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Liam der Taschendieb lag dort, zusammen gekrümmt, scheinbar tief schlafend, ein allen Parkbewohnern seit langem vertrauter Anblick. So lag Liam immer an seinem Lieblingsplatz, wenn er mal wieder eine Ladung übel gestreckten Heroins in die zerstochenen und vernarbten Venen geschossen hatte. Mit einem leichten Seufzer ließ Neil seinen Blick weiter schweifen, hielt dann plötzlich inne und schaute erneut zu Liam herüber. Irgend etwas an der friedlichen Ruhe des Anblicks störte ihn. Langsam richtete er sich auf. „Halt mal den Rand!“, befahl er Cassandra, die gerade hämisch über die Möglichkeit spekulierte, dass Captain George jene Eier fehlen könnten, die aus einem Mann erst einen Kerl machen – zumindest im Volksglauben. Indigniert unterbrach Cassandra ihren Sermon, setzte dann zu einem empörten „Aber...“ an.
„Ruhe!“, zischte Neil.
Cassandra schwieg und beschloss, zunächst einmal still weiter zu zürnen.
„Was ist denn eigentlich los?“ verlangte Kapitän George zu wissen. Die ungewohnt harsche Reaktion Neils auf Cassandras Redefluss hatte auch ihn verblüfft.
„Hey, irgendwas los da draußen?“, meldete sich nun sogar Friedrich Engels aus der hintersten Ecke von Neils Kopf zu Wort, in die er sich vor Wochen zurückgezogen hatte, um, wie er sagte, sein Werk „Die Lage der englischen Arbeiterklasse“ mit den während seiner sieben Monate in Neils Leben neu gewonnenen Erkenntnissen in Übereinstimmung zu bringen.
„Ruhe jetzt, alle!“, orderte Neil nachdrücklich ungebrochenes Schweigen. „Irgendwas stimmt nicht mit Liam. Er scheint mir ein bisschen zu still, zu entrückt und zu reglos zu sein!“
Langsam streckte Neil die schmerzenden Beine und quälte sich dann leise aufstöhnend hoch. Die Arthritis in den Knien machte ihm wieder schwer zu schaffen. Er tat einen ersten, leicht schwankenden Schritt vorwärts.
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