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Sean Connery
Schottland von den Bahamas aus gesehen
Rum und Whiskey, Edinburgh und Nassau,
London und Hollywood - Sean Connery, bekannt geworden als der Mann,
der's vor allem geschüttelt mag, lebt zwischen den Welten. Totzdem,
Schottland ist er immer treu geblieben. Kein Wunder, dass auch seine
Autobiographie eigentlich ein Buch über Schottland ist.
Er war
der erste, der berühmteste
James Bond, der Prototyp des britischen Agenten mit der Lizenz zum
Töten und Verführen. Als Agent 007, immer ausgestattet mit den
coolsten Gadgets des weltweiten Agentengewerbes, kämpfte er auf der
Leinwand gegen die sinistren Feinde der britischen Krone und ließ
dabei kaum eine Schönheit unberührt am Wegesrande stehen. Wenn so
einer, der sich zudem jenseits der Leinwand eine Reputation als
Frauenfreund, als sexyster Mann des Planeten erworben hatte, seine
Lebenserinnerungen aufschreibt, dann darf man einiges erwarten. Eine
packende Lebensbeichte zum Beispiel, in der er nachzulesen ist, wie
aus einem ungebildeten dreizehnjährigen Schulabbrecher aus dem
tristen Edinburgher Stadtteil Fountainbridge ein gefeierter Filmstar
geworden ist. Das wäre die Geschichte von einem, der ohne Bedenken
einen berüchtigten Mafiakiller mit einem Kopfstoß zu Boden
geschickt hatte, weil der die Ehre von Connerys Kollegin und
zeitweiliger Geliebten Lana Turner beleidigt hatte. Die Geschichte
auch von einem, der sich als Teenager für zwölf Jahre zur Armee
verpflichtet hatte, weil er unbedingt in den Krieg wollte. Und der
dann, nach nur zwei Jahren, heilfroh war, dass ein
Zwölffingerdarmgeschwür ihm den vorzeitigen Abschied vom
Schlachtfeld ermöglichte. Ebenso allerdings die Geschichte von
einem, der vor laufenden Fernsehkameras in einem Interview mit Barbra
Walters erklärt hatte, dass es gerechtfertigt sei, eine Frau zu
schlagen, wenn diese im Familienstreit partout das letzte Wort
behalten wolle. Eine Aussage, die er nie zurückgenommen hat. Ecken
und Kanten hat der Mann also, und an einigen der Ecken kann man sich
sehr gut reiben. Sean Connery hätte daher in unendlich viel
spannenden Erinnerungen schwelgen können. Tut er aber nicht.
Für immer Schottland
S
tattdessen
schreibt er über die ganz
große Liebe seines Lebens, über Schottland. Denn der Filmagent der
Britischen Krone, die für überzeugte Schotten eine englische Krone
ist, ist im Privatleben glühender Nationalist. Das trutzige Schloss
des Herzogs von Edinburgh, im Hauptberuf Ehemann der Königin, das
hoch über die malerische Altstadt seiner Geburtsstadt aufragt, ist
für ihn das äußere Kennzeichen der englischen Besatzungsmonarchie.
Die habe Schottland die Freiheit genommen, plündere das Land im
rauen Norden der Insel aus und halte es in schmählicher
Abhängigkeit. Und so redet er in seiner Autobiographie „Mein
Schottland“ lieber über das, was Schottland groß gemacht hätte,
wäre da nicht England gewesen. Über Sport und Öl, über die
englische Ausbeutung schottischer Ressourcen, über den schottischen
Beitrag zu Kunst, Kultur und Wissenschaft. Er zürnt auch über Tony
Blair, ein anderer Schotte, aber in Connerys Augen ein Verräter,
einer, der nach London gegangen war um den Interessen Englands zu
dienen.
Der frühere Milchmann Tam, an den sich ganz alte Edinburgher noch erinnern können, ist seit vielen Jahren wortgewaltiger Unterstützer und finanzieller Förderer des schottischen Nationalismus. Dem regierenden schottischen First Minister Alex Salmond von der Scottish National Party Alex ist er in enger Freundschaft verbunden. Kennengelernt hatten die beiden sich bei der Ausübung der schottischsten aller Sportarten, dem Golf. Seitdem fungiert der Politiker auch schon mal als persönlicher Sekretär des Filmstars und schickt ihm eigenhändig Fanpost, die der Einfachheit halber an den schottischen Regierungssitz adressiert worden war, in dessen Exil auf den Bahamas hinterher.
Ein Schotte im Exil
Das
Exil nehmen ihm im Übrigen so
manche Schotten krumm. Wie kann einer, so zürnen sie, der sich
selbst als schottischer Nationalist verkauft, sein Leben so weit weg
vom wunderschönen Edinburgh verbringen? Ein aufrechter Schotte habe
gefälligst seine Wohnung in Schottland zu haben, dort sein Geld
auszugeben und auch das schlechte Wetter mit den Landsleuten zu
teilen. Mit dem Vorwurf kann Sean Connery allerdings wenig anfangen.
Zum Einen, so zürnt er, stecke dahinter sicherlich eine Kampagne der
schottischen Medien. Und die seien nun mal fest in englischen Händen.
Zum Anderen: „Dass ich in so vielen Ländern gelebt und gearbeitet
habe, ist ein Vorteil. Diese Welterfahrung erlaubt mir einen klareren
Blick auf die wirklichen Zustände in Schottland. Und ich lasse mir
von niemandem vorschreiben, wo ich zu leben habe.“
Krumm
nehmen ihm schottische
Nationalisten außerdem, dass er 2000 vor der englischen Königin zum
Ritterschlag in die Kniee sank. Den Kniefall kann Sir Sean bis heute
nur schwer rechtfertigen. Also erklärt er sich kurzerhand zum Opfer
englischen Intrigantentums. Eigentlich, so seine Argumentation, sei
er schon sehr viel früher an der Reihe für den Ritterschlag
gewesen. Aber weil er Schotte sei, sei die Adelung immer wieder
hintertrieben worden.
Doch die Mehrheit der Schotten, soviel ist auch klar, liebt ihren Sean Connery. So sehr, dass inzwischen die Forderung in Edinburgh immer lauter wird, den Flughafen der Stadt in Sean Connery Airport umzubenennen. Das wiederum dürfte Sean Connery wohl gefallen, wenn er pünktlich zum Edinburgh-Festival in die alte Heimat fliegt.