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Das Buch

Ansonsten jedoch ging Liam jedem Konflikt aus dem Weg, und er hatte schon häufig vermittelnd eingegriffen, wenn seine Gefährten drauf und dran gewesen waren mit den Fäusten aufeinander loszugehen.

Und nun lag er da, still ruhend, regungslos. Je näher Neil Liams dahin gestrecktem Körper kam, desto unruhiger wurde er. Dessen Regungslosigkeit war ein wenig zu absolut für seinen Geschmack. Kein noch so unmerkliches Heben und Senken des Brustkorbs, die lange, fettige Haarsträhne, die über seinen halb geöffneten Lippen lag, bewegte kein noch so leichter Atemhauch, der Leben versprochen hätte.

„Oh, heilige Scheiße“, murmelte Neil, als sich die vage Ahnung langsam zu bitterer Wirklichkeit verfestigte. „Der verdammte Vollidiot hat den Notausgang genommen.“

Vorsichtig stieß er mit der Fußspitze gegen Liams Oberschenkel. „Liam? Komm schon, Mann, wach auf. Du kannst doch nicht einfach hier mitten im Park abkratzen.“




Liam war anderer Meinung, er konnte sehr wohl und er hatte. Schwerfällig beugte sich Neil über das Häufchen Fleisch und Knochen, das einmal ein vertrauter Kumpan in der Kälte langer, nasser Regennächte gewesen war. Hätte er noch eine letzte Gewissheit gebraucht, die Farbe von Liams Haut gab sie ihm. Unnatürlich weiß, mit einem leichten, bläulichen Schimmer. Dann die halb geöffneten Augen, zwei milchig-weiße Murmeln, in denen ein junges Leben für immer erloschen war. Resigniert zuckte Neil mit den Schultern.

„Das war's wohl, Junge. Hoffentlich war's wenigstens ein letzter guter Kick, der dich aus dieser Welt befördert hat.“

„Ein viel zu guter“, ließ sich Engels aus dem Hintergrund vernehmen. „Smack von so guter Qualität, dass er die Dosis völlig falsch kalkuliert hatte. Die hat ihm das Gehirn weg geschossen, metaphorisch natürlich.“


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