Und
nun? Was zum Teufel war zu tun, wenn man im Park mit einer Leiche
allein war? Für Neil war's das erste Mal, und nichts und
niemand
hatte ihn jemals auf eine solche Situation vorbereitet. Hilfesuchend
sah er sich um. In der Ferne, auf dem Spielplatz am anderen Ende des
Parks, konnte er einige Kinder ausmachen. Vor der
Whitworth-Kunstgalerie parkte ein Lieferwagen, die
Flügeltüren
am Heck zwar weit geöffnet, der Wagen aber anscheinend
verlassen, der Fahrer irgendwo im Inneren des Gebäudes
beschäftigt. Dem Park gegenüber, auf der anderen
Seite der
Oxford Road, auf der sich ein zäher Strom von Linienbussen,
PKWs
und Taxis stadtein und -auswärts quälte, lag die
Royal
Infirmary, das größte Krankenhaus Manchesters.
Für
einen Moment erwog Neil die Leiche einfach hochzuhieven und
hinüber
zum Krankenhaus zu zerren, verwarf den Gedanken aber ganz schnell
wieder als undurchführbar. Liam mochte zwar im Leben
dürr
und ausgezehrt gewesen sein, im Tode jedoch erschien er Neil
tonnenschwer. Außerdem würde es wohl kaum ein gutes
Bild
abgeben, ein abgerissener Penner, der einen leblosen Körper
hinter sich her schleifend die Oxford Road zu überqueren
versucht und dabei ein heilloses Verkehrschaos produziert. Bei dieser
bizarren Vorstellung musste Neil unwillkürlich kichern, fing
sich aber schnell wieder.
Eine kleine schwarze Fruchtfliege ließ
sich auf Liams Augapfel nieder, verharrte für eine Sekunde
reglos, wanderte dann zielstrebig zum Augenwinkel. Neil schauderte.
Erst der Anblick der kleinen Fliege auf dem milchig-trüben
Augapfel brachte ihm die Endgültigkeit von Liams Tod wirklich
zu
Bewusstsein und mit ihr die Banalität alles Lebens. Was in
einem
Moment noch Bewegung war, Hunger, Lust, Leidenschaft, Trauer, Hass
oder Liebe, war im nächsten Moment nur noch Eiablageplatz
für
kleine schwarze Fliegen und ein Problem für die
städtische
Müllabfuhr.