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DIE NIRVANA FILES
Wer tötete
Kurt Cobain?
Die Verschwörungs-Theorien Die offizielle und allgemein verbreitete Version von Kurts Tod haben wir an anderer Stelle bereits geschildert. Aber es gibt auch abweichende Lesarten. Wann immer ein Idol eines unnatürlichen Todes stirbt, machen bald die abenteuerlichsten Gerüchte um dunkle Machenschaften die Runde. Ob James Dean oder John F. Kennedy, Jimi Hendrix, Elvis Presley oder eben Kurt Cobain - Idole sterben nicht so einfach. Da muss mehr dahinter stecken, mindestens die CIA, besser noch dunkle Mächte aus der Unterwelt oder finstere Fremdlinge aus dem Weltraum. Auf jeden Fall aber sind - bei Verschwörungstheorien ‘made in America’ eine Grundregel - das Weiße Haus und die Mafia beteiligt. Die meisten dieser Konstrukte sind freilich so abstrus, dass sie sich von selbst erledigen. Nur selten sind sie ernsthafterer Erwägung wert. Noch seltener freilich ist es, dass die Theorien sich soweit verdichten, dass das unangenehme Gefühl aufkommt, sie könnten wahrer sein als die Wahrheit, die man zu kennen meint. Das ist immer dann der Fall, wenn die bislang akzeptierte und offiziell verbreitete Wahrheit zu viele Fragen offen lässt, ihr zu viele Ungereimtheiten innewohnen und zu viele falsche oder irreführende Antworten gegeben werden. Dann kommt langsam aber sicher das Gefühl auf: es stinkt was in Seattle. Einer, der dieses Gefühl von Anfang an hatte, ist Richard Lee. Lee, der in Seattle wöchentlich ein einstündiges Programm im offenen Kanal gestaltet, war als einer der ersten Journalisten vor Ort, als die Leiche Cobains im Raum über der Garage seines Hauses am Lake Washington gefunden wurde. Am Anfang nahm er die Presseerklärung vom „eindeutigen Selbstmord", die die Polizei schon wenig später herausgab, genauso gelassen und bereitwillig hin wie der Rest der weltweiten Presse. Doch dann stolperte er über erste Ungereimtheiten. Warum zum Beispiel war auf den Fotos von der Leiche kein Blut zu sehen? Wenn sich einer aus nächster Nähe eine Kugel durch den Kopf jagt, müsste eigentlich alles um ihn herum in Blut schwimmen. Warum wurden auf der Waffe keine Fingerabdrücke gefunden? Dann der angebliche Abschiedsbrief. Der las sich wie die Ankündigung Cobains an seine Fans, dass er aus der Band aussteigen und sich für eine Weile ganz zurückziehen wolle, nicht aber wie die letzte Äußerung eines Selbstmörders. Und überhaupt, wie konnte jemand, der so voller Drogen war, so mächtig überdosiert wie Cobain zum Zeitpunkt seines Todes, überhaupt noch in der Lage sein, eine Waffe in die Hand zu nehmen, sich den Lauf in den Mund zu stecken und dann abzudrücken? Die Antworten, die Lee von den Behörden erhielt, waren bestenfalls widersprüchlich. Also fragte er weiter. Seine wöchentliche Sendung, in der er sich bis dahin ausschließlich mit Lokalpolitik beschäftigt hatte, stellte er ab dem 13. April 1994 unter das Motto „Kurt Cobain Was Killed". Über 100 Sendungen zog er konsequent durch, sammelte neue Erkenntnisse, recherchierte verbissen weiter, deckte etliche Schlampereien auf Seiten der Polizei auf und kam schließlich zu dem Punkt, an dem er sich zwangsläufig nach einem Motiv für einen möglichen Mord - und damit nach dem potenziellen Mörder - umschauen musste. Seitdem deutet er, ohne den Namen auszusprechen, aber unmissverständlich, in Richtung Courtney Love. So gut und so überzeugend allerdings viele Ansätze von Lee auch sein mögen, sein Problem ist, dass er sich im Laufe der Zeit in eine Art von Besessenheit hinein gesteigert hat, die ihn am Ende zu objektiver Beurteilung von Fakten nur noch sehr eingeschränkt befähigten. Worunter natürlich auch seine Glaubwürdigkeit leidet. Der Detektiv und das Biest? C Kurt
and Courtney
Den Gerüchten um Cobains Tod wollte auch Nick Broomfield, preisgekrönter britischer Kult-Dokumentarfilmer, auf den Grund gehen. Also reiste er nach Seattle, holte Freunde, Bekannte und Verwandte von Love und Cobain vor die Kamera und filmte sich selbst auf der Suche nach der Wahrheit, geriet damit jedoch dummerweise auch ins Visier von Courtney und ihren Anwälten. Die zogen alle Register, brachten Zeugen unter Einsatz aller legalen Druckmittel zum Verstummen, erreichten, dass Broomfield einen Teil der Fördergelder für den Film verlor, und drohten ihm an, ihn in Grund und Boden zu klagen. Broomfield drehte den Film dennoch zu Ende. Und er stellte klar, wem seine Sympathien gelten und wem nicht. Kurt Cobain wird als Künstlertyp gezeichnet, der die Beatles liebte und vom Punk fasziniert war, der einen scharfen Witz hatte und sich auf morbide Art von Tod und Krankheit angezogen fühlte. Courtney hingegen kommt - vorsichtig ausgedrückt - bestenfalls als billige Hollywood-Schlampe weg. Vor der Kamera erschien auch Tom Grant, der seine Thesen darlegen durfte. Und Courtneys Vater, der auf die Frage, ob es stimme, dass er Rottweiler dazu benutzt habe, seine renitente Tochter zu disziplinieren, trocken antwortete: „Nein, Pitbulls." Außerdem ließ er den früheren Mentors-Frontmann Eldon Hoke alias ‘El Duce’ vor laufender Kamera andeuten, Love habe ihm $ 50.000 geboten, wenn er ihren Mann umbringe. Was im Film noch wie die Wichtigtuerei eines abgedrehten Punk-Showmans erscheint, soll schon bald weitere Fragen aufwerfen. Denn El Duce starb im Sommer 1997, als er in voll trunkenem Zustand von einem Zug überrollt wurde. Ein direkter Zusammenhang zwischen seinem Tod und dem Filmstatement ist zwar nicht ersichtlich, die Gerüchteküche brodelt trotzdem. Wurde Kurt Cobain ermordet? Und wenn ja, von wem? Handfeste Beweise für einen Mord hat bislang niemand liefern können. Verdachtsmomente gibt es. Wie stichhaltig diese sind, wird sich noch erweisen müssen. Die Recherchen jedenfalls gehen weiter. Jetzt haben sich auch die Journalisten Ian Halperin und Max Wallac, beide vom amerikanischen Rolling Stone als investigative Journalisten ausgezeichnet, an das Thema gemacht. Ihr Buch „Who Killed Kurt Cobain? (The Mysterious Death Of An Icon)" ist gerade erschienen. Edgar Klüsener Teil I : Letzte Ausfahrt...Teil II : 34 lange Tage Teil III : Wer tötete Kurt Cobain Teil IV : Diskografie Teil V : Wichtige Daten © 2002/2004 MuzikQuest / Edgar Klüsener Erstveröffentlichung
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