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BRIAN WILSON
SMILE
Warner
Für keinen anderen Musiker der Popkultur
trifft die Phrase von Genie und Wahnsinn prägnanter zu als für Brian
Wilson, den kreativen Kopf der legendären Beach Boys. Als im Winter
1961 die Pendletons im Amateurstudio des Hobbymusikers Murry Wilson den
Song „Surfin´“ aufnehmen, beginnt ein neues Kapitel kalifornischer
Surfmusik. Der Wilson-Clan nennt sich von nun an Beach Boys, kürt die
Strand- und Automobilromantik zur Teenagerideologie und revolutioniert
unter dem neuen Namen die nordamerikanische Popmusik. Mit dem von
vielen Fachleuten als bestem Album der Popgeschichte gehandelten Pet
Sounds modernisiert die Band 1966 den Sound und leitet ihre
psychedelische Phase ein. In diese Zeit fällt auch die Arbeit an einem
neuen visionären Werk, das alle bisher da gewesenen Vorstellungen von
Produktion und Komplexität eines Albums sprengen soll. Gemeinsam mit
seinem Freund, dem damals noch unbekannten Texter, Van Dyke Parks
erarbeitet Wilson eine „Teenage Symphonie To God“ mit dem Arbeitstitel
Dumb Angel, ein groß angelegtes Konzeptalbum über Liebe und Americana,
das tiefe Einblicke in sein musikalisches Universum bietet. Ein
Projekt, zu visionär für die 60er Jahre, aber auch durch den
Widerwillen der Band, der Skepsis der Plattenfirma und nicht zu letzt
eigener Selbstzweifel, vorerst zum Scheitern verurteilt. Die Folgezeit
ist von persönlichen Krisen geprägt, denen er einem Phönix aus der
Asche gleich 1988 mit dem Solowerk Brian Wilson entsteigt. 2002
erscheint mit Live At The Roxy Theatre, ein gelungener Mitschnitt
seiner Comeback-Konzerte, und 2004 veröffentlicht Brian, von Eric
Clapton, Elton John & Paul McCartney unterstützt, Gettin´ In Over
My Head. Nur 37 Jahre nach dem in den Archiven verschwundenen Exposé,
taucht Smile nun aus dem Nebel der Vergessenheit auf. Im Januar 2004
beginnt Wilson mit Van Dyke Parks, Darain Sahanaja und Paul Mertens die
Proben zur Live-Aufführung des Smile-Materials, die am 20. Februar in
der Londoner Royal Festival Hall stattfindet und sowohl von Fans als
auch Presse gleichermaßen in aller höchsten Tönen gelobt wird. Das
Album selbst ist in drei Teile gegliedert und vermittelt anfangs mit
„Heroes And Villains“ und dem stürmischen „Roll Plymouth Rock“
turbulente Leichtigkeit. Den Höhepunkt des zweiten eher melancholischen
Teils bildet der Klassiker „Surf´s Up“. Wieder fröhlicher wird es im
dritten Part, der in dem unvergleichlichen „Good Vibrations“ seinen
genialen Ausklang findet. Mit der Veröffentlichung von Smile schafft
sich Brian Wilson das lang verdiente musikalische Denkmal und
enträtselt eine der außergewöhnlichsten Mythen der Popgeschichte. So
hebt der Guardian die „bahnbrechende Komplexität und Durchdachtheit“
des Werkes hervor und nennt es die „einzigartigste Amerikanische
Symphonie“. Das größte Kompliment machte aber Leonard Bernstein, der
Brian Wilson einmal den bedeutsamsten Komponisten des 20. Jahrhunderts
nannte.
©
2004 Andreas Probst/
MuzikQuest
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