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Blumensträuße
erinnern an Jessie James und Kränze und Trauerkarten. Und die
gelb-weiß gestreifte Banderole, die ein Stückchen
Rasen
weiträumig umspannt und es für Unbefugte absperrt.
Die
Befugten tragen weiße Schutzanzüge und suchen
innerhalb
der Absperrung so gemächlich wie gründlich Zentimeter
für
Zentimeter des Grundes nach Spuren ab. 15 Jahre war Jessie James alt,
als ihn Unbekannte in einer lauen Septembernacht mit vier Kugeln aus
einer automatischen Pistole hinrichteten. Mitten in Moss Side war
das, in der Raby Street, und auf dem spärlichen Fleckchen
Wiese
hatte ihn die Polizei um 2 Uhr 45 morgens gefunden, neben seinem
BMX-Rad. Wie achtlos weggeworfen habe er dagelegen, wird
später
ein zufälliger Passant sagen. So wie sein Rad, nutzlos,
vergessen, beiläufig entsorgt.
In Moss Side herrscht Krieg. Mal wieder. Die Kriegsgründe sind immer die gleichen: Es geht vor allem um die Revieraufteilung. Um Drogen, um Prostitution, um Waffenhandel, um die Ehre, um Auf- und Abstieg, um die richtige Farben. Und um Zugehörigkeit, um Heimat und um Identität. Die Gangs von Moss Side sind berüchtigt, und darauf sind die sogar ein bisschen stolz. Aber am Ende ist das eben doch nicht alles cool und HipHop und Abenteuer, sondern schlichtes Banditentum und manchmal tödliches noch dazu. Jessie James scheint eher zufällig ermordet worden zu sein, sagt die Polizei am nächsten Tag. Er sei wohl einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
Moss
Side und der verschwisterte Bezirk Hulme sind zwei der
ältesten
Industriearbeiterviertel der Welt, so wie Manchester die
älteste,
die erste Industriestadt überhaupt ist. In den frühen
Jahren des Neunzehnten Jahrhunderts war sie eine
außergewöhnliche,
eine einmalige Stadt, ein rasant wuchernder, rauchiger,
verrußter,
stinkender Moloch inmitten der lieblichen Landschaften Cheshires und
Lancashires. Eine Stadt auch, die viel zu schnell außer
Kontrolle gewachsen war. Der Ort unterlag da noch dem Marktrecht. Es
gab keine Stadtverwaltung, die lästige Vorschriften erlassen
konnte, keine Vorgaben für sanitäre Einrichtungen,
nichts.
Wer wollte, der baute. Wie er wollte, wo er wollte. Auch munter in
die Landschaft hinein. Es wollten viele, denn die hunderttausende von
Arbeitern, die aus Irland, aus Polen, aus Deutschland, aus der ganzen
Welt nach Manchester kamen, sie brauchten Wohnraum. Irgendwelchen.
Damit ließ sich Geld verdienen, und die Landlords verdienten
prächtig. Sie vermieteten Mini-Häuser ohne Toiletten
und
ohne Wasser, unzugängliche Löcher, in denen sich
dutzendköpfige Familien in zwei jämmerlichen Zimmern
drängten. Die Slums dieser neuen, bis dahin unbekannten Klasse
der modernen Fabrikarbeiter lagen oft nur eine Straßenbreite
von den ansehnlichen Stadthäusern der
Großbourgeoisie weg
– und doch Welten von diesen entfernt.
Friedrich Engels hat sie beschrieben, diese Stadt. 1842 hatte es den Barmener Fabrikantensohn und Journalisten Friedrich Engels zum ersten Mal hierhin verschlagen. In Vaters Firma sollte er arbeiten. Dem Unternehmen widmete er seine Zeit nur widerwillig, viel faszinierender erschien ihm das gigantische soziale und ökonomische Laboratorium, das Manchester in diesen Jahren noch darstellte. Für die Rheinische Zeitung, deren Chefredakteur damals Karl Marx war, schrieb er scharfsinnige Analysen der krassen sozialen Gegensätze in seiner neuen Heimat. Gleichzeitig sammelte er Material über die Lebenswirklichkeit der englischen Arbeiterklasse in Vierteln wie Hulme. Das Hulme, das Engels kannte, war ein gewaltiger Slum. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich die kleine ländliche Gemeinde Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts in ein Höllenloch aus qualmenden, stinkenden Fabriken und miesen Behausungen ohne jegliche Sanitäranlagen versammelt, dessen Einwohnerzahl sich verfünfzig-, dann verhundertfachte.
Heute
ist Hulme ein ganz anderer Ort. In den Sechzigern wurden die Slums
mit dem Bulldozer plattgewalzt und durch die städtebauliche
Scheußlichkeit der Crescents ersetzt, labyrinthisch durch
Fußbrücken und enge Passagen miteinander verbundene
niedrige Plattenbauten von billigster Machart. Ein Paradies
für
Drogendealer, Straßenräuber und Totschläger
und die
allgegenwärtigen Gangs, die Hölle für all
die anderen,
die zu arm waren, um wegzuziehen. Aber auch ein Refugium für
Künstler, Musiker und andere Kreative. In den Achtzigern
versank
das Viertel erneut in einem Sumpf aus Schmutz, Armut und
Kriminalität. Die Lösung war radikal: Wieder rollten
die
Bulldozer an. Der zweite Wiederaufbau Hulmes hat den Stadtteil in
eine Art innerstädtisches Suburbia verwandelt, mit schmucken
zweistöckigen Reihenhäusern, kleinen Gärten
und
abgeschirmten, großzügig angelegten Courtyards. Nun
siedeln hier in fast ungetrübter Eintracht die neue urbane
Mittelklasse, Künstler und alteingesessenes Proletariat.
Michael Burgum kennt beide Hulmes, das alte der Crescents, und das neue, so bemüht bürgerliche. Im alten Hulme war er oft zu Gast, im NIA Center, damals ein Programmkino, eins der wenigen in Greater Manchester, in dem ausländische, fremdsprachige Filme gezeigt wurden. Der imposante Bau, heute dem Verfall anheimgegeben und nur noch von einer Kirchengemeinde und der jamaikanisch-afrikanischen Gemeinschaft genutzt, war zudem Sitz des BBC-Orchesters. „Und dann ging Hulme den Bach runter“, erinnert sich Michael mit leichter Wehmut zurück. „Drogen, Banden, Räubereien, Einbrüche – es wurde unmöglich hier länger zu leben.“
Als
Hulme neu aufgebaut wurde, gehörte Michael Burgum zu den
ersten,
die eins von den kleinen, aber feinen Häusern erstanden. Lange
war alles ruhig in Hulme, aber in letzer Zeit nimmt die
Kriminalität
wieder zu, Einbrüche sind an der Tagesordnung. In das dem
seinen
gegenüberliegenden Haus ist gerade erst eingebrochen worden.
Die
Täter kamen mitten in der Nacht, warfen zwei schwere
Felssteine
durch das Wohnzimmerfenster und traten dann die Haustür ein.
Sie
stürmten sofort ins Obergeschoss und ins Schlafzimmer, wo die
Bewohner im Bett lagen. Der Ehemann wurde mit Fausthieben traktiert,
während die Frau panisch um Hilfe schrie. Kaum drei Minuten
später war der Spuk schon wieder vorbei, die Einbrecher mit
dem
Flachbild-Fernseher, dem Laptop, einer sündhaft teuren
Omega-Uhr
und der Jeans des Ehemanns in der Nacht verschwunden. Weitere zwei
Minuten später traf die Polizei ein. Verbrechen 417 seit
Mitternacht, aufgeschrieben um zwei Uhr Morgens. „Rund 6.000
sind's
pro Nacht“, sagt ein Polizist achselzuckend. Und der Ehemann
wundert sich immer noch, was zum Teufel die nächtlichen
Besucher
ausgerechnet mit seiner Jeans wollten.
„Was ist das für eine Welt,“ sagt Michael Burgum, „in der man nicht einmal im eigenen Schlafzimmer mehr sicher ist.“ Und seufzt dann: „Hoffentlich geht Hulme nicht wieder den Bach runter.“
In
Moss Side ist die Veränderung weniger augenfällig als
in
Hulme. Die engen Gassen zwischen langen Reihen von heruntergekommenen
Reihenhäusern, die schon Engels bemerkt hatte, sind vielerorts
noch da. Auch die winzigen Hinterhöfe, die einen verlorenen
Charme ausstrahlen. Aber die Iren sind fort, so wie die Deutschen,
Juden und Polen. Heute ist Moss Side vornehmlich afro-karibisch
schwarz, pakistanisch und noch ein bisschen alteingesessene
Arbeiterklasse. Dazwischen die Nachgezogenen, die Gescheiterten und
die Hoffnungsvollen, Studenten und Lebenskünstler.
Außerdem
ist es Kriegsgebiet. Einer der Opfer ist Trigger. Dem MC der
HipHop-Crew Moss Sidaz haben sie ein Auge ausgeschossen, als er mit
seinem Vater die Straße entlang gegangen ist. Einfach so, im
Vorbeifahren. Er hat bis heute keine Ahnung, wer der Schütze
war. Oder er will es nicht sagen. „In Moss Side gibt es genau
definierte Grenzen“, sagt er. „Man sieht die nicht,
aber sie sind
da. Und es herrscht Krieg. Wer eine Grenze überschreitet, wird
dafür eben mit einer Kugel bestraft.“ Die Moss Sidaz
waren für
einige Zeit ein Kultact. Ihren Höhepunkt hatte sie bei der
Eröffnungsveranstaltung der Commonwealth Games 2002. Ein
Auftritt vor laufenden Fernsehkameras und einer guten Milliarde
Zuschauern in allen Teilen des Commonwealths. Seitdem ist es ruhig
geworden um sie. Eins ihrer Stücke trägt den Titel
„War
Wounds“. Wunden des Krieges tragen sie alle. Kugelwunden im
Rücken,
in den Beinen, ein fehlendes Auge – Alltag in Moss Side.
Friedrich Engels hat einige Zeit in Moss Side gelebt, gemeinsam mit seiner Lebensgefährting Mary Burns und der Schwester Lizzie. Würde er heute durch die Straßen dieser Viertel wandern, durch das Manchester des Jahres 2006, manches erschiene ihm wohl sehr fremd. Anderes hingegen würde er auf Anhieb wiedererkennen.
Den
Alkoven in der Chetham Library zum Beispiel, und den Tisch, der in
diesem steht. Es ist immer noch derselbe Tisch, an dem er mit Karl
Marx einst bei Tee und süßem Teegebäck
gesessen und
studiert hatte. In diesem Alkoven, an diesem Tisch sind wohl auch die
Worte geschrieben worden, die das Kommunistische Manifest einleiten:
„Ein Gespenst geht um, das Gespenst des
Kommunismus...“.
Die Bibliothek, die älteste ihrer Art in der
englischsprachigen
Welt und noch zu Engels' Zeiten eine der bedeutendsten, ist heute ein
von Verfall bedrohter Notfall für den Denkmalschutz und
eingebettet in die Chetham Music School, aber nach wie vor offen
für
Besucher. Viele von denen kommen wegen Marx und Engels. „Es
sind
häufig Touristen vom Kontinent“, sagt die
Mitarbeiterin, die
Besucher in die Bibliothek führt. „Viele Deutsche
darunter,
die nach Marx und Engels fragen.“
Nur ein kleines Stückchen weiter ist die Victoria Station, in unseren Tagen einer der beiden Hauptbahnhöfe Manchesters, zu Engels' Zeiten einer der wichtigsten Englands. Von Victoria aus führte die erste zwischenstädtische Eisenbahnverbindung der Welt nach Liverpool.
Gegenüber der Chetham Music School liegt eine futuristisch anmutende Sprungschanze aus Stahl, Beton und Glas, das Urbis 'Museum der modernen Stadt'. Das Manchester des 21. Jahrhunderts leistet sich ein eigenes Museum für die moderne Stadt, und setzt sich damit selbst ein Denkmal. Die größte Revolution der Neuzeit fand schließlich in den eigenen Mauern statt. Hier entstand die Arbeiterbewegung, die Engels studierte, mit deren Vordenkern und Führern er sich assoziierte und von der er lernte. Hier begründeten die Sufragetten die moderne Frauenbewegung, während Techniker und Ingenieure eine technische Revolution nach der anderen auslösten. Nicht umsonst war es Manchester, wo sich später die Herren Rolls und Royce zusammentaten, um eine Automobilproduktion aufzubauen. Die Einwanderer waren ein Teil dieser Revolution, trieben sie in allen Lebensbereichen weiter fort, prägten sie.
Weit über 10.000 deutsche Arbeiter lebten gegen Ende des Neunzehnten Jahrhunderts allein in Manchester. Deutsche Unternehmer siedelten sich während des Neunzehnten Jahrhunderts ebenfalls in großer Zahl an. 1800 waren von zwölf in der Stadt ansässigen ausländischen Firmen neun fest in deutscher Hand. 1840 waren es immerhin 97 von insgesamt 100 und 1870 noch 153 von 420. Ihnen folgten die Intellektuellen und Künstler, viele von ihnen auf der Flucht vor dem preußischen Obrigkeitsstaat nach der mißlungenen Revolution von 1848. Der Hagener Musiker Karl Halle baute das schon bald weltweit anerkannte Hallé-Orchestra und die Royal Northern School Of Music auf; der Chemiker Carl Schorlemmer begründete am Owens Institut die organische Chemie als eigene Disziplin. Aus dem Owens-Institut ist die heutige University Of Manchester hervorgegangen.
Das
Urbis Museum steht dort, wo sich zu Engels Zeiten das kommerzielle
Zentrum Manchesters befand, wo das Herz der Industriemetropole, das
industrielle Herz des britischen Empires schlug. Ihm gegenüber
erstreckt sich lang die imposante Fassade des Corn Exchange, einst
die umtriebige und mächtige Börse der Stadt. Nun
beherbergt
sie in ihrem Innern eine Reihe exklusiver Läden. Das Urbis
Museum ist auch ein Museum für den Wandel. Denn steter,
unaufhörlicher, oft revolutionärer Wandel ist das
eigentliche Merkmal Manchesters.
Die erste Industriestadt der Welt wurde die erste Industriemetropole im Niedergang. Das Schicksal, das später alte Industriestädte von Essen und Bottrop bis Detroit ereilte, es hatte Manchester schon sehr viel früher getroffen. In den Sechzigern und Siebzigern des Zwanzigsten Jahrhunderts stand die Stadt fast nur noch für graue Verzweiflung, für tiefste postindustrielle Depression. Doch unter der Oberfläche wuchs und gedieh bereits ein neues Manchester, das wieder mehr sein sollte als nur ein Synonym für Untergang. Die Stadt wandelte sich, wurde zur Musikmetropole Europas, zur Fußballmetropole Europas, zur Partyhauptstadt und schließlich erneut zur wichtigen Metropole der britischen Inseln, deren Glanz nur von London übertroffen wird.
Musik hat eine lange Tradition in der Stadt. Wellen von Einwanderern haben ihre Musik mit nach Manchester gebracht und die Stadt zu einem Schmelztiegel der Töne gemacht. In den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern wurde Musik zum Lebenselixier der Stadt. Die Liste der Pop- und Rockstars aus Manchester ist endlos und würde ein eigenes Lexikon füllen. Bee Gees, Take That, The Hollies, M People, Barclay James Harvest, New Order, Oasis oder The Smiths sind nur einige der Namen, die auf Anhieb einfallen.
Das Urbis Museum ist selbst ein Zeugnis für die letzte Revolution, die die Stadt durchlebthat. War die Metamorphose von der sterbenden Industriestadt zur glitzernden postindustriellen Metropole bis Mitte der Neunziger zwar zu erahnen, aber kaum an トußerlichkeiten festzumachen gewesen, sollte ausgerechnet die irische Terror-Organisation IRA einen atemberaubenden Umbau möglich machen, der das Stadtbild innerhalb nur eines Jahrzehntes grundlegend verändert hat. 1996, während der Fußball-Europameisterschaft, ließ sie eine Bombe hochgehen, die weite Teile der Innenstadt verwüstete. Für die Stadtväter war das wie ein Geschenk des Himmels. Sie leiteten ein gigantisches Umbau- und Stadtsanierungsprogramm ein, das Manchester über Jahre hinweg zur nach Berlin zweitgrößten Baustelle Europas werden ließ. Der Umbau forderte seine Opfer: Die imposanten alten Fabriken zum Beispiel sind großenteils abgerissen oder in sündhaft teure Innenstadt-Apartments umgewandelt worden.
Die
Freetrade Hall immerhin hat überlebt. Oder zumindest die
Fassade, hinter der sich nun ein Hotel verbirgt. In den Sechzigern
des Zwanzigsten Jahrhunderts hat sie noch einmal Geschichte gemacht.
Da hatte Bob Dylan in der Halle ein Konzert gegeben und war mit einer
elektrischen Gitarre auf die Bühne zu kommen. Für die
Folkgemeinde ein schwerer Affront. Er wurde als Verräter
beschimpft, und Ausverkauf wurde ihm vorgeworfen, Unterwerfung unter
das kapitalistische System. Welch schlechteren Platz hätte
Dylan
für sein perfides Tun wählen können als die
Freetrade
Hall in Manchester, die Geburtsstätte der
Freihandels-Ideologie,
des reinen, gnadenlosen, unverfälschten Kapitalismus?
Der Wandel der Stadt zur modernen Kommerz-, Dienstleistungs- und Wissenschaftsmetropole ist weitgehend abgeschlossen. Mehrere Universitäten locken jedes Jahr rund 80.000 Studenten aus der ganzen Welt in die Stadt. Eine, die University of Manchester, war Ausgangspunkt einer weiteren Revolution: Hier wurde der erste frei programmierbare Computer der Welt entwickelt und in Betrieb genommen – der Beginn des Computerzeitalters. Dass Konrad Zuse da noch ein wenig vorher am Ball gewesen war, wurde erst nach und nach bekannt, aber da hatte die Computerrevolution längt gesiegt und ihre eigenen Mythen in die Lochstreifen gestanzt.
Erneut zieht die Stadt Einwanderer aus der ganzen Welt an. Sehr viele Chinesen sind darunter, die hier auf eine alteingesessene und lange etablierte chinesische Gemeinde treffen. Auch viele Polen, und Spanier. Außerdem Deutsche. Die Deutschen kommen zurück. Weil es hier Arbeit gibt, für deutschtürkische Bauarbeiter aus Frankfurt ebenso wie für Akademiker. Oder für Mediziner wie den Doktor Pollack. Der ist nach Manchester gekommen, weil die Stadt „... so liberal ist, so abwechslungsreich und weil sie viele Möglichkeiten bietet, die man in Deutschland so schnell nicht findet.“
Im
Humanities-Gebäude der University of Manchester ist die School
of Languages, Linguistics and Cultures untergebracht, zu der auch das
Middle East Department der Universität gehört. Im
Erdgeschoss, im Westflügel, liegen die Büros von Dr.
Oliver
Bast und von Oliver Kahl. Nur zwei Akademiker von vielen, die ihre
neue Heimat in Manchester gefunden haben. Warum gerade hier?
„Die
Offenheit und Durchlässigkeit des Systems, das wesentlich
unbürokratischere und wissenschaftsfreundlichere Ambiente
englischer Universiäten“, sagen sie.
„Außerdem die
Weltoffenheit, das reichhaltige kulturelle Leben der Stadt.“
Manchester bietet ihnen Arbeit, akademische Freiheit, Vielfalt,
Offenheit. Fast alles ist möglich. Wie schon zu Engels' Zeiten.
Wer das Humanities-Gebäude der University of Manchester durch den Südausgang verlässt, am Contact Theatre vorbei über den Parkplatz zur Dilworth-Street schlendert und dieser in westlicher Richtung folgt, der landet nach einigen hundert Metern in der Cecil Street, wo einst das Commercial Hotel stand, in dem Friedrich Engels eine Weile gelebt hat. Das Hotel steht längst nicht mehr. Und Moss Side hat sich verändert. Und Manchester hat sich verändert. Aber weil Veränderung das wesentliche Merkmal Manchesters ist, hat sich eigentlich nichts geändert. Und das hätte auch Engels so gefallen.