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Elbow
Nachspielen lohnt nicht

Ehrlich sind sie ja. „Früher haben wir zwei Arten von Musik geschrieben. Einmal das, was wir immer noch machen, dann aber auch Songs, die uns einen Plattenvertrag bringen sollten. Nur haben die uns keinen Plattenvertrag eingebracht, sondern lediglich vage Versprechungen von diversen Firmen. Also haben wir uns irgendwann entschlossen, überhaupt nicht mehr auf den Markt zu schielen, sondern konsequent nur noch unseren eigenen musikalischen Weg zu verfolgen.“ Um diese Absicht auch nach außen hin zu dokumentieren, hat sich die Band dann gleich noch unbenannt, aus Soft, vor rund zehn Jahren in Manchester gegründet, wurde Elbow.

ElbowDas war vor vier Jahren. Und seitdem tut sich was. Auch wenn's Nerven kostet. Die Band wurde dreimal gesignt und zweimal sofort wieder gefeuert. Mit leichtem Schaudern erinnert sich Sänger Guy: „Weil die Plattenfirmen sich so zurückhaltend verhielten, hatten wir in Eigenregie eine EP aufgenommen, die nicht nur in Manchester für einiges Aufsehen sorgte. John Peel nahm sie in seine persönliche Top Fifty auf, der Guardian schrieb eine überschwengliche Rezension, der NME wurde aufmerksam – und damit plötzlich auch die Platten-Industrie. Island kam, signte uns – und wurde von Universal aufgekauft, was eine Menge von Island-Künstlern ihre Verträge kostete, Elbow eingeschlossen. Als die Entscheidung fiel, hatten wir gerade unser Album fix und fertig eingespielt und saßen nun damit auf der Straße. Als Retter nahte EMI. Große Erleichterung in der Band. Aber dann gab's ein Riesen-Hickhack um die Verträge und schließlich die Ansage: Sorry Jungs, wir wollen euch doch nicht. Da saßen wir schon wieder auf der Straße.(hier gibt's den Originlton als MP3)“

Frustriert brachte die Band eine zweite EP in Eigenregie heraus, diesmal veröffentlich über das Mini-Label Ugly Man, das einem Freund der Musiker gehört. Die Geschichte wiederholte sich, gute bis überschwängliche Kritiken, erneutes Interesse von Plattenfirmen. Diesmal erhielt V2 den Zuschlag – und erstmals scheint der Vertrag das Papier wert zu sein, auf dem er fixiert wurde.

Elbow im Night & Day Cafe in ManchesterZum Glück für Elbow. Zum noch größeren Glück für V2, könnte man fast sagen, denn mit Elbow hat sich die Branson-Company ein Juwel eingekauft, an dem sie noch viel Freude haben dürfte. Das Quintett aus Manchester schielt längst nicht mehr auf den Markt und auf vergängliche Moden, sondern geht konsequent seinen eigenen Weg. Der ließe sich grob mit „Prog-Rock ohne Firlefanz“ beschreiben. Filigrane Klanggemälde, stimmungsvolle Momentaufnahmen aus einer Wirklichkeit jenseits von „Strophe-Refrain-Strophe“ und psychedelische Miniaturen, mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt, sind sein Metier.

Einen ersten Appetitanreger offeriert Elbow auf der „the any day now ep“. Vier Songs, die schon ganz nett die Bandbreite der Band dokumentieren. Vor allem der Titel-Track „any day now“ hat's mir angetan, weil er ein bisschen wie Pink Floyd zur „Dark Side Of The Moon“- Phase ins Jahr 2000 versetzt klingt. Ein Vergleich, den die Band schon öfter gehört hat, aber deswegen trotzdem nicht besser leiden kann. Guy Garvey, Sänger, Texter und zweiter Gitarrist von Elbow: „Wir haben die musikalische Nähe zu Pink Floyd bestimmt nicht absichtlich gesucht, wir haben nicht einmal einen Pink Floyd-Fan in der Band. Das hat sich eher zufällig ergeben, und die Ähnlichkeiten sind, falls überhaupt vorhanden, auch nur oberflächlich.“ Was er mit Songs wie „don't mix your drinks“ auch belegen kann.

Das PlattencoverGarvey sträubt sich dagegen, als Sänger und Texter in den Vordergrund gedrängt zu werden, auch wenn es gerade seine oftmals poetischen Texte und seine eigentümliche Art des Singens sind, die den wahren Reiz von Elbows Musik ausmachen. „Mir ist klar“, gesteht er zwar ein, „dass ich für die Medien die Frontfigur bin, das Aushängeschild, an dem sich alle zuerst reiben. Aber,“ fährt er fort, „das zeichnet ein falsches Bild von Elbow. Die ganze Band ist zu gleichen Teilen an der Musik beteiligt, jeder von uns komponiert, arrangiert, steuert seinen Teil bei, es gibt niemanden, der aus  diesem Schaffensprozess gesondert heraus gehoben werden kann.“

Schwer zu sagen, ob es für die leise, facettenreiche Musik Elbows jemals einen großen Markt geben wird. Wer aber hintergründige, lyrische Schönheit zu würdigen weiß, der wird der Band schnell zu Füßen liegen.

© 2002/2003 Muzik Quest/ Edgar Klüsener






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