, zwischen ihnen zierliche, schmale Bändchen. Man sieht den Büchern ihr hohes Alter an, und doch, sie wirken zeitlos, so wie manches von dem Wissen, das in ihnen schlummert, zeitlos scheint. Weiter
Nordirland
Windumtost und atemberaubend schön

Schau doch mal nach unten, ist das nicht ein fantastischer Anblick?“
HängebrückeNach unten schauen? Den Teufel werde ich!

Dreißig Meter unter mir schäumt der Atlantik um eine der nördlichsten Klippen Nordirlands, und nur einige schmale, dünne Planken und Drahtseile trennen mich von der wilden Strömung, die sich tosend an schroffen Felsen bricht. Die Hängebrücke ist 20 Meter lang, einen Meter breit und verbindet die Mini-Insel Carrick-a-Rede mit den steil abfallenden Kliffs des Festlandes.
Ein Ausflug in das neue Nordirland. Die Waffen schweigen, der abgrundtiefe Hass ist einer überwältigenden Sehnsucht nach Frieden gewichen. Und der vergessene Norden der Insel ist atemberaubend schön. Höchste Zeit, sich einmal näher umzusehen. Weiter

Kaiser Chiefs
Selbst ist der Hype:
Yorkshire rockt
Der New Musical Express, selbsternannte Bibel der britischen Popmusik, hat's zuerst gerochen: In Yorkshire braut sich was zusammen. Ein neuer Trend der Popmusik. Wenn nicht gar eine Revolution. Mindestens! Die Revolution hat Namen, und der NME nennt einige davon, gern und immer wieder. Die Kaiser Chiefs zum Beispiel, ¡Forward Russia! oder die Arctic Monkeys . Yorkshire rockt und bebt, hat der NME erkannt, und der Rest Britanniens hypet inzwischen kräftig mit. Edgar Klüsener hat sich in Leeds und Sheffield umgtesehen, und ist einigen wirklich wundersamen Bands auf die Spuren gekommen. weiter......

Rockmusik in Israel
Auf der Suche nach einer neuen Identität

Maor Appelbaum ist der Sänger, Hauptkomponist und Bassist einer Rockband. Die Band heißt Sleepless, und sie ist aus Israel. Das erkläre einiges, meint Maor Appelbaum, vor allem die Intensität und Aggressivität von Sleepless. Denn Israel sei ein schnelles Land, ein Land, in dem musikalische Stile und Trends sich in rasantem Tempo verändern. Ein Land unter Druck, in dem keine Zeit sei für Beschaulichkeit und und für Langeweile. In dem Interview mit einem amerikanischen Fanzine führt er weiter aus: „Leben in Israel ist ein Leben im Hier und Jetzt, wir können nichts auf morgen verschieben. Dieses Land ist großartig für aggressive Musik, weil es unter ständigem Druck ist, umgeben von Feinden. Und manchmal sind wir selbst unsere größten Feinde.“

Orphaned LandRockmusik ist seit den späten Sechzigern die dominante Musikform Israels. International erfolgreicher mag schräger Pop á la Dana International sein, oder auch israelischer Goa Trance, aber Rock, und seit kurzem HipHop, sind die Musikformen, die den israelischen Alltag prägen. Was überrascht und die zionistischen Väter des Staates wahrscheinlich in ihren Gräbern rotieren lässt. Denn die hatten eine andere Musikkultur im Sinne gehabt, eine, die nicht an englischen und amerikanischen Klängen ausgerichtet, sondern ganz eindeutig und unverkennbar jüdisch, zionistisch, israelisch sein sollte. Das Problem, dass die Gründungsväter hatten, war ein Identitätsproblem. Die Bevölkerung des künftigen Staates Israel war schon vor der Staatsgründung extrem heterogen. Die Sephardim, europäische Juden, hatten mit den Ashkenazim, den 'orientalischen' Juden, die aus dem Iran, aus Marokko, Tunesien und anderen Gegenden des Nahen und Mittleren Ostens nach Palästina strömten, nur wenige historische, kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten. Eine umfassende kulturelle, nationale und politische Identität musste buchstäblich erfunden werden.


Die Stadt der permanenten Revolution
Manchester auf den Spuren von Friedrich Engels

Manchester, Abenddämmerung über den DächernBlumensträuße erinnern an Jessie James und Kränze und Trauerkarten. Und die gelb-weiß gestreifte Banderole, die ein Stückchen Rasen weiträumig umspannt und es für Unbefugte absperrt. Die Befugten tragen weiße Schutzanzüge und suchen innerhalb der Absperrung so gemächlich wie gründlich Zentimeter für Zentimeter des Grundes nach Spuren ab. 15 Jahre war Jessie James alt, als ihn Unbekannte in einer lauen Septembernacht mit vier Kugeln aus einer automatischen Pistole hinrichteten. Mitten in Moss Side war das, in der Raby Street, und auf dem spärlichen Fleckchen Wiese hatte ihn die Polizei um 2 Uhr 45 morgens gefunden, neben seinem BMX-Rad. Wie achtlos weggeworfen habe er dagelegen, wird später ein zufälliger Passant sagen. So wie sein Rad, nutzlos, vergessen, beiläufig entsorgt.
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MC HAMZA
Millionen machen mit Jihad-Rap

Abu Hamza predigtDer Daddy Abu Hamza hatte sich seinen schlechten Ruf noch ganz traditionell als aufpeitschender Djihad-Prediger in der Londoner Finsbury Park-Moschee erworben. Der Sohnemann ist da schon wesentlicher zeitgemäßer: Unter dem Kampfnamen MC Hamza will Mohammed Kamel Mostafa  nicht nur die Rapwelt aufmischen, sondern zugleich auch noch den Djihad Marke Al Kaida predigen. Außerdem will er damit steinreich werden. Schließlich verbietet der Koran selbst Djihadis den Mammon nicht. Das ist zumindest die Geschichte, die groß aufgemacht und lustvoll empört das britische Boulevardblatt The Sun erzählt.

Tatsächlich ist der 24-jährige Mohammed Kamel Mustafa trotz seiner Jugend schon eine beinahe ebenso schillernde Persönlichkeit wie sein Vater.  weiter....


Manchester und seine Deutschen

Friedrich Engels und Karl MarxDie Deutschen haben England entdeckt, als Arbeits- und Lebensort. Auf der Flucht vor der zählebigen Krise daheim zieht es sie in Scharen in das neue Wirtschaftswunderland Europas. Auch wenn dessen ökonomischer Glorienschein gerade erste Kratzer abbekommt, Deutschland geht es immer noch um einiges schlechter. Und so kommen sie denn, die Deutschen. Nach London natürlich, und nach Manchester. Aber warum gerade Manchester? Warum nicht Leeds oder Liverpool, das sind doch auch ganz respektable Städte auf der Regeninsel? Die Frage werden wir hier nicht beantworten. Stattdessen der Blick zurück in eine Vergangenheit, in der Manchester schon einmal sehr populär bei Deutschen war.  

Weit über 10.000 Deutsche, die zahlenmäßig größte ethnische Minderheit,  lebten gegen Ende des Neunzehnten Jahrhunderts allein in Manchester. Die überwiegende Mehrheit davon als schlichte Fabrikmalocher unter ähnlich erbärmlichen Verhältnissen wie ihre englischen, irischen, polnischen oder asiatischen Nachbarn, Welten entfernt von den Zirkeln der  wohlsituierten deutschen Groß- und Bildungsbürger in Manchester. Als Karl Marx und Friedrich Engels bei Tee und Gebäck in einem Erker der Chetham Hill Library – ihr Lieblingstisch steht da übrigens heute noch -  das Kommunistische Manifest ausheckten, schuftete der gemeine deutsche Gastarbeiter sich unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Fabriken der Stadt in überlangen Schichten zu Grunde.   .


Les Passeroses –
Ein kleines Yoga-Paradies für Feinschmecker

Les PasserosesEins muss man den Franzosen lassen: selbst ihre Landstraßen dritter Güte sind noch erstklassig. In sanften Kurven schlängelt sich die vorzüglich asphaltierte D141 durch Sonnenblumenfelder, Weinberge und kleine Wäldchen, vorbei an vereinzelten Villen und Bauernhöfen. Gelegentlich zweigen schmale  Seitenstraßen ab, kaum mehr als geteerte Ackerwege, und verlieren sich in den Feldern und Hügeln. An der Einmündung von einem dieser Seitenwege steht auf einem windschiefen Pfahl ein schwarzer Briefkasten. Nach solle man Ausschau halten hatte es geheißen, er kennzeichne die Abzweigung, die zu Les Passeroses führe. Ein Briefkasten, das ist alles, kein Hinweisschild, keine Einladung an den zufällig Vorbeifahrenden doch mal hereinzuschauen. Nichts. Einfach nur ein Briefkasten. Les Passeroses, so scheint es, ist in seiner Abgeschiedenheit nur für Insider.
Doch ganz so ist es nicht, denn in britischen Yoga-Kreisen hat das kleine, beschauliche Refugium in der malerischen Charente inzwischen einen erheblichen Bekanntheitsgrad erreicht. Und auch deutsche Yoga-Anbieter sollten sich ruhig mal eingehendere Informationen über Les Passeroses besorgen. Zumal das Refugium einiges mehr zu bieten hat als nur eine angenehm ruhige Umgebung. Gaumengenüsse für verwöhnte Feinschmecker zum
Beispiel. Außerdem... hier weiter lesen.

Manchester
Eine kleine Weltstadt in neuer Blüte

Der Zug ist ein ganz normaler Nahverkehrszug, einer von der Sorte, die an jeder Pommesbude hält. Er fährt von Manchester Piccadilly nach Hadfield, eine Ortschaft am Rande von Greater Manchester, in der malerischen Hügellandschaft des Peak Districts gelegen. Der Zug ist modern, funktional und fährt meistens strikt nach Fahrplan, was in England alles andere als selbstverständlich ist. Außerdem ist er einmal im Monat der Folktrain nach Glossop. Das Der Folktrain - ein ganz normaler Bummelzugwissen allerdings nur die regelmäßigen Pendler an Bord und die Folkfreunde in Manchester und Umgebung. Wenn der planmäßige Nahverkehrszug zum außerplanmäßigen Folkzug wird, passiert folgendes: Einige Musiker steigen in ein Abteil ihrer Wahl, das sich dann schnell mit Folkfreunden füllt. Andere Passagiere, die weder pendeln noch eingeweiht sind, blicken spätestens in dem Moment irritiert von Zeitung, Laptop oder iPod hoch, wenn die Musiker ihre Instrumente auspacken und die ersten Songs anstimmen. Dass man englische Folkmusik keinesfalls mit der nur im Gattungsnamen ähnlich klingenden deutschen Volksmusik verwechseln sollte, beweist der Vortrag der beiden trinkfesten Barden, die während meines Ausfluges nach Glossop aufspielen. weiter zur ganzen Geschichte....



zum Tode von Spencer Dryden ein Rückblick auf: Spencer Dryden
40 Jahre Jefferson Airplane

Am 10. Januar 2005 erlag der langjährige Schlagzeuger der legendären Rockband Jefferson Airplane, Spencer Dryden, im Alter von 66 Jahren einem Krebsleiden. Er gehörte der Psychedelic-Rockgruppe seit deren zweitem Album Surrealistic Pillow an, und saß auch bei deren Auftritten bei den Festivals von Woodstock und Altamont an den Drums. 1970 verließ Dryden die Gruppe und schloß sich den New Riders Of The Purple Sage an. Der Neffe von Charlie Chaplin wurde 1996 in die Rock Hall of Dame aufgenommen.
hier gibt's die komplette Story.....


Kalan Müzik Istanbul –

Die Wieder-Entdeckung Anatoliens

Hasan SaltikUrsprünglich war Hasan Saltik einfach nur auf Protest aus gewesen, auf Widerstand mit allen klingenden und singenden Mitteln. In den Achtzigern war das. In der Türkei war da gerade mal wieder das Militär an der Macht, bestrebt, das säkular-nationalistische Erbe Kemal Atatürks gegen die erstarkende islamistische Reformbewegung zu verteidigen. So zumindest damals die Lesart der Generäle. Dass die Junta bei der Gelegenheit auch gleich noch beinahe ungehemmt gegen rebellische Kurden, linke Intellektuelle, aufbegehrende Arbeiter und unbotmäßige Künstler vorgehen konnte, war ein zwar nicht explizit geplanter, aber den Generälen durchaus willkommener Nebenaspekt der Diktatur.

H
asan Saltik war einer der Unbotmäßigen.  Er leistete Widerstand auf seine Art: Er veröffentlichte linke Protestmusik. Zunächst ausschließlich türkische, dann auch kurdische und armenische. Die Veröffentlichungen seines Istanbuler Underground-Labels waren schon bald nicht nur landesweit quer durch alle Bevölkerungsschichten gefragte Äußerungen des musikalischen Widerstandes, sie begründeten auch eine Firma, die mittlerweile weltweit Kultstatus hat. mehr.....



Die Nirvana FilesAm  5. April 2004 ist es zehn Jahre her, dass sich im amerikanischen Seattle der junge Kurt Cobain den Lauf einer Schusswaffe in den Mund gehalten und abgedrückt hatte. Eine Kugel später hatten die Neunziger ihr erstes totes Rock-Idol. Und die Rock’n’Roll-Big-Band irgendwo da oben über den Wolken konnte einen weiteren Ausnahmemusiker zur ewigen Allstar-Session in ihren Reihen begrüßen. In einem ausführlichen Report beleuchten wir die Hintergründe von Kurt Cobains Selbstmord, gehen auf die vielfachen, zum Teil grotesk absurden, Verschwörungstheorien ein und zollen vor allem einer der großartigsten Bands der Rockgeschichte den ihr gebührenden Respekt. Die Nirvana-Files enthalten  Passagen aus Original-Interviews , geführt kurz vor Veröffentlichung von "In Utero", eine ausführliche Diskografie der essentiellen Veröffentlichungen, eine Zeittafel mit den wichtigsten Daten aus der Bandgeschichte und noch einiges mehr. Teile der Nirvana Files sind im Laufe der vergangenen Jahre in den Magazinen Core und Visions veröffentlicht worden. Hier geht's direkt zu den Nirvana Files....  
Liverpool
Mit Kultur aus der Krise

Über Jahrzehnte hinweg war Liverpool das Synonym für Krise. Das lange Sterben der nordwestenglischen Hafenstadt hatte bereits in den frühen Fünfzigern begonnen. Zuerst verschwanden die Arbeitsplätze im Hafen, einst der größte Handelshafen Großbritanniens, heute nur noch ein mittelprächtiger Containerhafen. Dann starben die Werften. Was blieb, waren trostlose, herunter gekommene Arbeiterviertel, eine bankrotte Stadt in Agonie, die der Strukturwandel unvorbereitet getroffen hatte. Für die Industriestädte Europas wurde Liverpool  zum Omen, das  die eigene düstere Zukunft andeutete.

Auch als die konservative Thatcher-Revolution die britische Wirtschaft und Gesellschaft von Grund auf umkrempelte und dem Süden der Insel einen enormen ökonomischen Aufschwung bescherte, änderte sich in Liverpool  nur wenig. Noch heute ist das Bild, das der Rest der Welt sich von der Stadt am Mersey macht, ganz simpel gezeichnet: Beatles, Fußball, Niedergang. Und doch wird ausgerechnet dieses Liverpool im Jahre 2008 Kulturhauptstadt Europas sein.... Wahnsinn? Mag sein, aber der Wahnsinn hat Methode...... mehr



IRAK 2003
Verliert die USA nach dem Frieden auch den Krieg?
Kurz nach dem völkerrichtswidrigen Angriff der USA und ihrer Hilfstruppen auf den Irak hatten wir ein Interview mit dem britischen Nahost-Experten Dr. Edmund Herzig über die Situation im Irak und ihre mögliche weitere Entwicklung geführt. Zum Zeitpunkt des Interviews war Basra gerade gefallen und amerikanische Bodentruppen bewegten sich mit hoher Geschwindigkeit auf Bagdad zu. Alles deutete auf einen schnellen und leichten Sieg der Amerikaner hin. Trotzdem zeichnete Dr. Herzig ein Bild von der Lage, das sich nur schlecht mit der Jubel-Propaganda der Allierten vereinbaren ließ. Seitdem haben sich seine Voraussagen über den weiteren Verlauf der Besatzung mit erschreckender Präzision erfüllt. Im Interview kam auch die Lage im Iran - wahrscheinlich der nächste einer ganzen Reihe weiterer geplanter amerikanischer Präventivkriege zu Sprache. Während der größte Teil des Interviews noch sehr aktuell ist, ist der Anfang mittlerweile von den Ereignissen überholt worden. Zum besseren Verständnis des Gesamttextes haben wir ihn trotzdem stehen lassen. Hier geht's direkt zum Interview. Eine Diskussion ist im Forum möglich.


In The City 2003 -
Uns geht's doch allen so gut

Northern QuarterDie  Musikindustrie steckt in der Krise, heißt es. Weltweit brechen die Umsätze ein, Künstler gehen am Hungerstock, Raubkopierer und Downloadpiraten zwingen von Sony bis Warner alle großen Plattenfirmen zum Konkursverwalter und aus einstmals treuen Kunden sind User geworden, die in Amerika mittlerweile von der RIAA so erbittert bekämpft werden wie anderswo gemeine Diebe und Bankräuber. Die Musikindustrie steckt also in der Krise. Keiner kauft mehr, jeder klaut nur noch. Komisch, irgendjemand hat versäumt, den Briten davon zu erzählen. Die nämlich kaufen munter weiter. Nicht nur das, sie brechen sogar historische Umsatzrekorde. Die spinnen, die Briten! Aber feiern können sie, und wie. Geile Bands haben sie außerdem.  In The City lieferte einmal mehr den Beweis.


Glastonbury :

Impressionen aus einem Parallel-Universum
Auf den ersten Blick ist Glastonbury nur eine beschauliche Kleinstadt im Südwesten Englands, eingebettet in liebliche Garten- und Ackerlandschaften. Der zweite Blick beweist wie sehr der erste täuschen kann: Von beschaulich kaum eine Spur. Der Ort ist nicht nur das Zentrum des mythischen Avalon, letzte Ruhestätte von König Arthur und eine uralte keltische Siedlung, sondern auch eine Stadt der alten Religionen und Kulte, der Hippies und Spinner, Künstler und Esoteriker und der gestrandeten Rockfans. Denn auch als Popmekka ist Glastonbury eine Legende. Jahr für Jahr pilgern Zehntausende zu Britanniens wichtigstem Pop- und Kunstfestival, dem Glastonbury-Festival. Dumm nur, dass viele nicht wissen, dass das Festival gar nicht in Glastonbury statt findet, sondern im rund zehn Kilometer entfernten Örtchen Pilton..... weiter


URBIS - die moderne Stadt auf vier Etagen
Urbis ManchesterAls 1996 im englischen Manchester die Fußball-Europameisterschaft ausgetragen wurde, wollte auch die IRA ihren Beitrag leisten und ließ eine Bombe platzen. Die vorgewarnte Polizei konnte noch rechtzeitig evakuieren, verletzt wurde niemand, deutsche Spielerfrauen auf Shopping-Tour kamen ebenso mit dem Schrecken davon wie der Eiskrem-Verkäufer in der Market Street. Der Schaden allerdings, den die Bombe an den umliegenden Gebäuden anrichtete, war beträchtlich. Große Teile der Innenstadt mussten planiert oder aufwendig restauriert werden, Manchester hatte plötzlich ein Wiederaufbauproblem am Hals, das die Stadt in den folgenden Jahren zur nach Berlin zweitgrößten Baustelle Europas machen sollte. Am Ende des Wiederaufbaus steht nicht nur eine generalüberholte Innenstadt, sondern auch das erste Museum der Welt, das ausschließlich der modernen Stadt als Lebnsraum gewidmet ist..... weiter


24 Hours Party People
Abgesang auf einen schrägen Mythos

Anthony WilsonAnthony Wilson ist Nachrichtensprecher bei Granada TV, der regionalen Fernsehanstalt im Nordwesten Englands mit Sitz in Manchester, hat außerdem eigene Sendungen, mal eine Talkshow, dann wieder eine politische Dokumentation, ein Kunstprogramm oder eine Musiksendung. Wir sitzen in der Atlas Bar, im Zentrum Manchesters. Rund 500 Meter entfernt gähnt eine Baugrube, umfriedet von einem frisch lackierten Bauzaun. Ein Apartment-Block sei da im Entstehen, erklärt ein Schild, Luxus-Wohnkäfige in bester City-Lage. Wo sich jetzt die Bagger tief in den Boden wühlen und erste Fundamente gelegt werden, stand noch vor einem Jahr die Hacienda, Manchesters legendärer Raveclub. Und Tony Wilson war deren Mitbesitzer, der Kopf hinter der Hacienda und hinter Factory Records. Im Nebenberuf, denn seinen Job bei Granada TV hatte er nie aufgegeben. Eben das, die bizarre Kombination aus erz-seriösem Newsreader und Popmogul, hat den britischen Kultregisseur Michael Winterbottom dazu gereizt, einen Film über Tony Wilson zu drehen. und hier geht's weiter