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MuzikQuest Reportagen




Sean Connery
Schottland von den Bahamas aus gesehen

Sean Connery 1980Rum und Whiskey, Edinburgh und Nassau, London und Hollywood - Sean Connery, bekannt geworden als der Mann, der's vor allem geschüttelt mag, lebt zwischen den Welten. Totzdem, Schottland ist er immer treu geblieben. Kein Wunder, dass auch seine Autobiographie eigentlich ein Buch über Schottland ist.

Er war der erste, der berühmteste James Bond, der Prototyp des britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten und Verführen. Als Agent 007, immer ausgestattet mit den coolsten Gadgets des weltweiten Agentengewerbes, kämpfte er auf der Leinwand gegen die sinistren Feinde der britischen Krone und ließ dabei kaum eine Schönheit unberührt am Wegesrande stehen. Wenn so einer, der sich zudem jenseits der Leinwand eine Reputation als Frauenfreund, als sexyster Mann des Planeten erworben hatte, seine Lebenserinnerungen aufschreibt, dann darf man einiges erwarten. Eine packende Lebensbeichte zum Beispiel, in der er nachzulesen ist, wie aus einem ungebildeten dreizehnjährigen Schulabbrecher aus dem tristen Edinburgher Stadtteil Fountainbridge ein gefeierter Filmstar geworden ist. Das wäre die Geschichte von einem, der ohne Bedenken einen berüchtigten Mafiakiller mit einem Kopfstoß zu Boden geschickt hatte, weil der die Ehre von Connerys Kollegin und zeitweiliger Geliebten Lana Turner beleidigt hatte. Die Geschichte auch von einem, der sich als Teenager für zwölf Jahre zur Armee verpflichtet hatte, weil er unbedingt in den Krieg wollte. Und der dann, nach nur zwei Jahren, heilfroh war, dass ein Zwölffingerdarmgeschwür ihm den vorzeitigen Abschied vom Schlachtfeld ermöglichte. Ebenso allerdings die Geschichte von einem, der vor laufenden Fernsehkameras in einem Interview mit Barbra Walters erklärt hatte, dass es gerechtfertigt sei, eine Frau zu schlagen, wenn diese im Familienstreit partout das letzte Wort behalten wolle. Eine Aussage, die er nie zurückgenommen hat. Ecken und Kanten hat der Mann also, und an einigen der Ecken kann man sich sehr gut reiben. Sean Connery hätte daher in unendlich viel spannenden Erinnerungen schwelgen können. Tut er aber nicht.

Für immer Schottland

SEdinburgh Castletattdessen schreibt er über die ganz große Liebe seines Lebens, über Schottland. Denn der Filmagent der Britischen Krone, die für überzeugte Schotten eine englische Krone ist, ist im Privatleben glühender Nationalist. Das trutzige Schloss des Herzogs von Edinburgh, im Hauptberuf Ehemann der Königin, das hoch über die malerische Altstadt seiner Geburtsstadt aufragt, ist für ihn das äußere Kennzeichen der englischen Besatzungsmonarchie. Die habe Schottland die Freiheit genommen, plündere das Land im rauen Norden der Insel aus und halte es in schmählicher Abhängigkeit. Und so redet er in seiner Autobiographie „Mein Schottland“ lieber über das, was Schottland groß gemacht hätte, wäre da nicht England gewesen. Über Sport und Öl, über die englische Ausbeutung schottischer Ressourcen, über den schottischen Beitrag zu Kunst, Kultur und Wissenschaft. Er zürnt auch über Tony Blair, ein anderer Schotte, aber in Connerys Augen ein Verräter, einer, der nach London gegangen war um den Interessen Englands zu dienen.

Der frühere Milchmann Tam, an den sich ganz alte Edinburgher noch erinnern können, ist seit vielen Jahren wortgewaltiger Unterstützer und finanzieller Förderer des schottischen Nationalismus. Dem regierenden schottischen First Minister Alex Salmond von der Scottish National Party Alex ist er in enger Freundschaft verbunden. Kennengelernt hatten die beiden sich bei der Ausübung der schottischsten aller Sportarten, dem Golf. Seitdem fungiert der Politiker auch schon mal als persönlicher Sekretär des Filmstars und schickt ihm eigenhändig Fanpost, die der Einfachheit halber an den schottischen Regierungssitz adressiert worden war, in dessen Exil auf den Bahamas hinterher.

Ein Schotte im Exil

Das Exil nehmen ihm im Übrigen so manche Schotten krumm. Wie kann einer, so zürnen sie, der sich selbst als schottischer Nationalist verkauft, sein Leben so weit weg vom wunderschönen Edinburgh verbringen? Ein aufrechter Schotte habe gefälligst seine Wohnung in Schottland zu haben, dort sein Geld auszugeben und auch das schlechte Wetter mit den Landsleuten zu teilen. Mit dem Vorwurf kann Sean Connery allerdings wenig anfangen. Zum Einen, so zürnt er, stecke dahinter sicherlich eine Kampagne der schottischen Medien. Und die seien nun mal fest in englischen Händen. Zum Anderen: „Dass ich in so vielen Ländern gelebt und gearbeitet habe, ist ein Vorteil. Diese Welterfahrung erlaubt mir einen klareren Blick auf die wirklichen Zustände in Schottland. Und ich lasse mir von niemandem vorschreiben, wo ich zu leben habe.“

Krumm nehmen ihm schottische Nationalisten außerdem, dass er 2000 vor der englischen Königin zum Ritterschlag in die Kniee sank. Den Kniefall kann Sir Sean bis heute nur schwer rechtfertigen. Also erklärt er sich kurzerhand zum Opfer englischen Intrigantentums. Eigentlich, so seine Argumentation, sei er schon sehr viel früher an der Reihe für den Ritterschlag gewesen. Aber weil er Schotte sei, sei die Adelung immer wieder hintertrieben worden.

Doch die Mehrheit der Schotten, soviel ist auch klar, liebt ihren Sean Connery. So sehr, dass inzwischen die Forderung in Edinburgh immer lauter wird, den Flughafen der Stadt in Sean Connery Airport umzubenennen. Das wiederum dürfte Sean Connery wohl gefallen, wenn er pünktlich zum Edinburgh-Festival in die alte Heimat fliegt.



© 2009 Edgar Klüsener/ MuzikQuest
Zuerst veröffentlicht: Frankfurter Rundschau, 1. April 2009

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