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Dr.
Fallah sei der Name, so stellt sich einer der Mitreisenden vor, ein
Mittvierziger mit freundlichem Lächeln und großen, neugierigen Augen,
und Professor für Physik sei er an der Universität von Isfahan im Iran.
Nach und nach gesellen sich weitere seiner Kollegen zu ihm. Geographen,
Theologen, Erziehungswissenschaftler, Astronomen – die akademische
Elite der Universität von Isfahan auf Europatournee. Um die zwanzig
iranische Akademiker sind es, die mit dem Bus eine abenteuerliche Reise
unternehmen, die wohl selbst dem legendären islamischen Weltreisenden
Ibn Batuta Respekt abgenötigt hätte. Vom Iran aus sind sie mit dem Bus
in die Türkei gefahren, dann weiter mit dem Schiff nach Ancona, von
dort nach Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich und wieder
Italien. In Spanien haben sie Cordoba besucht, die Hauptstadt des einst
so mächtigen maurischen Kalifats.... weiter
Ein Traum von einer Revolution
Was ist geblieben vom Woodstock Mythos?
Am Anfang war das Chaos:
Hunderttausende junger
Amerikaner eingepfercht auf schlammigen Kuhwiesen, heftige Regengüsse
und Gewitter, katastrophale sanitäre Zustände und mangelhafte
medizinische Versorgung. Alle Zufahrtsstraßen heillos verstopft,
Nachschub an Nahrungsmitteln und Getränken kam nicht durch. Am Ende
musste das Militär Nahrung, elementare Hilfsmittel und medizinisches
Personal einfliegen. Das Festival glich einem Katastrophengebiet.
Doch statt zum durchaus möglichen Desaster wurde Woodstock 1969 zur
Legende, zum langlebigen Mythos einer globalen Jugendkultur.
Für Leo Lyons war 1969 Woodstock
zunächst einmal
nur ein Festival unter vielen. Mit seiner Band Ten Years After tourte
er in diesem Jahr kreuz und quer durch die USA. Auf dem Texas Pop-
Festival hatten sie schon gespielt, dann auf dem Newport
Jazz-Festival in St. Louis, zusammen mit Jazzern wie Dizzy Gillespie.
Für den darauf folgenden Tag stand schließlich Woodstock auf dem
Programm. Für die Briten nur ein Ortsname unter vielen, lediglich
eine weitere Station auf ihrem endlosen Zug durch die Weiten
Amerikas. „Wir wussten nur, dass
Woodstock irgendwo in New York lag
und dass wir am nächsten Morgen früh raus mussten, um den Flieger
zu erwischen“, erinnert sich Leo. „Wir waren erst am zweiten Tag
dran, als in Woodstock schon längst das Chaos tobte. Von dem wussten
wir allerdings nichts. Erst unser Manager sagte uns schließlich auf
dem Weg vom Flughafen nach Woodstock, was dort los war.“ mehr...
Medienstudium
in Salford
Von
der Uni direkt ins Fernsehen
In Greater Manchester hat
sich eine Universität einen eigenen lokalen Fernsehsender geleistet und
ist seitdem ein Magnet für Mediastudenten nicht nur aus dem Inselreich,
sondern auch aus Deutschland.
Salford.
Ausgerechnet Salford. Diese
Stadt, die auf den ersten Blick eigentlich gar keine ist, sondern nur
ein Flickenteppich von endlosen, tristen Reihenhaussiedlungen,
heruntergekommenen Arbeiter-Vierteln und verwilderten
Industriebrachen. Eine Stadt von über 250.000 Einwohnern, die sich
nicht mal eine eigene Innenstadt leisten kann, deren Zentrum sich im
benachbarten Manchester befindet. Was verschlägt deutsche Studenten
wie Constanze Kösters ausgerechnet in dieses Salford? An eine
Universität, die bei flüchtigem Hinsehen kaum mehr als ein
unbeachtetes Zwielichtleben im Schatten der benachbarten protzigen
Universitäten von Manchester führt?
Erste Blicke können gewaltig täuschen.
Denn zum Einen ist Salford derzeit mächtig im Kommen: Die Salford
Quays, genau gegenüber vom Manchester United-Stadion gelegen und
einst der Industriehafen Manchesters, haben sich in eine spektakuläre
Variante der Londoner Docklands gewandelt, mit Einkaufszentren,
Theater, Galerien und Museen.
Zum anderen ist da das internationale
Medieninstitut an der Universität Salford, das seit zehn Jahren eine
eigene Fernsehproduktion und zudem einen eigenen lokalen
Fernsehsender vorweisen kann. In diesen zehn Jahren hat sich die
kleine Hochschule zur britischen Topadresse im Bereich „TV- and
Radio-Studies“ gemausert. Eine von denen, die einen der begehrten
Studienplätze haben ergattern können, ist Constanze Kösters, die
es aus dem beschaulichen Münster in die raue Zwillingsschwester
Manchesters verschlagen hat. Sie ist im letzten Jahr ihres
dreijährigen BA-Studiums. Im Rahmen dieses Studiums hat sie bereits
Radiobeiträge produziert, ihre Fernsehreportage über einen
bekannten Landschaftsmaler ist landesweit ausgestrahlt worden, und
sie hat ein Praktikum im New Yorker ARD-Studio absolviert und dort
Beiträge mitproduziert, die dann über deutsche Bildschirme
geflimmert sind. Ausgerechnet nach Salford hat sie die Verbindung
von Studium mit professionellem Umfeld gelockt. Eine Verbindung, die
nicht nur in Großbritannien einzigartig ist... hier
weiterlesen
The
Scorpions
Jenseits
von Raum und Zeit?
Von
außen wirkt das Apollo so schäbig wie sein Umfeld. Am äußersten Rande
der Innenstadt von Manchester gelegen, in einem heruntergekommenen
Schattenland zwischen den Glitzerfassaden, Bürohochhäusern und
Nobelrestaurants der geschäftigen City, den wohlhabenden Vororten und
den Universitäten, gleicht es beinahe einem Luftschutzbunker aus dem
Zweiten Weltkrieg. Die graue Betonfassade ist gerade mit weißer Fassade
frisch übertüncht worden, über dem Eingang prangt seit einiger Zeit
eine digitale Leuchttafel, die auf die Attraktionen des Abends
hinweist, der Gesamteindruck ist trotzdem kalt und abweisend. Und doch,
dieser rohe Klotz ist einer der legendären Rock'n'Roll-Tempel Englands.
Die Beatles aus der Nachbarstadt Liverpool haben hier aufgespielt, die
Rolling Stones waren hier und Led Zeppelin, The Who, und natürlich auch
alle lokalen Größen von den Hollies bis zu Oasis. Die exponierte Lage
im städtebaulichen Niemandsland lässt das Gebäude seltsam zeitlos
erscheinen. „The Scorpions” kündigt die Leuchttafel als Attraktion des
Abends an, und Uli Jon Roth als „special guest”. Die Reise
durch Zeit und Raum beginnt hier...
Sean Connery
Schottland von den Bahamas aus gesehen
Rum
und Whiskey, Edinburgh und Nassau,
London und Hollywood - Sean Connery, bekannt geworden als der Mann,
der's vor allem geschüttelt mag, lebt zwischen den Welten. Totzdem,
Schottland ist er immer treu geblieben. Kein Wunder, dass auch seine
Autobiographie eigentlich ein Buch über Schottland ist.
Er war
der erste, der berühmteste
James Bond, der Prototyp des britischen Agenten mit der Lizenz zum
Töten und Verführen. Als Agent 007, immer ausgestattet mit den
coolsten Gadgets des weltweiten Agentengewerbes, kämpfte er auf der
Leinwand gegen die sinistren Feinde der britischen Krone und ließ
dabei kaum eine Schönheit unberührt am Wegesrande stehen. Wenn so
einer, der sich zudem jenseits der Leinwand eine Reputation als
Frauenfreund, als sexyster Mann des Planeten erworben hatte, seine
Lebenserinnerungen aufschreibt, dann darf man einiges erwarten. Eine
packende Lebensbeichte zum Beispiel, in der er nachzulesen ist, wie
aus einem ungebildeten dreizehnjährigen Schulabbrecher aus dem
tristen Edinburgher Stadtteil Fountainbridge ein gefeierter Filmstar
geworden ist. Das wäre die Geschichte von einem, der ohne Bedenken
einen berüchtigten Mafiakiller mit einem Kopfstoß zu Boden
geschickt hatte, weil der die Ehre von Connerys Kollegin und
zeitweiliger Geliebten Lana Turner beleidigt hatte. weiterlesen
Schroffe Töne zwischen Israel und Iran. Holocaust-Leugnung auf der einen Seite, die unverhüllte Drohung mit Luftschlägen auf der anderen. Mittendrin, meistens vergessen und nur selten erwähnt, etwa 25.000 Juden im Iran, seit Jahrtausenden im Lande ansässig, Iraner per Staatsangehörigkeit, Juden durch ihre Religion und daher eigentlich beiden Seiten suspekt. Da stellt sich die Frage: Wie leben sie eigentlich, die Juden im Iran?
Gut,
sagen die, die noch im Lande verweilen. Gut, sagt auch Siamak
Morsadegh, Kopf des Jüdischen Komitees von Teheran und Abgeordneter
in der Majles, dem iranischen Parlament. Morsathegh fühlt sich in
erster Linie als iranischer Patriot jüdischen Glaubens. Das mache
ihn nicht automatisch zum Zionisten und zu einem Befürworter
israelischer Besatzungspolitik, betont er immer wieder. Um diesen
Standpunkt ganz klar zu machen, protestiert er auch schon mal
öffentlich vor der UNO-Vertretung in Teheran gegen die israelischen
Angriffe auf Gaza. weiterlesen....
Jahrzehntelang war der Manchester City
FC das Fußball-Aschenputtel im Nordwesten Englands, beinahe ein
Synonym für permanente Krise. Aber der Club hatte auch immer die
treuesten Fans. Deren galliger Galgenhumor machte sie inselweit
berühmt und beliebt. Doch nun ist alles ganz anders. Erst kam ein
gestürzter thailändischer Premierminister, dann eine
Investorengruppe aus Abu Dhabi, und plötzlich ist Manchester City
der reichste Club der Welt, schnappt Chelsea Robinho vor der Nase weg,
schaltet im UEFA-Cup ganz locker Schalke aus
und trifft nun auf den Hamburger SV.
Die Fans wissen immer noch nicht, was sie von all dem nun halten sollen. „Wir Fußballfans”, sagt Nigel, „sind keine Schönwetter-Shopper. Wir haben uns für einen Verein entschieden, meistens schon als Kinder, und dann bleiben wir diesem Verein eben treu. Durch dick und dünn, arm und reich.” Nigel bildet zwar in Oxford Gewerkschaftsvertreter aus, kommt aber eigentlich aus Manchester und ist mit Leib und Seele Fan von Man City. Wie die meisten Fans des in den vergangenen beiden Jahrzehnten arg gebeutelten Traditionsclubs muss er sich momentan daran gewöhnen, dass sein Club plötzlich reich ist... weiter
Ihre
Kinder
Wie
Rockmusik deutsch lernte.
Das
erste Plakat sah ich in der Nähe der Autobahnauffahrt Hagen-West. Es
war mit Tapetenkleister an die Seitenwand der Straßenbahnhaltestelle
gepappt, an der jeden Morgen mein Schulweg begann. Ihre Kinder wurden
darauf angekündigt, im Jugendheim Hagen-Haspe. Eine deutsche Band
mit deutschen Texten. Ganz am Anfang der Siebziger war das. Zu der
Zeit war die deutsche Sprache in der Rockmusik noch sehr verpönt.
Wer als westdeutscher Rocker auf sich hielt, der radebrechte denglisch,
selbst wenn die eigene Kapelle nie aus dem Dunstkreis der Jugendheime
und Schützenfeste herauskam. In den späten Sechzigern und frühen
Siebzigern des Zwanzigsten Jahrhunderts selbstbewusst deutsch zu
rocken, war in etwa so normal wie Currywurst rot-weiß bei McDonalds.
Und
jetzt also Ihre Kinder in Hagen-Haspe, eine Band die ausnahmslos auf
deutsch sang, und das lange vor Lindenberg.
So wie zu der Zeit außer ihnen in der alten BRD nur sehr wenige andere. In der DDR gab's da schon die inzwischen legendäre Renft-Combo oder die eher angepassten Puhdys, aber von denen wusste im Westen kaum jemand was. Für die BRD fallen einem da vielleicht Floh de Cologne ein, obwohl auch die erst ein wenig später kamen, und die Scherben. Von letzteren beiden unterschieden sich Ihre Kinder jedoch erheblich. weiter...
Heavy
Metal in Iran:
Ein Wettlauf mit dem Zensor
„Wir
haben nichts als Probleme”, klagt
Als
Johnny Marr zum letzten Mal zu Gast in der Maxwell Hall war, musste das
Gebäude anschließend runderneuert werden. 1986 war das, und
Johnny Marr war da noch Gitarrist der Smiths. Die Band hatte im total
überfüllten Saal im Obergeschoss aufgespielt und das Publikum vom
ersten Ton an in ekstatische Rage versetzt. Das rhythmische Stampfen
von rund zweitausend Füssen beschädigte im Laufe des Konzerts den
Fußboden so massiv, dass der Einsturz des Saales befürchtet wurde. Vier
Jahre sollte es anschließend dauern, bis die strukturellen
Renovierungsarbeiten an dem Gebäude, das zum Campus der Universität von
Salford gehört, endgültig abgeschlossen waren. Live-Konzerte allerdings
waren auch danach noch viele weitere Jahre nicht erlaubt. ein Ausflug ins Paradies
S
o muss es einst im Paradies gewesen
sein. Das Wasser der Seen und Bäche ist glasklar und schimmert
türkis im Sonnenlicht. Dichte Fischschwärme treiben behäbig am
Ufer entlang und beäugen neugierig die Menschen, die sich auf
schmalen Plankenwegen am Wasserrand bewegen. Der Plankenweg
überbrückt nun eine Engstelle. Links neben mir stürzt das Wasser
anderthalb Meter tief in einen anderen See. Eine prächtige Forelle
schwebt scheinbar mühe- und schwerelos in der sprudelnden Strömung
und schaut zu mir hoch. Ich nestele umständlich die Kamera hervor,
visiere den Fisch an. Der hält geduldig still, bis das Bild im
Kasten ist und dreht erst dann ab.

der große ChiPod-Schwindel
Das Angebot klingt zu gut, um wirklich wahr zu sein. Ein 8 GB MP4-Player steht da zur Versteigerung, und das derzeit höchste Angebot liegt bei 99 Pence, umgerechnet 1,50 ¤. Das Photo zeigt einen eleganten schwarzen iPod Nano Klon, über dessen farbigen LCD-Schirm ein Video zu flimmern scheint. Die Produktbeschreibung verspricht 8 GB Speicher für Musik, Fotos und Videos. Außerdem FM-Radio, Spiele und noch einiges mehr. Einen Markennamen allerdings sucht man vergeblich in der Beschreibung. Und das alles für einen Spottpreis. Die Versteigerung endet viereinhalb Minuten später, das Gerät geht für ein Pfund an einen Bieter aus Großbritannien. Der Verkäufer firmiert unter dem Namen „maryclassic“ und berechnet für den Versand von Hongkong nach Europa das zwanzigfache der Versteigerungssumme. 21 Pfund, rund 31 ¤ zahlt am Ende der erfolgreiche Bieter an „maryclassic“. Nicht als einziger, ein Blick auf seine eBay-Feedbacks zeigt, dass allein dieser Verkäufer in den letzten Tagen hunderte von MP4-Spielern abgesetzt hat. Edgar Klüsener hat sich das Treiben mal näher angesehen
Wie sich England in einen totalen Überwachungsstaat verwandelt
Wer in Salford eine
Schokoriegel-Verpackung oder ähnliches auf den Gehsteig fallen
lässt, k
ann seit kurzem eine
laute Überraschung erleben.
Eine Stimme, von mehreren Lautsprechern verstärkt, spricht ihn
direkt an. “Hey, Sie da, der Herr mit der braunen Lederjacke, sie
haben soeben ein Stückchen Papier auf die Straße geworfen.
Bitte heben Sie es sofort wieder auf und entsorgen Sie es
ordnungsgemäß.” Die ungeteilte Aufmerksamkeit anderer
Passanten ist dem Umweltsünder sicher. Schaut der sich dann nach
einem Polizisten in der Nähe um, wird er allerdings in der Regel
vergeblich suchen. Der Sprecher nämlich sitzt einige Kilometer
entfernt in einem Überwachungsraum vor einer Batterie von
Bildschirmen, über die Livebilder aus allen Teilen der Stadt
flimmern.... weiter
Hommage für einen Tisch
Das Möbel steht in einem Erker. Aus bleigefassten Fenstern fällt bleicher Tagesschimmer in den Raum, weckt einen matten Glanz auf der blanken, dunklen Edelholz-Oberfläche. Das Möbel steht an diesem Ort seit mehr als hundertfünfzig Jahren. Draußen ist Europa in diesem Zeitraum zweimal in Blut ertrunken und seltsam vereint wieder auferstanden, sind Weltreiche in den Geschichtsbüchern für immer als verblichen abgelegt worden.
Das Möbel hat die Zeitläufte unbeschadet überstanden, nur bei genauem Hinschauen sind zarteste Kratzer und Abschürfungen zu erkennen. Scheinbar unberührt steht es im Erker, eingebettet in staubige Stille, die nur gelegentlich durchbrochen wird, wenn sich ein Besucher in das Zimmer verirrt. Der hat vielleicht ein Buch in der Hand und ist gekommen, um ein wenig in dem zu blättern und zu lesen. Vielleicht ist er aber auch einfach nur neugierig auf das Zimmer, auf den Tisch. Denn an diesem Tisch ist Geschichte geschrieben worden, sind Sätze auf Papier gebannt worden, die Europa, die Welt bewegt haben. Das Zimmer ist am Ende eines Flures, der an beiden Seiten von hohen Regalen begrenzt wird. Die Regale stehen hinter Gittern. In ihnen stapeln sich Bücher, schwere Schwarten, in brüchiges Leder gebunden, zwischen ihnen zierliche, schmale Bändchen. Man sieht den Büchern ihr hohes Alter an, und doch, sie wirken zeitlos, so wie manches von dem Wissen, das in ihnen schlummert, zeitlos scheint. Weiter
Nach unten schauen?
Den Teufel werde ich! 
Maor Appelbaum ist der Sänger, Hauptkomponist und Bassist einer Rockband. Die Band heißt Sleepless, und sie ist aus Israel. Das erkläre einiges, meint Maor Appelbaum, vor allem die Intensität und Aggressivität von Sleepless. Denn Israel sei ein schnelles Land, ein Land, in dem musikalische Stile und Trends sich in rasantem Tempo verändern. Ein Land unter Druck, in dem keine Zeit sei für Beschaulichkeit und und für Langeweile. In dem Interview mit einem amerikanischen Fanzine führt er weiter aus: „Leben in Israel ist ein Leben im Hier und Jetzt, wir können nichts auf morgen verschieben. Dieses Land ist großartig für aggressive Musik, weil es unter ständigem Druck ist, umgeben von Feinden. Und manchmal sind wir selbst unsere größten Feinde.“
Rockmusik ist seit den
späten
Sechzigern die dominante Musikform Israels. International
erfolgreicher mag schräger Pop á la Dana
International
sein, oder auch israelischer Goa Trance, aber Rock, und seit kurzem
HipHop, sind die Musikformen, die den israelischen Alltag
prägen.
Was überrascht und die zionistischen Väter des
Staates
wahrscheinlich in ihren Gräbern rotieren lässt. Denn
die
hatten eine andere Musikkultur im Sinne gehabt, eine, die nicht an
englischen und amerikanischen Klängen ausgerichtet, sondern
ganz
eindeutig und unverkennbar jüdisch, zionistisch, israelisch
sein
sollte. Das Problem, dass die Gründungsväter hatten,
war
ein Identitätsproblem. Die Bevölkerung des
künftigen
Staates Israel war schon vor der Staatsgründung extrem
heterogen. Die Sephardim, europäische Juden, hatten mit den
Ashkenazim, den 'orientalischen' Juden, die aus dem Iran, aus
Marokko, Tunesien und anderen Gegenden des Nahen und Mittleren Ostens
nach Palästina strömten, nur wenige historische,
kulturelle
und sprachliche Gemeinsamkeiten. Eine umfassende kulturelle,
nationale und politische Identität musste
buchstäblich
erfunden werden.
Blumensträuße
erinnern an Jessie James und Kränze und Trauerkarten. Und die
gelb-weiß gestreifte Banderole, die ein Stückchen
Rasen
weiträumig umspannt und es für Unbefugte absperrt.
Die
Befugten tragen weiße Schutzanzüge und suchen
innerhalb der
Absperrung so gemächlich wie gründlich Zentimeter
für
Zentimeter des Grundes nach Spuren ab. 15 Jahre war Jessie James alt,
als ihn Unbekannte in einer lauen Septembernacht mit vier Kugeln aus
einer automatischen Pistole hinrichteten. Mitten in Moss Side war das,
in der Raby Street, und auf dem spärlichen Fleckchen Wiese
hatte
ihn die Polizei um 2 Uhr 45 morgens gefunden, neben seinem BMX-Rad. Wie
achtlos weggeworfen habe er dagelegen, wird später ein
zufälliger Passant sagen. So wie sein Rad, nutzlos, vergessen,
beiläufig entsorgt.
Der
Daddy Abu Hamza hatte sich seinen schlechten Ruf noch ganz traditionell
als aufpeitschender Djihad-Prediger in der Londoner Finsbury
Park-Moschee erworben. Der Sohnemann ist da schon wesentlicher
zeitgemäßer: Unter dem Kampfnamen MC Hamza will
Mohammed Kamel Mostafa
nicht nur die Rapwelt aufmischen, sondern zugleich auch noch den Djihad
Marke Al Kaida predigen. Außerdem will er damit steinreich
werden.
Schließlich verbietet der Koran selbst Djihadis den Mammon
nicht. Das
ist zumindest die Geschichte, die groß aufgemacht und
lustvoll empört
das britische Boulevardblatt The Sun erzählt. Manchester und seine Deutschen
Die
Deutschen haben England entdeckt, als Arbeits- und Lebensort. Auf
der Flucht vor der zählebigen Krise daheim zieht es sie in
Scharen
in das neue Wirtschaftswunderland Europas. Auch wenn dessen
ökonomischer Glorienschein gerade erste Kratzer abbekommt,
Deutschland geht es immer noch um einiges schlechter. Und so kommen sie
denn, die Deutschen. Nach London natürlich, und nach
Manchester.
Aber warum gerade Manchester? Warum nicht Leeds oder Liverpool, das
sind doch auch ganz respektable Städte auf der Regeninsel? Die
Frage werden wir hier nicht beantworten. Stattdessen der Blick
zurück in eine Vergangenheit, in der Manchester schon einmal
sehr
populär bei Deutschen war.
Weit
über 10.000 Deutsche, die zahlenmäßig
größte ethnische Minderheit, lebten gegen
Ende des
Neunzehnten Jahrhunderts allein in Manchester. Die
überwiegende
Mehrheit davon als schlichte Fabrikmalocher unter ähnlich
erbärmlichen Verhältnissen wie ihre englischen,
irischen,
polnischen oder asiatischen Nachbarn, Welten entfernt von den Zirkeln
der wohlsituierten deutschen Groß- und
Bildungsbürger
in Manchester. Als Karl Marx und Friedrich Engels bei Tee und
Gebäck in einem Erker der Chetham Hill Library – ihr
Lieblingstisch steht da übrigens heute noch - das
Kommunistische Manifest ausheckten, schuftete der gemeine deutsche
Gastarbeiter sich unter menschenunwürdigen Bedingungen in den
Fabriken der Stadt in überlangen Schichten zu
Grunde. Manchester hat eine durchaus deutsche
Vergangenheit, mehr darüber hier...
Eins
muss man den Franzosen lassen: selbst ihre Landstraßen
dritter Güte sind noch erstklassig. In sanften Kurven
schlängelt sich die vorzüglich asphaltierte D141
durch Sonnenblumenfelder, Weinberge und kleine Wäldchen,
vorbei an vereinzelten Villen und Bauernhöfen. Gelegentlich
zweigen schmale Seitenstraßen ab, kaum mehr als
geteerte Ackerwege, und verlieren sich in den Feldern und
Hügeln. An der Einmündung von einem dieser Seitenwege
steht auf einem windschiefen Pfahl ein schwarzer Briefkasten. Nach
solle man Ausschau halten hatte es geheißen, er kennzeichne
die Abzweigung, die zu Les Passeroses führe. Ein Briefkasten,
das ist alles, kein Hinweisschild, keine Einladung an den
zufällig Vorbeifahrenden doch mal hereinzuschauen. Nichts.
Einfach nur ein Briefkasten. Les Passeroses, so scheint es, ist in
seiner Abgeschiedenheit nur für Insider. Der
Zug ist ein ganz normaler
Nahverkehrszug, einer von der Sorte, die an jeder Pommesbude
hält.
Er fährt von Manchester Piccadilly nach Hadfield, eine
Ortschaft
am Rande von Greater Manchester, in der malerischen
Hügellandschaft
des Peak Districts gelegen. Der Zug ist modern, funktional und
fährt
meistens strikt nach Fahrplan, was in England alles andere als
selbstverständlich ist. Außerdem ist er einmal im
Monat
der Folktrain nach Glossop. Das
wissen
allerdings nur die
regelmäßigen Pendler an Bord und die Folkfreunde in
Manchester und Umgebung. Wenn der planmäßige
Nahverkehrszug zum außerplanmäßigen
Folkzug wird,
passiert folgendes: Einige Musiker steigen in ein Abteil ihrer Wahl,
das sich dann schnell mit Folkfreunden füllt. Andere
Passagiere, die weder pendeln noch eingeweiht sind, blicken
spätestens in dem Moment irritiert von Zeitung, Laptop oder
iPod
hoch, wenn die Musiker ihre Instrumente auspacken und die ersten
Songs anstimmen. Dass man englische Folkmusik keinesfalls mit der nur
im Gattungsnamen ähnlich klingenden deutschen Volksmusik
verwechseln sollte, beweist der Vortrag der beiden trinkfesten
Barden, die während meines Ausfluges nach Glossop aufspielen. weiter
zur
ganzen Geschichte....

Ursprünglich
war Hasan Saltik einfach nur
auf
Protest aus gewesen, auf Widerstand mit allen klingenden und singenden
Mitteln. In den Achtzigern war das. In der Türkei war da
gerade
mal
wieder das Militär an der Macht, bestrebt, das
säkular-nationalistische
Erbe Kemal Atatürks gegen die erstarkende islamistische
Reformbewegung
zu verteidigen. So zumindest damals die Lesart der Generäle.
Dass
die
Junta bei der Gelegenheit auch gleich noch beinahe ungehemmt gegen
rebellische Kurden, linke Intellektuelle, aufbegehrende Arbeiter und
unbotmäßige Künstler vorgehen konnte, war
ein zwar
nicht explizit
geplanter, aber den Generälen durchaus willkommener
Nebenaspekt
der
Diktatur.
Am 5.
April 2004 ist es zehn Jahre
her, dass sich im amerikanischen
Seattle der junge Kurt Cobain den Lauf einer
Schusswaffe in den Mund
gehalten und abgedrückt hatte. Eine Kugel
später hatten die Neunziger ihr
erstes totes Rock-Idol. Und die
Rock’n’Roll-Big-Band
irgendwo da
oben über den Wolken konnte einen weiteren Ausnahmemusiker zur
ewigen Allstar-Session in ihren Reihen begrüßen. In
einem
ausführlichen
Report beleuchten wir die Hintergründe von Kurt Cobains
Selbstmord,
gehen auf die vielfachen, zum Teil grotesk absurden,
Verschwörungstheorien ein und zollen vor allem einer der
großartigsten
Bands der Rockgeschichte den ihr gebührenden Respekt. Die
Nirvana-Files
enthalten Passagen aus Original-Interviews , geführt
kurz
vor
Veröffentlichung von "In Utero", eine ausführliche
Diskografie der
essentiellen Veröffentlichungen, eine Zeittafel mit den
wichtigsten
Daten aus der Bandgeschichte und noch einiges mehr. Teile der Nirvana
Files sind im Laufe der vergangenen Jahre in den Magazinen Core und
Visions veröffentlicht worden. Hier geht's direkt zu den Nirvana
Files....
Über
Jahrzehnte hinweg war Liverpool das Synonym für Krise. Das
lange
Sterben der nordwestenglischen Hafenstadt hatte bereits in den
frühen
Fünfzigern begonnen. Zuerst verschwanden die
Arbeitsplätze im
Hafen,
einst der größte Handelshafen
Großbritanniens, heute
nur noch ein
mittelprächtiger Containerhafen. Dann starben die Werften. Was
blieb,
waren trostlose, herunter gekommene Arbeiterviertel, eine bankrotte
Stadt in Agonie, die der Strukturwandel unvorbereitet getroffen hatte.
Für die Industriestädte Europas wurde
Liverpool zum
Omen,
das die
eigene düstere Zukunft andeutete.
Die
Musikindustrie steckt
in der Krise, heißt es. Weltweit brechen die Umsätze
ein,
Künstler
gehen am Hungerstock, Raubkopierer und Downloadpiraten zwingen von Sony
bis Warner alle großen Plattenfirmen zum Konkursverwalter und
aus
einstmals treuen Kunden sind User geworden, die in Amerika mittlerweile
von der RIAA so erbittert bekämpft werden wie anderswo gemeine
Diebe
und Bankräuber. Die Musikindustrie steckt also in der Krise.
Keiner
kauft mehr, jeder klaut nur noch. Komisch, irgendjemand hat
versäumt,
den Briten davon zu erzählen. Die nämlich kaufen
munter
weiter. Nicht
nur das, sie brechen sogar historische Umsatzrekorde. Die spinnen, die
Briten! Aber feiern können sie, und wie. Geile Bands haben sie
außerdem.
In The
City lieferte einmal mehr den Beweis.
Glastonbury
:
Als
1996 im englischen Manchester die Fußball-Europameisterschaft
ausgetragen wurde, wollte auch die IRA ihren Beitrag leisten und
ließ
eine Bombe platzen. Die vorgewarnte Polizei konnte noch rechtzeitig
evakuieren, verletzt wurde niemand, deutsche Spielerfrauen auf
Shopping-Tour kamen ebenso mit dem Schrecken davon wie der
Eiskrem-Verkäufer in der Market Street. Der Schaden
allerdings,
den die
Bombe an den umliegenden Gebäuden anrichtete, war
beträchtlich. Große
Teile der Innenstadt mussten planiert oder aufwendig restauriert
werden, Manchester hatte plötzlich ein Wiederaufbauproblem am
Hals, das
die Stadt in den folgenden Jahren zur nach Berlin
zweitgrößten
Baustelle Europas machen sollte. Am Ende des Wiederaufbaus steht nicht
nur eine generalüberholte Innenstadt, sondern auch das erste
Museum der
Welt, das ausschließlich der modernen Stadt als Lebnsraum
gewidmet
ist..... weiter
Anthony
Wilson ist Nachrichtensprecher bei Granada TV, der regionalen
Fernsehanstalt im Nordwesten Englands mit Sitz in Manchester, hat
außerdem eigene Sendungen, mal eine Talkshow, dann wieder
eine
politische Dokumentation, ein Kunstprogramm oder eine Musiksendung. Wir
sitzen in der Atlas Bar, im Zentrum Manchesters. Rund 500 Meter
entfernt gähnt eine Baugrube, umfriedet von einem frisch
lackierten
Bauzaun. Ein Apartment-Block sei da im Entstehen, erklärt ein
Schild,
Luxus-Wohnkäfige in bester City-Lage. Wo sich jetzt die Bagger
tief in
den Boden wühlen und erste Fundamente gelegt werden, stand
noch
vor
einem Jahr die Hacienda, Manchesters legendärer Raveclub. Und
Tony
Wilson war deren Mitbesitzer, der Kopf hinter der Hacienda und hinter
Factory Records. Im Nebenberuf, denn seinen Job bei Granada TV hatte er
nie aufgegeben. Eben das, die bizarre Kombination aus
erz-seriösem
Newsreader und Popmogul, hat den britischen Kultregisseur Michael
Winterbottom dazu gereizt, einen Film über Tony Wilson zu
drehen.
und
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