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1.12.2006,
Hyde, Cheshire. Die Zukunft
der kommerziellen britischen Raumfahrt haust in einem trostlosen
Industrieviertel am Rande von Greater Manchester.
Wellblech-Lagerhallen, Backstein-Fabrikbauten und halb leere
Parkplätze bestimmen das Bild. Aus dem Tor einer der
Lagerhallen
lugt die Spitze einer Rakete hervor und kennzeichnet so eindeutig das
britische Hauptquartier von Starchaser Ltd., der Firma von Rocket-Man
Steve Bennett. Der lädt dann in sein kaltes Büro und
bietet
zunächst einmal, ganz britischer Gentleman und perfekter
Gastgeber, eine Tasse Tee an. Die prächtig
tätowierten
muskulösen Arme lassen allerdings eher auf Biker denn auf
Gentleman schließen. Wie auch das schwere japanische
Motorrad,
das unten in der Halle zwischen Raketen-Triebwerken abgestellt ist.
Mr.
Bennett, was fällt Ihnen zu
Paderborn ein?
Steve
Bennett: Ein sehr religiöses
Städtchen, ein paar gute Bars, ein paar annehmbare Clubs. Ich
war einige Jahre in der Army und unter anderem auch in Paderborn
stationiert, bevor ich dann in den Falkland-Krieg abkommandiert
wurde.
Eine
Raketeneinheit in Paderborn?
Steve
Bennett: Nein, nein, ich hatte da
den Rang eines Lance Corporals in der Ordnance Squad und war als
Petroleum Operator und Labortechniker dafür verantwortlich,
dass
die Armee mobil blieb. Die britische Armee hatte in Deutschland ein
Netz von Treibstoff-Pipelines aufgebaut, und mein Job war es, den
Stoff regelmäßig zu testen und zu analysieren. In
der
ganzen britischen Armee gab's damals gerade um die zwanzig solcher
Petroleum-Operatoren.
Ist
für die Tätowierungen
ebenfalls die Armee verantwortlich?
Steve
Bennett: Nicht die Armee selbst,
aber ja, ich ich habe mich in dieser Zeit tätowieren lassen.
Was wollten Sie eigentlich als kleiner Junge werden? Cowboy, Feuerwehrmann oder Pirat?
Steve Bennett: Nein, es war mir schon früh klar, dass ich was mit Raketen machen wollte, mit Weltraum. Schuld waren Neil Armstrong und Gerry Anderson. Mein Interesse an Raketen, an der Weltraumfahrt im Allgemeinen, begann mit Armstrongs Landung auf dem Mond. Da muss ich um die sechs Jahre alt gewesen sein. Gerry Andersons Fernsehserie Thunderbirds besorgte dann den Rest. Wie Millionen andere britische Kinder war ich restlos fasziniert von Thunderbirds. Nur dass bei mir die Faszination dann nie wieder nachgelassen hat.
Zunächst
einmal haben Sie sich
allerdings bei ihrer Mutter als Feuerteufel unbeliebt gemacht. Sie
musste mehr als einmal Brände im Garten löschen.
Steve Bennett: Ich war halt fasziniert von allem, was mit Feuer, Lärm und Explosionen zu tun hatte. Und als ich dann meinen ersten Chemie-Baukasten bekam, gab's kein Halten mehr. Bald begann ich auch mit verschiedenen Raketentreibstoffen zu experimentieren. Mit Dreizehn habe ich dann schon richtige Raketen gebastelt und Treibstoff gebraut. Die Raketen waren etliche Zentimeter lang und sind bis zu 100 Meter hoch geflogen. Das war bereits richtige Raketen-Wissenschaft. Nach und nach wurden die Raketen immer größer, flogen immer höher und wurden immer teurer. Da hatte es mich endgültig gepackt. 1992 habe ich mich schließlich entschieden, das Hobby zum Beruf zu machen. Zu meiner Frau sagte ich: „Ich werde meinen Job kündigen und in Zukunft meine Arbeitszeit ausschließlich diesem Projekt widmen.“ Sie antwortete: „Aha, und was genau hast du vor? Was willst du erreichen?“ „Ich will eine Rakete bauen“, war meine Antwort, „die groß genug ist mich ins All zu tragen.“
Und
sie hat nicht umgehend die
Scheidung eingereicht?
Steve Bennett: Erstaunlicherweise nicht. Sie sagte nur: „Okay, wenn du meinst. Ich bin dabei.“ Meinen Job als Labortechniker habe ich dann doch nicht sofort aufgegeben, sondern noch bis 1996 beibehalten. Bereits 1995 hatte sich abgezeichnet, dass das Unternehmen allmählich Ausmaße anzunehmen begann, die einen Nebenjob nicht mehr zuließen. Bald wurde außerdem klar, dass ich alleine überfordert war. Ich konnte ein Triebwerk allein bauen, aber wenn die Rakete zusammengesetzt und transportiert werden musste, dann brauchte ich Hilfe. Und natürlich beim Start und bei Triebwerktests. Das Einmann-Unternehmen wurde zum Team.
Und
sie wurden Uni-Dozent.
Steve Bennett: Richtig, eine der Universitäten von Greater Manchester, die University of Salford, hatte einen Kurs in Rocket-Science eingerichtet und groß beworben. Das Echo hatte den Chef der Fakultät für Physik dann allerdings kalt erwischt. Das Interesse an dem Kurs war so groß, dass er in leichte Panik geriet, denn es fehlte ihm an Raketenspezialisten als Dozenten. Irgendwer machte ihn in dieser Situation auf mich und meine Raketentests aufmerksam, und er rief mich an. Für mich war das Angebot ein kleines Geschenk des Himmels. Ich konnte meine Raketen aus der Garage holen und in der Universität unterbringen, bekam dort ein eigenes Büro, ein eigenes Laboratorium, konnte jederzeit auf die Hilfe von eifrigen Studenten zurückgreifen und wurde dafür auch noch bezahlt. In ein ordentliches Unternehmen, eine Limited (entspricht der deutschen GmbH), konnte ich Starchaser schließlich 1998 umwandeln. Und inzwischen haben wir auch einen amerikanischen Zweig, Starchaser US in New Mexico.
Warum
ist es so schwierig, geeignete
Startplätze zu finden? Sie sind ja mittlerweile mit Rakete im
Gepäck um die halbe Welt gereist.
Steve
Bennett: Nur die halbe Welt? Wir
sind kreuz und quer über den Globus gezogen. In
Großbritannien
können wir keine Raketen mehr abschießen, weil hier
der
Luftraum zu überfüllt ist. Die Gefahr versehentlich
eine
Linienmaschine abzuschießen, ist da sehr real.
Außerdem
gibt’s in Großbritannien nicht genügend
freie Fläche,
um die Rakete wieder sicher runter zu bringen. Unsere Raketen sind
schlicht zu groß geworden. Einer der letzten Starts war der
der
Nova Rakete am 22.11.2001 von Morecombe Bay aus. Das war zugleich die
größte Rakete, die je von der britischen Hauptinsel
aus
gestartet ist. Seitdem waren wir unter anderem in Australien und
jetzt schließlich in New Mexico. Australien hatte eigentlich
perfekte Bedingungen zu bieten.
Warum
sind Sie dann nicht dort
geblieben?
Steve
Bennett: Wir sind von Woomera aus
gestartet, das ist ein riesiger Raketenbahnhof, den vorher schon die
Briten, die Japaner und etliche andere Nationen genutzt hatten. Das
Gelände ist wunderbar. Das Problem mit Woomera ist nur, dass
das
wirklich ganz weit draußen ist. Die Anreise ist ein
logistischer Alptraum, so dass wir uns am Ende doch wieder nach was
anderem umgesehen haben.
In New
Mexico ist alles besser?
Steve Bennett: In vielerlei Hinsicht ja. Obwohl New Mexico der viertgrößte Staat der USA ist, ist er nur sehr dünn besiedelt. Die derzeitige Einwohnerzahl beträgt gerade mal zwei Millionen. Das Wetter ist fantastisch, 360 Sonnentage pro Jahr. Vor allem aber gibt’s in New Mexico die White Sands Missile Range, die älteste Raketenstart-Anlage der USA und Geburtstort des amerikanischen Weltraumprogrammes. Von hier aus wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die erbeuteten V2 abgeschossen. Der zivile Flugverkehr wird seit über fünfzig Jahren großräumig um White Sands herumgeleitet, und die Verkehrsanbindung ist exzellent. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil des Areals ist seine geographische Lage, beinahe anderthalb Kilometer über dem Meeresboden. Das macht die Strecke ins All eineinhalb Kilometer kürzer. Das mag nicht nach viel klingen, aber wenn man zum Beispiel von Florida aus startet, dann muss man diese eineinhalb Kilometer durch dichte Atmosphäre erstmal überwinden – und zahlt dafür einen gehörigen Preis in zusätzlichem Treibstoff und deutlich erhöhtem Startgewicht. Und das ist immer noch nicht alles. Was am Ende ganz besonders für New Mexico spricht, ist, dass der Staat die kommerzielle Raumfahrt als schnell wachsende Zukunftsindustrie ansieht, deren wirtschaftliche Bedeutung für New Mexico enorm sein wird. Deshalb hat der Staat in Las Cruces, ganz in der Nähe von White Sands, einen großzügigen Spaceport aufgebaut und fördert gezielt die Ansiedlung von kommerziellen Raumfahrtunternehmen wie Starchaser US.
Weites,
offenes Land, kaum besiedelt,
garantierter Sonnenschein, wenig Verkehr auf den Free- und Highways
–
das klingt nicht nur nach einem Paradies für Raketenbauer,
sondern auch nach einem für Motorrad-Freaks. Nehmen Sie Ihre
Maschine öfter mal mit nach drüben?
Steve
Bennett: Nein, die bleibt schön
hier. Aber ich leihe mir gelegentlich das Motorrad eines Freundes aus
und fahre dann einfach drauflos. Allerdings machen mir amerikanische
Autofahrer Angst.
Warum
das?
Steve Bennett: Die haben die unangenehme Eigenschaft, mit ihren Pickup-Trucks so dicht aufzufahren, dass sie einen fast berühren. Und auch beim Überholen achten sie nur selten auf Abstand.
Weltraumtourismus
sei ein gigantischer
Wachstumsmarkt, sagen Sie. Auf diesem Markt konkurriert Steve
Bennett, der frühere Labor-Techniker und jetzige Uni-Dozent
mit
seiner kleinen Firma Starchaser nicht nur mit den Dinosauriern NASA
oder ESA, sondern auch mit milliardenschweren Geschäftsleuten
wie Richard Branson, dem Microsoft-Mitgründer Paul Allen oder
John Carmack, dem Vater der Spiele Doom und Quake. Ist das Rennen da
nicht von vornherein verloren?
Steve Bennett: Richard Branson mag noch so laut verkünden, dass Virgin Galactic groß ins Weltraumtourismusgeschäft einsteigen wird, es ändert nichts daran, dass er im Moment nicht einmal eine Rakete hat. Allerdings verhandelt seine Firma wohl mit Scaled Composite, deren SpaceShipOne den mit zehn Millionen Dollar dotierten Anahri X Prize gewonnen hat. Bransons baldiger Einstieg ins Weltraum-Geschäft ist also noch durchaus möglich; und wenn er einsteigt, dann hat er sicherlich ausreichend Ressourcen, um das Geschäft auf Dauer zu dominieren. Andere reden nur und haben gar nichts. Im Moment wird viel geredet, aber nur wenige sind tatsächlich schon so weit. Der amerikanische Konstrukteur Burt Rutan und sein Team gehören sicherlich zu den letzteren. Er gibt aber eine Menge Geld aus. Es sieht so aus, als kreiere er ein Sportauto, wo eigentlich ein Volkswagen gebraucht wird. Auch Carmack und Paul Allen machen gute Fortschritte. Der Rest, nun ja, man wird sehen. Was mich wirklich stört, sind diese Firmen, die schon jetzt großspurig auftreten und Trips in den All verkaufen, als sei das seit Jahren ihr tägliches Brot. Diese Firmen beschreiben ihre Pläne und Aktivitäten in der Gegenwartsform: Wir fliegen dreimal täglich in die Stratosphäre, unsere Raketen haben die und die Schubkraft, wir transportieren pro Tag sechs Touristen... und so fort. Wenn man dann mal genauer hinschaut, stellt man fest, dass diese Firmen nicht einmal eine Rakete, geschweige denn einen Startplatz oder eine Raumkapsel haben.
Wo steht Starchaser denn zur Zeit?
Steve Bennett: Starchaser ist ein anderer Fall. Wir verfolgen eine Strategie der beharrlichen kleinen Schritte. Jede Entwicklung wird zunächst ausgiebig getestet, bevor wir mit der nächsten Stufe weiter machen. Unsere Arbeit ist daher grundsolide, und an Erfahrung und technischer Kompetenz sind wir den meisten anderen Unternehmen inzwischen überlegen.
Und finanziell?
Steve Bennett: Wir hatten nie einen potenten Geldgeber im Rücken und mussten daher von Anfang an mit jedem Pfennig rechnen. Wir haben schon sehr früh ein Geschäftsmodell entwickelt, das uns Einnahmen sichert. In den vergangenen Jahren hat Starchaser rund drei bis vier Millionen Pfund ( 4,5 – 6 Millionen Euro) eingenommen. Ein großer Teil dieser Gelder wurde von Sponsoren zur Verfügung gestellt, andere Einnahmequellen sind unser Merchandise, der Club und vor allem das Outreach-Programm. Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird Starchaser außerdem an die Börse gehen. Der Hauptgeschäftszweig wird in Zukunft jedoch der Raum-Tourismus sein. Da tut sich ein gigantischer Markt auf.
Wenn
Sie mit einer Rakete im Schlepptau
durch enge Innenstadt-Straßen kurven und Verkehrschaos
verursachen, ist das Teil des Outreach-Programms oder schlichte Lust
am Aufruhr?
Steve
Bennett: Das ist Teil des
Outreach-Programms. Wir gehen mit den Raketen in Schulen. Wir zeigen
den Schülern, was es mit Raketen und dem Weltraum auf sich hat
und bauen mit ihnen in Workshops Raketen und starten diese auch. Das
Ziel ist es, in den Schülern Interesse an Physik,
Raketentechnologie und an Weltraumforschung zu wecken. Bisher
beschränkt sich das Schulprogramm auf die britischen Inseln,
aber wir würden es gern ausdehnen, auch nach Deutschland. Bei
der Gelegenheit käme ich dann vielleicht auch mal wieder nach
Paderborn. Eine andere Outreach-Aktivität ist unsere enge
Kooperation mit dem Spaceport in Liverpool. Aber unser wichtigstes
Betätigungsfeld ist für die Zukunft eindeutig der
Weltraumtourismus.
Was
ist eigentlich Ihre Definition von
Weltraum-Tourismus?
Steve
Bennett: Das ist eine
interessante Frage. Es gibt sicherlich mehrere Aktivitäten und
Angebote, auf die der Begriff Weltraumtourismus zutrifft. Irdischer
Weltraumtourismus, okay, das ist eigentlich ein Widerspruch in sich
selbst, wäre zum Beispiel der Besuch von Space Parks wie dem
Spaceport in Liverpool oder dem Kennedy Space Park. Millionen von
Menschen machen von diesen Angeboten bereits Gebrauch; sie buchen
Touren, kaufen Merchandise und lassen sich das Vergnügen
locker
100 Dollar pro Kopf kosten. Dann gibt’s Space Rides, in denen
man
für einige Sekunden nahezu schwerelos ist. Manche Achterbahnen
bieten diesen Effekt, aber auch andere, oft speziell für
diesen
Zweck designete Amüsierpark-Maschinerie. Die nächste
Stufe
sind Flüge, in deren Verlauf man für einige Sekunden
Schwerelosigkeit verspüren kann. Oder jene Astronauten-Pakete,
in denen man die typischen Phasen des Astronauten-Trainings mitmachen
kann. Schließlich erschwingliche Raketenflüge in
eine Höhe
von 100 km und darüber, die Starchaser anbieten wird. Wir
bringen unsere Passagiere sicher rauf und wieder runter, das ist das
kurzfristige Ziel. Ganz oben in der Liste, und nur für sehr
wenige erschwinglich, finden sich dann Flüge in die Umlaufbahn
und Ausflüge zur Internationalen Raumstation, die im Moment
nur
die Russen im Programm haben und die rund 20 Millionen Dollar pro
Person kosten. Das sind die Gegenwart und die nahe Zukunft des
Weltraumtourismus. Wie immer man Weltraumtourismus am Ende auch
definiert, er findet bereits statt, und der Markt wächst
rasant.
In unserem Segment gehören wir derzeit zu den Firmen, die ganz
vorne mitspielen.
Was
war Ihrer Meinung nach der größte
Fehler, den die Regierung des konservativen Premiers Edward Heath
gemacht hat?
Steve
Bennett: Die Einstellung des
britischen Raumfahrtprogrammes im Jahre 1971. Seitdem ist
Großbritannien nur noch Zuschauer und beteiligt sich
höchstens
mal an einzelnen Projekten der Europäischen Raumfahrtagentur
ESA. Im Vergleich zu anderen EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland
oder Italien, die massiv in Weltraumforschung und Weltraumtechnologie
investieren, gerät Großbritannien dadurch
langfristig
auch technologisch ins Hintertreffen. Wenn man sieht, welch gewaltige
Anstrengungen Amerika, Russland, China, Japan oder Indien in der
Weltraumforschung unternehmen, dann wird diese britische
Zurückhaltung noch weniger verständlich.
Fördert
der britische Staat denn
wenigstens private Raumfahrtunternehmen wie das Ihre?
Steve
Bennett: Von der britischen
Regierung kommt gar nichts. In Amerika sieht die Sache anders aus.
Starchaser US wird vom Staate New Mexico sehr gut unterstützt.
Das ist übrigens auch etwas, was wir mit unserem
Outreach-Programm zu erreichen hoffen: Manche von den
Schülern,
die durch das Programm für Raketentechnik und
Weltraumforschung
begeistert werden, werden vielleicht irgendwann in ihrem
späteren
Leben Politiker oder Beamte, die über die Verteilung von
Geldern
für Forschungsvorhaben zu entscheiden haben.
Hat
das Privatunternehmen Starchaser
Verbindungen, egal welcher Art, zu staatlichen und
überstaatlichen
Organisationen wie der ESA oder der NASA?
Steve
Bennett: Oh ja. ESA zum Beispiel
hat uns offiziell als Dientsleister und als Forschungspartner
anerkannt. Mit NASA sieht die Sache ähnlich aus. Da Starchaser
US eine amerikanische Firma ist, haben wir Zugang zu vielen
NASA-Services und zu technischen Unterlagen, die nicht-amerikanischen
Firmen verwehrt bleiben. Und auch mit den Russen arbeiten wir
punktuell zusammen.
Welchen
der Väter der Raumfahrt
würden Sie als Ihr Idol ansehen?
Steve
Bennett: Idol ist vielleicht ein
zu großes Wort. Aber einigen von denen fühle ich
mich
sicherlich geistesverwandt. So wie Robert Goddard aus Massachusetts.
Vor allem aber Wernher von Braun, der unzweifelhaft einer meiner
Helden ist. Wenn ich deren Biographien lese, dann ist mir oft, als
lese ich über mich selbst. Ich kann nachfühlen und
verstehen, was sie angetrieben hat, ihre Gedankenwelt, Vorstellungen
und Träume. Unsere eigene Arbeit beruht zudem ganz erheblich
auf
den Werken von Goddard und von Wernher von Braun. Wir erfinden
schließlich nicht das Rad neu.
Wernher
von Braun ist allerdings auch
ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn sich
Wissenschaftler und Visionäre in Verfolgung ihrer
Träume an
ein unmenschliches Regime verkaufen. Zigtausende von Sklavenarbeitern
sind bei der Konstruktion seiner Raketen umgekommen. Würden
Sie
Ihre Dienste dem Militär zur Verfügung stellen, wenn
das
britische Verteidigungsministerium auf Sie zukäme?
Steve Bennett: Ich war Soldat, habe also kein Problem mit dem Militär. Aber bisher ist es zu keiner Zusammenarbeit gekommen, und das Militär hat auch kein Interesse an einer solchen angedeutet.
Was
fasziniert Sie bis heute so an
Raketen und am Weltraum?
Steve Bennett: Der Weltraum ist das große Unbekannte. Auf der Erde haben wir so ziemlich alles erforscht, die höchsten Berge, die tiefsten Seen, die Pole und die Wüsten. Ich liebe es, Unbekanntes zu erforschen, Pionier zu sein. Ich will hinaus ins All, auf den Mond, den Mars, ich will mit eigenen Augen sehen, was da ist.
Sie
sind nicht zufällig auch ein
Star Trek-Fan?
Steve
Bennett: Absolut! Nicht nur, weil
Star Trek ein einziger, endloser Forschungs-Trip ist, sondern auch,
weil Star Trek so viele technische Neuerungen, die uns heute
selbstverständlich erscheinen, schon vor zehn, zwanzig Jahren
vorweg genommen hat. Schauen Sie sich nur mal mein Mobiltelefon an.
Das Design ist fast identisch mit dem der Enterprise-Kommunikatoren.
Ich klappe es auf, und es ist bereit. Es ist weit mehr, als nur ein
Telefon. Ich kann damit Berechnungen durchführen, kann Daten
und
Adressen speichern, Ton aufzeichnen und fotografieren. Ich kann mich
direkt mit einem Computer oder dem Internet verbinden. Und das alles
mit einem vergleichsweise winzigen Gerät. Noch vor
fünfzehn
Jahren wäre das wüsteste Science Fiction gewesen.
Nur
der schnelle Flug in andere
Sternsysteme oder gar Galaxien wird wohl auf immer Science Fiction
bleiben. Schneller als das Licht geht nun mal nicht.
Steve Bennett: Wer sagt denn das? Okay, die Lichtgeschwindigkeit ist die Obergrenze. Aber es gibt verschiedene Wege von A nach B. Wenn man das Universum mit einem Blatt Papier oder einer Membran vergleicht, dann ist der Weg von A nach B endlos lang, wenn man immer schön auf der Oberfläche bleibt. Wenn man aber das Blatt Papier so faltet, dass A und B direkt übereinanderliegen und dann eine Nadel durchsticht, dann ist der Weg von A nach B kaum der Rede wert. Auf diesem Prinzip der Raumfaltung basiert der Warp-Antrieb der Enterprise. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir eines Tages eine Technologie entwickeln, die uns Ähnliches erlaubt.
Der
Wissenschaftler Stephen Hawking hat
vor einigen Tagen gesagt, dass wir dringlichst damit beginnen
müssten, Kolonien im Weltraum zu errichten. Andernfalls sei
das
Überleben der Menschheit ernsthaft gefährdet. Er muss
Ihnen
aus der Seele gesprochen haben.
Steve Bennett: Hat er in der Tat. Ich bin ebenfalls der Überzeugung, dass die Zukunft der Menschheit im Weltall liegt. Die Gefahr, dass wir uns hier auf der Erde selbst auslöschen, ist sehr real. Dazu braucht's nicht einmal einen Krieg. Es ist vielmehr eine Frage der Ressourcen und wie wir mit ihnen umgehen. Hier auf der Erde gehen sie unwiderruflich zur Neige. Ersetzen können wir manche nur noch von außerhalb, durch die Erschließung und Ausbeutung anderer Planeten.
Apropos
Ressourcen: Starchaser pflanzt
jedes Jahr hundert Bäume, um den Schaden wiedergutzumachen,
den
die Firma an der Umwelt anrichtet. Ist das nicht ein bisschen bigott?
Steve Bennett: Nicht wirklich. Der eigentliche Schaden wird von unseren Bodenfahrzeugen angerichtet, dem Sattelschlepper und den PKWs. Raketentreibstoff hingegen ist erstaunlich sauber. Wir arbeiten mit Zweikomponenten-Flüssigtreibstoffen, der wichtigste Bestandteil ist Hydrogen, der andere Kerosin. Der Schadstoffaustoß ist minimal. Unsere Raketen sind weit umweltfreundlicher als Flugzeuge oder PKWs.
Wollen
Sie selbst noch zu anderen
Planeten fliegen? Und zu welchen?
Steve Bennett: Ich will unbedingt zu anderen Planeten reisen! Ich möchte zum Mond und zum Mars. Mein Wunschziel jedoch ist der Jupitermond Europa. Er scheint der erdähnlichste Planet in unserem Sonnensystem zu sein. Viele Anzeichen sprechen sogar dafür, dass seine Oberfläche von Wasser bedeckt ist, auf dem eine dicke Treibeisschicht schwimmt. Ein hochinteressanter Planet also!
Kann
ich meine Nachos gefahrlos in
Rocket Fuel tauchen?
Steve
Bennett: Sicher. Sie sollten aber
ein Glas Wasser in Reichweite haben, denn das Zeug ist
höllisch
scharf. Hergestellt wird die Chili-Sauce in unserem amerikanischen
Standort Las Cruces, und zwar ausschließlich aus
natürlichen
Zutaten. Als wir die Sauce zum ersten Mal in einem örtlichen
Lokal probiert hatte, keuchte einer der Techniker nach einem
längeren
Hustenanfall: „Mein Gott, das Zeug ist Rocket
Fuel.“ Womit es
dann seinen Namen weghatte, unter dem es seitdem über unseren
Merchandise Shop vertrieben wird.
Waren
Sie eigentlich jemals in der Area
51?
Steve
Bennett: Nein, aber in Roswell,
das gleich um die Ecke von Las Cruces ist.
Aha,
irgendwelche interessanten
außerirdischen Technologien dort gefunden?
Steve
Bennett: Nein, da muss jemand
schneller gewesen sein.
Eine
letzte Frage noch: „Born To Be
Wild“ von Steppenwolf ist weltweit zur Bikerhymne geworden.
Welcher
Song hat ihrer Meinung nach das Zeug zur Raketenmann-Hymne?
Steve
Bennett: Da gibt’s zwei
Kandidaten. Erstens die Titelmelodie der von Gerry Anderson kreierten
Fernsehserie Fireball XL 5. Und zweitens „Rocket
Man“ von Elton
John.
©
2007 MuzikQuest/Edgar Klüsener
Erstveröffentlichung: Februar 2007, Galore