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Cheap
Trick
Der Stoff, aus dem Legenden
sind...
Montreal könnte eine
wunderschöne Stadt sein, wenn es nur nicht in Strömen regnen würde.
Doch die Sturzfluten, die sich aus grauen Wolken unaufhörlich über die
Metropole des frankophonen Quebec ergießen, halten etliche tausende von
Fans nicht im geringsten davon ab, auf eine schlammige Flußinsel
überzusetzen und sich dort mehrere Stunden lang Rock'n'Roll vom
allerfeinsten zu gönnen. ZZ Top sind die einen Stars des Abends, die
anderen sind Cheap Trick, die gerade mit »Cheap Trick« ein sensationell
gutes Album veröffentlicht haben. Das mittlerweile neunzehnte in der
über zwanzigjährigen Geschichte der Band übrigens. Und nach Meinung
vieler Fans und Kritiker das mit Abstand beste dieser Band, die längst
zur Legende geworden ist. »Cheap Trick« ist laut, wild, aggressiv, hart
und wütend, jeder einzelne Song ist ein kleines
Rock'n'Roll-Jewel, gegen das sich die Stücke moderner Shooting
Stars ausnehmen wie erste Gehversuche in viel zu großen Schuhen. Die
Geschichte von Cheap Trick gleicht freilich auch dem Verlauf einer
Achterbahn, mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen. Nur eine Konstante
zeichnet den Weg der Band durch zwei Jahrzehnte bis heute aus: sie ist
ständig unterwegs, immer noch bis zu zweihundert Tagen pro Jahr. Und
das seit 1977!
Ansonsten gilt für die Vergangenheit, was
Gitarrist Rick Nielsen erzählt:«Wir waren immer in erster Linie
Musiker. Solange wir spielen konnten und Platten aufnehmen, war uns
eigentlich alles andere egal. Vor allem, wenn zudem noch regelmäßig
jeden Monat ein Scheck ins Haus flatterte. Um alles andere kümmerten
sich Leute, denen wir vertrauten, die Plattenfirmen und unser
Management.« Das Vertrauen war ein wenig zu groß und wohl auch ein
wenig zu naiv, das bittere Erwachen kam vor zwei Jahren:« Wir hatten
unseren Deal mit Epic verloren und einen neuen mit Warner gemacht. Doch
Warner veröffentlichte nur ein Album, dann wurde die Firma
umstrukturiert. Alle Leute, mit denen wir bis dahin zu tun gehabt
hatten, wurden gefeuert, und für uns schien auch kein Platz mehr zu
sein.« Cheap Trick schienen danach weitgehend am Ende zu sein. Und die
Musiker mußten feststellen, daß ihnen buchstäblich nichts geblieben
war, nicht einmal die Verlagsrechte an den eigenen Songs. »Jetzt
endlich begannen wir die Fragen zu stellen, die wir eigentlich schon
vor zehn Jahren hätten stellen sollen.« Die Antworten, die sie
erhielten, konnten ihnen ganz und gar nicht gefallen. Am Ende
feuerten sie ihr Management, arbeiteten sich in die geschäftlichen
Finessen der Musikwelt ein, heuerten ein neues Management an, schrieben
dabei fleißig weiter Songs und schickten diese an alle ihnen bekannten
großen und kleinen Firmen. Und waren baß erstaunt ob des Interesses,
das die Demos plötzlich überall weckten: »Auf einmal meldeten sich
immer mehr Firmen bei uns mit lukrativen Angeboten, so daß wir uns
unversehens in der glücklichen Lage wiederfanden, aus vielen guten das
beste Angebot raussuchen zu können.« Am Ende entschied sich die Band
für das Red Ant-Label, ging im Oktober 1996 ins Studio - und fühlte
sich wie neugeboren:« Das war das erste Mal seit vielen, vielen Jahren,
daß wir absolut freie Hand hatten. Keine Plattenfirma setzte uns fremde
Songwriter vor die Nase, wir konnten das Artwork und das Video
bestimmen. Sogar beim Mix durften wir dabeisein und mitreden - das
hatte es bei uns noch nie gegeben.« Unglaublich, aber wahr.
Seitdem geht es mal wieder mächtig aufwärts mit Cheap Trick. So steil,
daß britische Tourneeveranstalter die für September geplanten Konzerte
wegen des riesigen Andrangs bereits in größere Hallen umbuchen mußten
und ihre derzeitige US-Tour immer mehr einem Triumphzug gleicht. Das
amerikanische Internet-Magazin noiZe beschreibt den derzeitigen Trubel
ebenso kurz wie treffend mit der Headline: »The Band That Woke Up
Famous« (= die Band, die morgens aufwachte und berühmt war«). Verdient
haben sie's allemal!
© 1997/2004 by Edgar Klüsener for PLAY
Magazin/ Visions/ MuzikQuest
PS: Im Moment (8. Februar 2004) sind
Cheap Trick im Vorporgramm von Aerosmith au großer USA-Tournee. Für den
Sommer 2004 visiert die Band außerdem einige Europa-Daten an
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