MuzikQuest

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Willkommen auf der Startseite

Braune Brut

E-Mail Drucken PDF

Rechtsaußen:

die unheilige Front der Volksschädlinge und Vaterlandsverräter

Ein Geständnis vorweg: Ich bin ein aufrechter Deutscher. Ich bin stolz auf deutsche Kultur, Musik, Literatur, Wissenschaft und ganz besonders auf das Rheinland. Ich bin von Kopf bis Fuß deutsch. So sind meine Eltern und waren meine Großeltern, Urgroßeltern und... Ich kann meinen Familienstammbaum mit einiger Präzision bis ins frühe zwölfte Jahrhundert zurückverfolgen. Da war Deutschland noch das Ottonische Reich, schon nicht mehr eins mit dem, was heute Frankreich ist, aber doch bereits ansatzweise heilig, römisch und überwiegend deutscher Nation. Obwohl der Begriff 'deutsche Nation' natürlich zu der Zeit kaum gepasst habe dürfte. Das Reich war ein europäisches Reich, in dem Romanen und Angehörige deutscher Stämme, Slawen und Franzosen, Dänen, Juden, Flamen und Friesen neben- und miteinander lebten. Eine Art vorweggenommener Europäischer Union, sozusagen. Das Zusammenleben war nicht immer harmonisch, manchmal auch unfriedlich, funktioniert hat es im Großen und Ganzen aber doch über mehrere Jahrhunderte hinweg. Jahrhunderte, in denen sich eine europäische Kultur herausbildete, eine gemeinsame Sprache in Musik und Malerei, Philosophie, Wissenschaften und Politik. Die Hochburgen 'deutscher', oder, weit besser, europäischer Kultur waren Venedig und Prag, Wien und Florenz, Antwerpen und Avignon, Augsburg und Nürnberg. Hamburg und Amsterdam. Noch zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts war deutsche Kultur eine durch und durch europäische Kultur, die ihre Wurzeln im antiken Athen und Rom ebenso wie in der Renaissance, der Französischen Revolution und in der industriellen Revolution hatte, die von Manchester ausgehend die Welt für immer verändern sollte.

Dann kam dieser unsägliche, hurra-patriotische Pseudo-Nationalismus, der seit 1848 in deutschen Landen überschäumte und das Reich 1914 in einen Krieg verstricken sollte, der am Ende die Existenz des Reiches in Frage stellen sollte. Deutschland verlor den Krieg, und damit einen Teil seiner wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit. Nationalismus kochte weiter hoch, am höchsten bei denen, die vorgaben für Deutschland zu sprechen, die Stimme des Volkes zu sein, in Wahrheit aber nur ihrem eigenen besoffenen Größenwahn das Wort redeten. Der zynische Werbefachmann Josef Goebbels, der gescheiterte österreichische Kunstmaler Adolf Hitler, der kokssüchtige Fettwanst Hermann Göring und all die anderen verkorksten Existenzen, die bald die Führerschaft der National Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bilden sollten. Sie alle sprachen von Deutschland, von seiner Größe und seinen Wünschen und Erwartungen. Von denen sie nichts, absolut nichts verstanden. Sie hatten nicht das Wohl Deutschlands im Sinne, sondern seine unabänderliche, endgültige Zerstörung.

Fast wäre diese ihnen gelungen. In nur zwölf Jahren haben sie deutsch, über Jahrhunderte hinweg ein Synonym für Wissenschaft, Philosophie, Poesie, Erfindungsreichtum, Kunst und Literatur, aber auch für aufrechtes Soldatentum, zu einem Begriff für kaltblütigen industriellen Massenmord, für blindwütigen Rassenwahn und durch nichts begründete Selbstüberhebung, für Niedertracht, Lüge und Kulturfeindlichkeit gemacht. Der marktschreierisch propagierte deutsche Herrenmensch war in Wahrheit der europäische Untermensch. Und das war nur der Anfang. Das großkotzig angekündigte tausendjährige Reich war schon nach zwölf Jahren am Ende. So war Deutschland. Das Reich zerstört, aufgeteilt in Besatzungszonen oder in Teilen gleich anderen Ländern, den ersten Opfern der Aggression, zugeschlagen. Die besten Wissenschaftler im Rassenwahn entweder aus dem Land gejagt oder im KZ umgebracht – wovon sich die deutsche Forschung nie wieder erholt hat und was beide, die USA und die Sowjetunion in den Folgejahren zu technologischen Supermächten werden ließ -, Restdeutschland bis Ende der 1980er Jahre geteilt und der deutsche Name in der ganzen Welt auf immer besudelt und geächtet. Die Nazis und ihre willigen Mitläufer haben Deutschland den größtmöglichen Schaden zugefügt, sie haben das Vaterland nicht nur aufs Niederträchtigste verraten, sie haben es beinahe auf immer zerstört. Volksschädlinge ist ein viel zu freundliches Wort für diese Sorte besoffener und mordlüsterner Untermenschen, deren einzige Freude die Zerstörung all dessen war, was gut und aufrecht an Deutschland und an den Deutschen war.

Man sollte meinen, dass die braune Brut 1945 ihre Lektion gelernt, ihre Ziele endgültig aufgegeben hätte. Aber nein, ihre Kinder reißen heute wieder das Maul auf, ziehen erneut mordend und prügelnd durch die Straßen der Republik, die Untermenschen können nicht von ihrem Rassenwahn lassen. Erneut laufen viele mit, geben der NPD ihre Stimme, der DVU oder irgendwelchen dumpfen Bürger-und freie Wählergemeinschaften. Deutschland steht immer noch. Wider Erwarten hat es die Nazis überlebt, also versuchen es deren Kinder erneut. Irgendwie müssen dieses Land und seine Menschen doch kleinzukriegen sein. Und so marschieren sie wieder, die braunen Vaterlandsverräter, führen Deutschland groß im Banner und haben doch nur seine endgültige Zerstörung im Sinn.

Hoffen wir nur, dass das alte Deutschland, das mit der tausendjährigen Geschichte, und das neue Deutschland, das 1945 aus der Asche wiedererstanden ist, diesen Volksschädlingen und Vaterlandsverrätern diesmal die richtige Antwort gibt.

Gotthold Bachmann, Rheinland, Januar 2012


C 2012 MuzikQuest

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 27. Januar 2012 um 20:56 Uhr
 

Lyrix - Lies mein Lied

E-Mail Drucken PDF

Lyrix-CoverBuch-Tipp

   

Lyrix

Lies mein Lied

33 1/3 Wahrheiten über deutschsprachige Songtexte

Herausgeber: Simon Bunke, Erik Waechtler
Verlag: Orange-Press GmbH
Taschenbuch 

 

Rock'n'Roll, HipHop, Metal, Jazz, Elektronik, Avantgarde – das alles geht heute ganz locker mit deutschen Texten, ohne dass sofort Augen verdreht und Nasen gerümpft werden. Das war nicht immer so. Noch in den frühen 1960ern waren deutsche Lieder ausschließlich Heile-Welt Volksmusikanten und dumm-dreisten Schlageraffen vorbehalten. Die deutsche Sprache schien, zumindest in der Popmusik, zum dümmlichen Geseire verkommen zu sein. Das sollte sich im Westen des damals per Eisernem Vorhang harsch geteilten Deutschlands erst in den späten 1960ern ändern, als die Nürnberger Deutschrockpioniere Ihre Kinder als eine der ersten Gruppen die deutsche Sprache wiederentdeckten – und gleich erstaunliches damit anstellten. Es folgten Ton, Steine, Scherben, Kraftwerk und, ja, auch, Lindenberg. Die Neue deutsche Welle, Deutschpunk, die ersten Lautäußerungen von Hip Hop – deutsch wurde langsam, aber immer lauter, wieder salonfähig als Popidiom. Natürlich auch im Osten des geteilten Landes, wo sich eine ganz eigene Deutsch-Lied-Tradition etablierte, die der des Westens in kaum etwas nachstand.

Eine wirkliche Würdigung aber haben deutsche Texte von Hannes Wader und Silly über Element of Crime und Rio Reiser bis hin zu Rammstein oder Sido bis heute nicht gefunden. Insofern war „Lyrix – Lies mein Lied“ lange überfällig. Herausgegeben von Erik Waechtler und Simon Bunke, bietet der Band 33 Autoren Raum für ihre Auseinandersetzung mit deutschen Liedtexten. Die Herangehensweisen der Autoren an die Texte ihrer Wahl sind so unterschiedlich – und überraschend lesenswert – wie die Autoren selbst. Musikjournalisten sind das und Literaturhistoriker, Musikverrückte und Schriftsteller, die sich auf durchweg ebenso unterhaltsame wie tiefsinnige Art mit Texten von Fehlfarben, Ihre Kinder, Die Goldenen Zitronen, Nina Hagen, Kraftwerk, DAF, Sido und vielen anderen auseinandersetzen.

http://www.youtube.com/watch?v=OsgFAjZVgco

 Kurz und gut: Lyrix ist nicht nur seit Jahrzehnten überfällig, es ist auch durchaus Pflichtlektüre für alle, die eine angemessene Auseinandersetzung mit deutschen Poptexten bisher schmerzlich vermisst haben. Das einzige echte Manko: Zum Nachhören fehlt die CD zum Buch!

Matthias Suppan

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 04. November 2011 um 22:06 Uhr
 

Es war einmal... in Hagen

E-Mail Drucken PDF

ExtrabreitNena, Extrabreit, Eroc, Grobschnitt.... Für einen kurzen Augenblick in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts war Hagen eine Popmetropole von westdeutsch-nationaler Bedeutung. „Komm nach Hagen, werde Popstar“, texteten Extrabreit damals, und der Ruf wurde gehört. Die Medien wurden aufmerksam und kamen nach Hagen, Musiker zogen aus anderen Städten zu, die Stadt am Volmestrand war plötzlich angesagt. Eine Art Seattle-Effekt in der westfälischen Provinz. Bald darauf jedoch versank die Stadt wieder in provinziellem Tiefschlaf, die Karawane zog weiter. Hagens flüchtiger Moment als Popmetropole der BRD hatte dennoch Folgen für die deutsche Rock- und Medienwelt.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 22. September 2010 um 14:14 Uhr
 

Rock im Iran

E-Mail Drucken PDF

Rock im IranWir haben nichts als Probleme”, klagt Milad Tangshir. „Wir dürfen keine Tornträger veröffentlichen, dürfen nicht auftreten, und wenn wir dann doch mal live spielen, werden unsere Konzerte gewaltsam abgebrochen. Sie zensieren unsere gesamte Existenz.” Milad Tangshir ist Rhythmus-Gitarrist von Ahoora, eine der profiliertesten Metalbands in der Islamischen Republik Iran.

Moment mal, Heavy Metal im Iran? Iron Maiden-Shirts, Kutten, Headbangen und Todesblei im revolutionären schiitischen Gottesstaat, im Herzen der Achse des Bösen? Ja geht denn das? Die Antwort vorweg: es geht! Milad Tangshir ist der lebende Beweis. Und es gibt andere. Die brandheiße Band Tarantist oder den brillanten Gitarristen Farzad Golpayegani zum Beispiel. Nicht zu vergessen O-Hum, zwar keine Metalband im engeren Sinn, aber mittlerweile auch in Deutschland eine kleine Größe. Die Umstände allerdings, unter denen sie arbeiten müssen, mag man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünschen. Denn Heavy Metal ist schlicht verpönt und unerwünscht im Iran, im Zweifel ein Fall für die Polizei und für die paramilitärischen Schlägertrupps der Basij. Heavy Metal – und Rock im Allgemeinen – ist Underground. Nur dass der Begriff Underground hier nichts Romantisches an sich hat, sondern die akute Gefährdung der materiellen Existenz und der körperlichen Unversehrtheit impliziert. So ziemlich jeder iranische Metalmusiker wäre heilfroh, wenn er etwas weniger Underground und dafür etwas freier und ungefährdeter in der Ausübung seiner Profession wäre. Um die jetzige Situation im Iran verstehen zu können, ist nun der Zeitpunkt für eine kleine Zeitreise zurück in das Jahr 1978 gekommen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. Juli 2010 um 17:18 Uhr
 

Rock'n'Roll Hotels der Welt

E-Mail Drucken PDF

Inzwischen abgerissen: Hotel Rossija in MoskauSex And Drugs und weiche Betten

Manche Hotels sind halt anders. Rock'n'Roll-Hotels eben, die bevorzugten Absteigen reisender Musiker in den Metropolen dieser Erde. Herbergen, in denen Herr Gitarrist auch schon mal einen Fernseher durchs Fenster werfen kann, während Herr Sänger sich mit zwei Groupies im Bett vergnügt. Zum Beispiel. Eine kleine Rundreise durch einige der wichtigsten Rock'n'Roll-Hotels der letzten fünfzig Jahre.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. August 2010 um 18:16 Uhr
 


Seite 1 von 2

JComments Latest

  • Ein bisschen harsch im Wortlaut, im Kern aber durc...
  • Ein sehr interesssanter Kurzbericht über Hagen und...
  • Ich war 1988 im Rossija und habe da Ritchie Sambor...
  • Es ist schon erstaunlich, wie bereitwillig in Deut...
  • Es wurde Zeit, dass dem Diktator endlich das Handw...

Spezial

Anmeldung


Umfragen

Soll die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abgezogen werden?
 

Wer ist online

Wir haben 1 Gast online

Werbung

Empfohlene Links:
Joomla!
Joomla!, das bekannteste und meistgenutzte Open-Source-CMS-Projekt der Welt.