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Goodbye Mr. Manchester
Anthony Wilson an Krebs gestorben

Das war ein Kampf, den Anthony Wilson nicht gewinnen konnte. Am Freitag, den 9. August 2007 verstarb der englische Musikmogul im Alter von 57 Jahren in der Christie Krebsklinik in Manchester.

Anthony WilsonWilson, dessen abenteuerliche Geschichte 2002 in dem Film „24 Hours Party People“ von Michael Winterbottom nacherzählt worden war, war im November vergangenen Jahres erstmalig mit Nierenkrebs diagnostiziert worden. Eine Operation und die anschließende Chemotherapie gaben noch einmal kurzfristig Anlass zur Hoffnung, doch am Ende siegte der Krebs. Seine letzten Wochen waren überschattet von der Weigerung der örtlichen Filiale des Nationalen Gesundheitsdienstes, die Kosten von rund 5.000 ¤ pro Monat für die Behandlung mit dem erprobten und lebensverlängernden Medikament Sutent zu übernehmen. Am Ende sprangen die Bands New Order und Happy Mondays und andere Freunde Wilsons aus der Musikbranche ein und übernahmen die Kosten für das Medikament.

Anthony Wilson hatte seine Karriere als Nachrichtensprecher beim Fernsehsender ITV Granada TV in Manchester begonnen, in den Siebzigern dann auch ein Musikprogramm für Granada TV gestaltet. Sein eigentlicher Einstieg in die Musikszene kam, als er zusammen mit dem Manager der Band Joy Division Rob Gretton, aus der nach dem Selbstmord von Sänger Ian Curtis die Band New Order hervorging, das Plattenlabel Factory Records und wenig später den Hacienda Club gründete.

Label und Club etablierten die Musikszene Manchesters weltweit als Markennamen. Factory Records entdeckte und etablierte Bands wie New Order, die Happy Mondays, A Certain Ratio, James oder Orchestral Manoeuvres In The Dark. Um das Label und den Hacienda Club herum formierte sich in den Achtzigern eine Scene, die als Madchester berühmt wurde. Hacienda-DJs waren maßgeblich an der Entwicklung des Acid House beteiligt, und der Club wurde zum Startbrett für eine ganze Generation junger britischer Talente.

Dieser Lebensabschnitt Anthony Wilsons, der über all dem nie seinen Job als Nachrichtenmann bei Granada TV aufgegeben hatte, wurde 2002 vom britischen Regisseur Michael Winterbottom in dem Film „24 Hours Party People“ nacherzählt. Der Film endet mit einem der Tiefpunkte in Anthony Wilsons Karriere: Der Konkurs von Factory Records und das Aus für die Hacienda, die am Ende von finanziellen Problemen und schießwütigen Gangs in den Untergang getrieben worden war.

1992 meldete sich Anthony Wilson mit einer Musikmesse zurück. Mr. Manchester, den Ehrennamen, der bald von der BBC und anderen überregionalen Medien übernommen werden sollte, hatte ihm die Lokalpresse verliehen, gründete zusammen mit seiner Partner Yvette Livesey die Musikmesse In The City. Seitdem hat sich die Messe zu einer der bedeutendsten Musikmessen der Welt entwickelt, die inzwischen nicht mehr auf Manchester beschränkt ist, sondern auch in New York und in Australien stattfindet.

In The City versteht sich vor allem als Sprungbrett für neue Talente, als klassischer Talentschuppen. Namhafte In The City-Entdeckungen sind neben vielen anderen Oasis, Radiohead, Suede, Elastica, Coldplay, The Darkness, Doves, Elbow, the Stereophonics und Muse.

Seinen Job bein Granada TV, und zuletzt beim lokalen Fernsehsender Channel M hat Anthony Wilson trotzdem nie aufgegeben.

Welchen Stellenwert Anthony Wilson in seiner Heimatstadt hat, verdeutlichte die Reaktion auf die  Nachricht von seiner Krebserkrankung im Spätherbst letzten Jahres. Ganz Manchester litt mit ihm. Die Lokalpresse berichtete seitenlang über seine Erkrankung, und Radio und Fernsehen schlossen sich an.

Trotz seiner schweren Erkrankung engagierte sich Anthony Wilson dann in diesem Jahr in mehreren Krebsinitiativen. Zu einem öffentlichen Skandal kam es, als die für ihn zuständige örtliche Filiale des Nationalen Gesundheitsdienstes NHS ihm und elf weiteren Patienten die Verschreibung von Sutent verweigerte, ein potentes Medikament, das die überwiegende Mehrheit anderer lokaler NHS-Trusts ihren Patienten anstandslos bezahlt. Vor laufenden Kameras beschuldigte Wilson die NHS, sie verurteile jene Krebspatienten, die das Medikament nicht aus privaten Mitteln finanzieren könnten, zu einem vorzeitigen Tode.


Anthony Wilson starb im Kreis seiner Familie. Mit ihr trauert ganz Manchester um den Mann, der wie kein anderer die Musiklandschaft der Stadt und damit Englands geprägt hat.