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Aerosmith
Honkin' On Bobo
Sony
1970
formierten Tom Hamilton (bass), Joe Perry (guitar) und der damals noch
an den Drums sitzende Steven Tyler das Cream orientierte Trio Chain
Reaction. Ein Jahr und einige personelle Rochaden später – Joe Kramer
(drums) und Brad Whitford (guitar) hatten die Band komplettiert – zog
man vom ländlichen New Hampshire nach Boston. Tyler wandelte sich zum
Leadsänger und das Quintett nannte sich von nun an Aerosmith. Ihr
kompromißloser Hardrock begeisterte schnell die lokale Szene und mit
dem ersten Longplayer Aerosmith war bald die gesamte amerikanische
Ostküste erobert. Perry und Tyler erfüllten bei Aerosmith dieselben
Funktionen wie Jagger/Richards bei den Rolling Stones. Perry
komponierte die wuchtigen Songs und Tyler lieferte die Texte dazu. Das
funktionierte bestens, bis sich Ende der 70er Jahre der Nebel des
Vergessens über die Band zu legen begann. Erneute Umbesetzungen taten
ein Übriges zur allgemeinen Verunsicherung. Erst 1984 gelang es Tyler
die Band in Originalbesetzung für die „Back In The Saddle“–Tour wieder
zusammenzubringen. Das Interesse an der neuen Heavy-Generation mit
Bands wie Guns’N’Roses oder Metallica brachten wieder Erfolg und
erleichterten Aerosmith so den Sprung über die 90er bis heute.
Mit
ihrem aktuellen Album Honkin‘ On Bobo verabschieden sich Aerosmith von
den handwerklich sauberen aber biederen Produktionen der letzten Jahre
und kehren zu ihren Wurzeln zurück. Erdiger Blues at it’s best
kombiniert mit dirty Rock’n‘Roll ist das Motto dieser
Klassiker-Sammlung. So klingt die Band eher nach den Pretty Things als
den Stones. Kein Zufall vielleicht dann auch, daß zum Opener Bo
Diddley’s „Road Runner“ auserkoren wurde, ein Song den die Pretty
Things auf ihrem 1965er Debütalbum ebenfalls an die Spitze setzten. Mit
weiteren rohen archaischen Interpretationen alter Hits wie „Shame,
Shame, Shame“, „Baby Please Don’t Go“, „You Gotta Move“ oder „Stop
Messin‘ Around“ lassen Tyler & Co ihrer Spielfreude freie Bahn und
treten den Beweis an, nichts im Laufe der Jahre verlernt zu haben. Daß
allein die einzige Eigenkomposition gegenüber den anderen Songs gewisse
Konditionsmängel anzeigt, sollte der Band neue Erkenntnisse offenbaren
und richtungsweisend für nächste Produktionen sein.
© 2004 Andreas Probst/
MuzikQuest
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