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Das Buch

Ein zweiter Schritt und die Wehwehchen ließen allmählich nach, ein dritter, nun sicherer, und nur noch ein dumpfes Zerren im Rücken. Er richtete sich ganz auf und eilte mit kleinen, schlurfenden Schritten hin zum Fußweg entlang der Oxford Road, auf dem sich Studenten drängelten und Krankenschwestern und jugendliche Drogendealer auf ihren Fahrrädern, die Kapuzen über die Baseballkappen gezerrt. Zwischen ihnen schwammen bedächtig dahin schlendernde Müßiggänger mit dem Strom, ließen sich treiben ohne ein wirkliches Ziel.



Neil erreichte den Ausgang des Parks, ein Schritt weiter würde ihn mitten hinein in den unaufhörlichen Strom der Fußgänger treiben. Er blieb abrupt stehen, unschlüssig was als nächstes zu tun sei. Sie hasteten an ihm vorbei, den Blick geradeaus gerichtet manche, den Blick zu Boden andere, einige suchend um sich schauend, aber niemand schenkte ihm auch nur das kleinste Anzeichen von Beachtung. Da stand er, abgerissen, hilflos, Hilfe suchend, vor allem aber unsichtbar. So unsichtbar wie meist. Unsichtbarkeit gehört zum Leben der Parkmenschen, der Obdachlosen, Penner, Landstreicher, wie immer sie auch der Volksmund schimpfen mag. Passanten mögen ihrer gewahr werden, wenn sie an einem regnerischen Tag bis auf die Haut durchnässt den Mülleimer vor der Kebab-Bude nach Essbarem durchstöbern. Oder wenn sich einer mitten auf der belebtesten Straße der Stadt zum betrunkenen Sitzstreik gegen das Schicksal niederlässt und prompt gewaltige Staus in alle Verkehrsrichtungen verursacht. Dann werden sie lästig, ein Ärgernis, ein Schandfleck, der ins Auge fällt und daher stört. Ansonsten aber sind sie schlicht unsichtbar. Kein Blick bleibt auf ihnen haften, Passanten schauen einfach durch sie hindurch. Die Unsichtbarkeit hat ihre Vorzüge, sie ermöglicht erst das Leben abseits der Norm, sie schützt vor Verantwortung und vor unmöglich zu erfüllenden Ansprüchen. Geht die Unsichtbarkeit verloren, bleibt ein Blick haften, der eigentlich hindurchgehen sollte wie durch Glas, dann bedeutet das in aller Regel Ärger.


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