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Er spürte einen ersten Hauch von Panik, ein eiskaltes Prickeln zwischen den Schulterblättern. Das war ein nur zu vertrautes Zeichen, ein Hinweis darauf, dass er sich in Gefahr befand, nicht nur die Kontrolle über die Situation, sondern auch über sich selbst zu verlieren. Er musste eine Entscheidung treffen, auf der Stelle! In der gewaltigen Kastanie hinter ihm begann eine Lerche ein kleines Lied. Neil lauschte gebannt, hoffte auf eine Botschaft im Vogelsang. Der Vogel war ein Meistersänger, beherrschte Kapriolen und Terzen, meisterte das quirlige Anschwellen von kleinen Melodiefolgen hin zu einem volltönenden dramatischen Schlussgesang, der Neil atemlos zuhören ließ. Und der Gesang trug tatsächlich ein Botschaft in sich, wie er schließlich zu erkennen glaubte, eine ganz simple zudem: „Raff deinen faulen Arsch auf, lauf zur Straße, halte den erstbesten Fußgänger an und bitte ihn oder sie um Hilfe.“ Die Lerche trällerte noch eine kleine Tonfolge, plusterte kurz das Gefieder und machte sich dann auf in die Lüfte.
Mühsam stemmte Neil sich hoch, kämpfte gegen das Reißen in den Fersen und den stechenden Schmerz im Rückgrat an. Er richtete sich auf, verharrte einen Moment leicht vornüber gebeugt und machte dann den ersten, noch unsicheren Schritt.
Zipperlein hatte seine Großmutter die vielen kleinen Wehwehchen genannt, die ihr die Herbsttage ihres Lebens so oft vergällt hatten. Damals hatte Neil nur gutmütigen Spott für ihre Klagen übrig gehabt, weil sein noch junger Körper keine Vorstellung hatte von geschwollenen Knien, gequetschten Bandscheiben, rheumatischen Gelenken, Arthritis oder verklebten Bronchien. Die Großmutter war seit langem tot, Neil mit seinen 43 Jahren zwar immer noch relativ jung, sein Körper aber durch das harte Leben auf der Straße bereits Jahrzehnte älter. Das Zipperlein plagte ihn schon seit langem, wenn auch zumeist stoisch ignoriert.
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